Theologie, Geschichte und die Konsequenzen
Die Theologie der KSA
Ein zentraler Punkt der Theologie der KSA kann am besten durch eine kleine Geschichte erläutert werden:
Ein sehr reicher Mann lebte zusammen mit seinem einzigen Sohn in New York. Beide hatten sie eine Leidenschaft: sie sammelten berühmte Gemälde. Viele Menschen kamen, um die inzwischen immer berühmter werdende Gemäldesammlung zu besichtigen. Dann kam der Vietnamkrieg – und weil es in den USA die allgemeine Wehrpflicht gab, wurde auch der Sohn eingezogen und musste nach Vietnam. Eine Tages bekam der Vater den Brief, der ihm mitteilte, dass sein Sohn gefallen war.
Ungefähr ein Jahr nachdem der Vater die Nachricht vom Tod seines Sohnes erhalten hatte, stand ein junger Mann vor seiner Tür. In den Händen hielt er ein Paket, welches er ihm mit den Worten übergab:
»Ich habe Ihren Sohn gut gekannt. Bevor er starb, hat er mehrere seiner Kameraden durch seinen Einsatz vor dem Tod bewahrt – auch mein Leben hat er gerettet. Wir waren Freunde und so kam es, dass ich ein Bild von ihm gemalt habe. Ich bin kein guter Maler – aber ich möchte Ihnen dieses Bild als ein Zeichen meiner Dankbarkeit schenken – als Erinnerung an Ihren Sohn.«
Mit diesen Worten übergab der junge Mann das Bild dem Vater, der es mit Tränen in den Augen nahm. Als er es anschaute, fand er, dass das Bild die Gesichtszüge seines Sohnes sehr treffend wiedergegeben hatte – besonderes die Augen waren wirklich die seines Sohnes. Tief bewegt hängte er das Bild in die Mitte des großen Wohnzimmers direkt über den Kamin – dahin wo alle Besucher der Ausstellung - und sie wurden immer zahlreicher – es sehen mussten, wenn sie zu den Räumen mit den berühmten Gemälden gingen.
Viele Jahre vergingen – der alte Mann starb und eine Auktion wurde in dem Haus veranstaltet, in der die berühmten Gemälde nach dem Willen des Verstorbenen versteigert werden sollten.
Viele waren gekommen. Aufgeregt warteten sie auf den Beginn der Versteigerung – hofften sie doch, eines der berühmten Gemälde zu einem guten Preis erwerben zu können.
Endlich wurde das erste Bild hereingebracht. Es war das Bild des Sohnes. Alle waren geschockt. Nein – um eines solchen Bildes willen waren sie nicht hergekommen. Das war kein wertvolles Gemälde!
»Wer bietet 10 Dollar?«, rief der Auktionator. Niemand meldete sich. Der Auktionator fragte nochmals. Schließlich hob sich die Hand eines Mannes, der ganz hinten im Raum gesessen hatte – es war der ehemalige Chauffeur des Vaters; er hatte den Sohn gekannt und wollte er das Bild zur Erinnerung an ihn kaufen – für 10 Dollar... »Zum Ersten, zum Zweiten, und zum Dritten!« Das Bild gehörte ihm. Kein anderer hatte geboten.
Nun warteten alle gespannt darauf, dass die eigentliche Auktion beginnen konnte. Der Auktionator trat ans Pult und sagte: »Liebe Gäste, unsere Versteigerung ist beendet! Der Verstorbene hat in seinem Testament festgelegt, dass der, der dieses Bild seines Sohnes erwirbt, alle anderen Bilder in seinem Haus dazu erhält als Geschenk.«
Die Theologie der Klinischen Seelsorge Ausbildung (KSA) ist personen- und beziehungsbezogen. Im Matthäusevangelium heißt es: »Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird Euch das alles zufallen.« (Mt. 6,33)
Das Wort Gerechtigkeit ist hier die Übersetzung des hebräischen Wortes »Zedaka« und meint »Beziehungsgerechtigkeit«, d.h.: die Gerechtigkeit zwischen den Menschen. Wo wir mit dem Sohn Gottes und miteinander in Beziehungsgerechtigkeit leben, da wird uns alles andere als Geschenk zufallen. Die Seelsorger und Seelsorgerinnen, die an den Kursen der Klinischen Seelsorge Ausbildung (KSA) teilnehmen oder diese leiten, verbindet der Wunsch nach Beziehungsgerechtigkeit und der Wille, dazu beizutragen, dass die Beziehungsgerechtigkeit unter den Menschen gestärkt wird und die Hoffnung, dass einmal alle Menschen, die das Bild des Sohnes Gottes im Herzen tragen, so eins sein werden, wie Jesus es für sie von seinem Vater erbeten hat.
Die Theologie der Klinischen Seelsorge Ausbildung (KSA) erkennt
Prophetie und Seelsorge als Geschwister, die sich brauchen.
Seelsorge ohne Prophetie kann die Seele nicht nachhaltig trösten, weil sie verschweigt, dass es Gott ist, auf den die Seele hoffen kann und soll, weil Gott alle Macht und allen Willen hat, Not zu lindern und Gericht zu halten und das Recht für den Rechtlosen wieder herzustellen. Darum hoffen die armen Seelen in der ganzen Welt auf Gott und nicht auf Menschen. Jesus sagt: »Gebt Gott, was Gottes ist und dem Kaiser, was des Kaisers ist.« Das ist prophetische Rede.
