Dokumentarfilm zu Folgen der Globalisierung in den Kinos
Derzeit läuft der Dokumentarfilm »Der große Ausverkauf« in den Kinos. Der Streifen setzt sich mit dem Phänomen der Globalisierung/Privatisierung und dem Nord-Süd-Konflikt kritisch auseinander.
In vier ineinander verwobenen Erzählsträngen bringt der Film dem Zuschauer das abstrakte und umstrittene Phänomen “Privatisierung” über einfühlsame Porträts von Menschen aus verschiedenen Kontinenten nahe, die von den oft inhumanen und fehlgeleiteten Versuchen, das Wirtschaftswachstum zu steigern, unmittelbar betroffen sind - und die sich auf ihre ganz persönliche Art und Weise dagegen zur Wehr setzen: Für Minda in Manila, Bongani in Soweto und Simon in Brighton ist Privatisierung weit mehr als ein abstraktes Phänomen. Es ist die traurige und oft lebensbedrohliche Realität, mit der sie sich Tag für Tag herumschlagen müssen.
In seinem episodischen Dokumentarfilm beschreibt Florian Opitz die Folgen der Privatisierung öffentlicher Dienste, die Menschen weltweit - oft von internationalen Institutionen wie der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds - aufgezwungen wird. Trotz der geografischen Ferne der geschilderten Porträts, werden die Parallelen zu den wirtschaftspolitischen Entwicklungen in Deutschland schnell sehr deutlich und der Film macht klar: Das Thema Privatisierung betrifft uns alle.
Bongani ist mit seinem Team von “Guerilla-Elektrikern” auf den Straßen des südafrikanischen Townships Soweto unterwegs, um die Häuser derer wieder ans Stromnetz anzuschließen, die zu arm sind, ihre Stromrechnungen zu bezahlen. Seit der Privatisierung der ehemals staatlichen Stromversorgung sind diese um ein Vielfaches gestiegen.
Der britische Lokführer Simon erzählt vom Zustand der Eisenbahn in Großbritannien, seitdem die staatliche British Rail unter Premierministerin Thatcher privatisiert wurde. Zahllose neue private Eisenbahnfirmen, die „in einer Regelmäßigkeit kommen und gehen, die aus dem Fahrplan längst verschwunden ist“ und ein marodes Schienennetz, das bereits zu tödlichen Unfällen geführt hat, sind die Folgen.
Minda lebt in einem philippinischen Slum. Zweimal in der Woche muss sie Geld für die Dialyse ihres Sohnes auftreiben, da das Gesundheitssystem auf den Philippinen zu einem großen Teil privatisiert wurde und armen Menschen auch bei schweren Erkrankungen keine medizinische Versorgung gewährt wird, wenn sie nicht dafür bezahlen können.
Die Bürger Cochabambas, der drittgrößten Stadt Boliviens, kämpfen wütend gegen einen US-Konzern, der die Wasserversorgung der Stadt unter seine Kontrolle gebracht hat und die Trinkwasserpreise auf ein Viertel des durchschnittlichen monatlichen Gehalts der Einwohner hochgetrieben hat.
Doch auch “die andere Seite” kommt zu Wort. Diejenigen, die Privatisierungen befürworten und für die Lösung aller wirtschaftlichen Probleme halten – und dabei vor allem westlichen Konzernen den Zugang zu profitablen, ehemals staatlichen Monopolen in anderen Ländern sichern. Vertreter der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds, ebenso wie Manager von privatisierten Konzernen, die in einer anderen Welt zu leben scheinen als die Protagonisten des Films.
Joseph E. Stiglitz, Professor, ehemaliger Chefökonom der Weltbank und Nobelpreisträger für Wirtschaftwissenschaften kennt beide Welten. Er hat die Schaltstellen der Weltwirtschaft inzwischen verlassen und kämpft seither als Kronzeuge gegen die vorherrschenden neoliberalen Glaubenssätze. Er macht auf einprägsame Art deutlich, woher das Dogma der Privatisierung kommt und wer davon profitiert.
„Mit dem Film 'Der große Ausverkauf' möchte ich zeigen, was hinter dem
abstrakt klingenden Phänomen der Privatisierung öffentlicher Dienste steckt. Was es für die Menschen bedeutet, die davon direkt betroffen sind. Was eine Gesellschaft verliert, die Konzernen die Verantwortung für ihre Grundversorgung überträgt", sagt Regisseur Florian Opitz. "Die Protagonisten haben zu spüren bekommen, was es heißt, wenn ihre Wasser- und Stromversorgung, Busse und Bahnen und sogar das Gesundheitswesen komplett privatisiert werden. Sie haben mit etwas zu kämpfen, das uns früher oder später alle betreffen wird.
Aber mir ist wichtig zu zeigen, dass die Protagonisten keine passiven Opfer sind, sondern würdevolle und aktive Individuen, die in der Lage sind, ihr Schicksal in die Hand zu nehmen und die privatisierte Realität, in der sie leben, zu verändern. Und wenn es nötig ist – Widerstand zu leisten. Der Film möchte die Öffentlichkeit aufrütteln und auf eine schleichende und gefährliche Entwicklung aufmerksam machen, die unser aller Leben betrifft.“
Die Vereinte Evangelische Mission beteiligt sich an diversen Kampagnen zu Gerechtigkeit im Handel, etwa "Gerechtigkeit Jetzt".