"Was bedeutet 'Kirchentag' für dich?"
Interviews mit Jugendlichen, von Stefan Heinemann
Über 104.000 Dauerteilnehmer hatten sich für den Kirchentag in Köln angemeldet - zwölf Jugendliche aus der Kirchengemeinde Waldalgesheim waren mit von der Partie. Stefan Heinemann hat sie zu ihren Eindrücken befragt.
Wenn Du an die letzten Tage zurück denkst, was verbindest Du mit dem Kirchentag?
Marvin Uhr (16): Ich habe viele Leute vor Augen – und Musik. Denn alles war mit Musik gestaltet. Und die gute Stimmung bleibt mir in Erinnerung. Alle Menschen, denen wir begegnet sind, waren gut drauf.
Kathrin Matthiae (14): Wir haben dort viel Gemeinschaft erfahren und miteinander viel Spaß gehabt – auch als Gruppe. Es war schön, dass wir viel als Gruppe unternommen haben. Aber ich habe auch neue Sachen erfahren über andere Menschen und Länder. Wir haben zum Beispiel den Stand einer Organisation besucht, die sich für arme Kinder in Afrika engagiert. Und freitags sind wir auf der Messe einem Menschen begegnet, der saß im Rollstuhl. Er hatte die Augen verbunden und die Hände gefesselt. Darüber ein Schild: „An den Rollstuhl gefesselt“. Das war provokant, aber eindrucksvoll. Wir sind mit ihm ins Gespräch gekommen, was es bedeutet, ein Leben lang im Rollstuhl zu sitzen.
Was nimmst Du vom Kirchentag mit?
Sandra Russell (13): Mehr über Gott zu reden – dass das gut und nötig ist, das kam in der ganzen Stimmung auf dem Kirchentag rüber. Ich werde in zwei Jahren bestimmt wieder mitfahren – und meine Freundin mitnehmen!
Manuel Saueressig (15): Viel Spaß und Freude – vor allem aber, dass es da auch ganz andere Musik gibt als sonst in der Kirche: Rock, HipHop und viele andere Musikstile.
Jutta Weber (18): Ich nehme unglaublich viele Eindrücke mit – auch von fremden Kulturen. Ich habe immer noch die brasilianische Musik von einer Veranstaltung im Ohr. Auffallend war die Freundlichkeit aller Menschen, mit denen wir in Kontakt gekommen sind – und wir haben mit vielen Menschen gesprochen. Am Abend der Begegnung etwa wurden an verschiedenen Orten der Kölner Innenstadt Kirchentags-Bändchen mit unterschiedlichen Farben verteilt. Wollte man alle Farben sammeln – und wir wollten das – musste man mit anderen Menschen tauschen. Oder sie wenigstens fragen, wo sie die Bändchen her hatten. Man wurde angeregt, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Franziska Römhild (18): Ich habe für mich viel klarer gekriegt, was ich nach dem Abi machen will. Ich überlege einen Freiwilligendienst im Ausland zu machen. Das ich dazu viele Informationen und Gedanken auf dem Kirchentag bekommen – das hätte ich nicht gedacht. Ich habe auch viel Religion nachgedacht. Das tue ich sonst eher nicht. Aber das läuft bei allen Veranstaltungen irgend wie mit: Spaß haben und Nachdenken fällt in eins.

- Franziska Römhild (18) hat neue Ideen für ihre Zukunft nach dem Abi bekommen und überlegt, ob sie einen Freiwilligendienst im Ausland machen will. Jutta Weber (18): "Auffallend war die Freundlichkeit aller Menschen, mit denen wir in Kontakt gekommen sind."
Das heißt, der Kirchentag war ganz anders als Du es erwartest hast?
Franziska: Auf jeden Fall. Ich war überrascht, weil ich dachte, alles sei viel kirchlicher. Aber im Gegenteil: Es war sehr lebendig. Da waren der Jugendgottesdienst von Herrn Heinemann, die Live-Musik, die Bands und die Chöre, die peppige Kirchenmusik gemacht haben.
Und was war für Dich das Tollste in den letzten fünf Tagen?
Manuel: Ganz sicher das Open-Air-Konzert mit den Wise Guys am Donnerstagabend auf den Pollerwiesen.
Sandra: Die großen Menschenmengen und die gute Stimmung – und dass alle Menschen viel Spaß daran hatten.
Jutta: Eben der Abend der Begegnung. Die Stimmung, die Aktion mit den vielfarbigen Bändchen und der Abendabschluss waren beeindruckend.
Franziska: Der Abend der Begegnung mit all der Musik und der guten Stimmung. Wir sind irgend wohin in der Kölner Innenstadt – und haben immer was gefunden, was uns gefällt. Das tragende Gefühl war: Wir sind eine große Gemeinschaft.
Wie würdest Du eine Freundin überzeugen, zum nächsten Kirchentag in Bremen mitzufahren?
Kathrin: Sie soll auf jeden Fall mitfahren, sonst verpasst sie unglaublich viel – vielleicht die schönsten Tage ihres Lebens. Besonders das Feeling und die Stimmung sind umwerfend – zum Beispiel wenn alle gemeinsam die Lieder singen.
Jutta: Na ja, es ist halt ganz anders als man sich eine kirchliche Veranstaltung vorstellt. Und die Angebote sind so vielfältig – für fast jedes Interesse findet sich eine Veranstaltung.






