Reisetagebuch von Claudia Währisch-Oblau (4)
28.2. | Fanling
Fanling, Neue Territorien, an der Grenze zur VR China. Vor 30 Jahren noch ein kleines Bauerndorf inmitten steiler Berge, heute ein Riesenstadtteil mit Hunderttausenden von Einwohnern.
Hongkong wächst unglaublich schnell. Vor 10 Jahren hatte es noch gut 6 Millionen Einwohner, inzwischen ist die 7-Millionen-Marke überschritten. Dabei ist die Geburtenrate extrem niedrig. Die Stadt wächst, weil Menschen aus China einwandern. Hinzu kommen die vielen billigen Arbeitskräfte aus anderen asiatischen Ländern: Haushaltshilfen aus den Philippinen und Indonesien für die vielen Mittelklassefamilien, pakistanische Arbeiter für die Baustellen und den Hafen.
Fanling, so weit vom Stadtzentrum entfernt, ist ein Wohngebiet für ärmere Menschen. Hier hat die Chinesisch-Rheinische Kirche vor neun Jahren eine exzellente Mittelschule gegründet. Ziel: Kinder und Jugendliche aus ärmeren Familien sollen durch eine gute Schulbildung die Möglichkeit zum sozialen Aufstieg bekommen.
Die jugendlich quirlige, engagierte Direktorin führt uns voller Stolz durch das Gebäude. Für 1.200 Schülerinnen und Schüler gibt es drei große Computerräume, Chemie- und Physiklabors, ausgezeichnet ausgestattete Kunsträume, eine Übungsküche, dazu eine große Bibliothek und geräumige Klassenzimmer. In den Fluren hängen überall Kunstwerke der Schüler, die durch ihr hohes Niveau beeindrucken.
An den Wänden der Klassenräume fallen mir die anfeuernden Slogans auf: „Never give up! Always give your best!“
Morgen beginnen für das 11. Schuljahr die Abschlussprüfungen. 200 Schüler werden daran teilnehmen. Die 60 besten von ihnen dürfen das 12. Schuljahr besuchen und dann ihr Abitur machen. Für die anderen 140 ist die Schullaufbahn zu Ende.
Ich frage Heather, wie man als christliche Schule mit solch einer Konkurrenzsituation umgeht. Ihre Antwort: „Wir sagen allen, dass sie ihr Bestes geben sollen. Dann wird Gott für sie einen Weg finden.“
Auch hier gehört zur Schule eine Kirchengemeinde. Sie ist noch ganz jung und aus einem Schülerbibelkreis hervorgegangen. Aber nach drei Jahren hat sie schon 80 Mitglieder. Auch einige Eltern sind dazu gestoßen. Das hat sicher viel mit der Arbeit der Schulevangelistin zu tun. In den gemütlichen Gemeindräumen, die direkt vom Schulhof aus zugänglich sind, können die Schüler etwas essen, klönen, Hausaufgaben machen und sich Rat holen. Täglich finden hier in den Mittagspausen Bibelkreise und Gebetsgruppen statt.
Claudia Währisch-Oblau, Referentin für Evangelisation der Vereinten Evangelischen Mission (VEM), ist seit Ende Februar in China unterwegs, um Gemeinden und Partner der VEM zu besuchen. Von 1985-1997 war sie selbst Mitarbeiterin des nichtstaatlichen Hilfswerks Amity Foundation in Nanjing und Hongkong. Hier sind Auszüge aus ihrem Reisetagebuch.
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