Pastor Jean Mutombo berichtet aus Kinshasa
von Eva Meinerts
Nach den Wahlen im letzten Oktober 2006 macht sich der Kongo jetzt an den Aufbau seines Staates. Pastor Jean Mutombo, Bethel, wollte sich selbst ein Bild davon machen, deshalb nutzte er zusammen mit seiner Frau Rose und den vier Kindern die Sommerferien und reiste in seine Heimat, den Kongo. Er berichtet: Einige bescheidene Anzeichen von positiven Veränderungen sind bereits erkennbar: die lange Straße vom Flugplatz zur Stadt wird jetzt immer wieder gefegt, und der Verkehr wird von Polizisten geregelt, die sich als Berater und nicht als Abkassierer betätigen. So soll neues Vertrauen in den Staat aufgebaut werden.
Pastor Mutombo wurde eingeladen, am Sonntag 15. Juli in der großen Kathedrale in Kinshasa zu predigen, und zwar zweimal, um 9.30 und um 12 Uhr, die Predigten wurden von der kircheneigenen Rundfunkstation übertragen. Sein Thema war »Arbeit und gerechte Verteilung« nach Jesaja 30, 19 - 25. Er sprach von dem großen Reichtum, den Gott dem Land Kongo geschenkt hat: Es gibt keine Wüsten, es gibt Wasser überall und fruchtbares Land, aber um diesen Reichtum zu nutzen bedarf es der Arbeit – das Brot fällt nicht vom Himmel, es muss erarbeitet werden. Davon müssen die Kirchen sprechen: von der Arbeit, mit der der Mensch sein Brot erwirbt. Es geht um unsere Verantwortlichkeit gegenüber Gottes Gaben.
Wenn die Menschen arbeiten, gewinnt auch die Kirche, gemeinsam nehmen sie teil an der Entwicklung des Landes. Den Staat und alle Verantwortlichen ruft die Kirche auf, Arbeit für die Menschen zu schaffen, aber auch die Früchte der Arbeit mit ihnen zu teilen. Die Reichtümer des Landes dürfen sie nicht für sich allein beanspruchen. Im Jesaja-Text wird gezeigt, wie die Menschen auch für das Vieh gute Lebensbedingungen schaffen.
Pastor Mutombo begnügte sich allerdings nicht damit, am Sonntag in seiner Predigt den Nutzen der Arbeit hervorzuheben. Am Montag 16. Juli wiederholte er diese Ermahnungen in der Zentrale der evangelischen Kirchen des Kongo und sprach dort über die fehlende Sauberkeit in dm großen vierstöckigen Gebäude. Er rief dazu auf, mit ihm gemeinsam eine Reinigungsaktion durchzuführen, dazu brauche es nicht nur Geld, sondern vor allem Energie und guten Willen.
Am Dienstag erschien er am selben Ort mit Handschuhen und Reinigungsgeräten. Sechs Freiwillige gesellten sich dazu, sie arbeiteten den Dienstag und den Mittwoch, dann war das Gebäude von Grund auf gereinigt. Mutombo besorgte auch noch eine fehlende Toilettentür. Sein Lohn war ein Dankbrief des Verwaltungsrats und am folgenden Montag der Dank von Bischof Dr. Marini, dem Präsidenten der evangelischen Kirchen des Kongo. Er sagte, er habe Pastor Mutombo in der Vorwoche zunächst nicht erkannt in seiner Reinigungskleidung und sei beeindruckt von dessen Arbeitswillen. Mutombos Antwort war, er habe mit dieser Arbeit seine Liebe für das Kirchengebäude ausdrücken wollen, in dem er vor seiner Zeit in Deutschland mehrere Jahre gearbeitet hatte, und fügte hinzu: » In dieser Aufbauphase muss die Kirche deutlich machen, dass das Land nur durch Arbeit aufgebaut werden kann.« Dies entspricht der Botschaft der VEM, wie man sie in ihrem Magazin »In die Welt für die Welt« liest: »Arbeit bedeutet die Chance, in Würde zu leben«.
Etwa zur gleichen Zeit erklärte die Regierung, sie eröffne eine Kampagne für eine Mentalitätsänderung: Neues wird nicht aus der alten Mentalität entstehen, die Menschen müssen sich an die Arbeit machen, die Männer wie die Frauen.