Prophetie ohne Seelsorge kann die Seele nicht nachhaltig trösten, weil die Verkündigung der Macht und auch des Gerichtes Gottes ohne das Wahrnehmen des einzelnen Menschen in seiner ganz persönlichen Situation abgehoben und abstrakt bleibt. Jesus fragt: »Was willst Du, dass ich Dir tue?« Das ist eine seelsorgliche, höchstpersönliche Frage an den einzelnen Menschen.
Die Geschichte der KSA auf den Philippinen und in Indonesien
Im Jahr 2001 beschloss der Rat der Bischöfe der Vereinigten Kirche Christi in den Philippinen (UCCP) die KSA in der UCCP wieder zu neuem Leben zu erwecken. 1965 waren in der UCCP schon die ersten Kurse in KSA gehalten worden; zehn Jahre später hatte es fünf KSA Zentren an UCCP Krankenhäusern auf den Philippinen gegeben und die KSA war zu einem festen Bestandteil der theologischen Aus- und Fortbildung in der UCCP geworden. Unter diesen Krankenhäusern waren auch: das Visayas Community Medical Center in Cebu Cita (VCMC), das Medical Center der Siliman Universität in Dumaguete und das Brokenshire Hospital in Davao auf der Insel Mindanao.
Während der Zeit des Marcos Regimes von 1975 bis 1985 lag die Wirtschaft der Philippinen danieder. Die KSA Supervisoren, die die KSA Zentren geleitet hatten, verließen das Land, um an KSA- Zentren in den USA zu arbeiten, weil sie hier ihren Lebensunterhalt besser verdienen konnten als zuhause. Nur der UCCP Pastor Narciso Dumalagan blieb. Er hielt KSA Kurse am St. Luke's Hospital in Manila, an denen immer mehr römischen katholische Seelsorgerinnen und Seelsorger teilnahmen – und immer weniger Pfarrer und Pfarrerinnen der UCCP, die die zehn Wochenkurse nicht mehr bezahlen konnten. Die UCCP, in der die KSA 1965 auf den Philippinen begonnen hatte, hatte Ende der 1980er Jahre die KSA als Teil ihrer theologischen Ausbildung verloren.
Um diese Ausbildung für die Kirche zurück zu gewinnen, baten die sechs Bischöfe der UCCP im Jahr 2001 die Vereinte Evangelische Mission (VEM) in Wuppertal um personelle und finanzielle Unterstützung beim Wiederaufbau ihre KSA Ausbildung.
Die VEM sandte Horst Ostermann zur Unterstützung in die UCCP. Der erste UCCP-KSA Kurs konnte wieder am VCMC in Cebu City im Jahr 2002 von Horst Ostermann, Pfarrer Nathaniel Sanchez und Pfarrerin Esther M. Gelloagan gehalten werden.
Inzwischen haben mehr als 60 UCCP-Pfarrerinnen und -pfarrer sowie kirchliche Mitarbeitende der UCCP und 20 Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakonissen und Bibelfrauen aus Indonesien an den zehn-wöchigen KSA-Kursen in Cebu City teilgenommen. Pfarrerin Esther M. Gelloagan ist ausgebildete KSA Supervisorin und wird ihren Abschluss im Dezember 2008 nach den Ausbildungsrichtlinien der Pastoral Care Foundation in the Philippines (PCF) machen.
So auch der Pfarrer Edward Sauro, der wie Esther M. Gelloagan ebenfalls im Dezember 2008 seine 18 Monate Ausbildung zum KSA Supervisor abschließen wird. Danach soll er das neue UCCP KSA Zentrum am UCCP Brokenshire Hospital in Davao auf Mindanao leiten.
Im Jahr 2007 kehrte der 65-jährige philippinische KSA Supervisor Dr. Lucio Mutia aus den USA zurück, wo er ein KSA-Zentrum in Richmond, Virginia bis zu seiner Pensionierung geleitet hatte. Er begann damit, am Medical Center der Siliman Universität in Dumaguete KSA Kurse zu halten - so dass auch hier ein drittes UCCP KSA Zentrum entstehen wird.
Im Jahr 2005 errichtete die UCCP mit der finanziellen Unterstützung des Kirchenkreises An der Agger von 10.000 Euro eigene Räume für die KSA Kurse und für die Unterbringung der Kursteilnehmenden im VCMC KSA Zentrum in Cebu City.
Dort nahmen auch 2008 die Bischöfe der UCCP an einem Sechs-Tage-Seminar teil, das von Horst Ostermann und dem KSA Team: Esther M. Gelloagan, Edward Sauro und Dr. Lucio Mutia gehalten wurde. Dieses Seminar gab dem wachsenden Interesse der UCCP Pfarrer/innen und Mitarbeiter/innen an der KSA Aus- und Fortbildung neue Nahrung, so dass sich die Anmeldezahlen zu den KSA Kursen trotz des hohen Einsatzes, den die Teilnehmenden sowohl finanziell als auch persönlich bringen müssen, stetig erhöhen.
Nachdem bis zum Jahr 2005 bereits 20 Seelsorgerinnen und Seelsorger aus Indonesien an KSA Kursen am VCMC in Cebu City teilgenommen hatten, sollte ein erstes KSA Zentrum auch in Indonesien für die Seelsorger der Protestantischen Kirchen auf Indonesien gegründet werden.
Darum hielt Horst Ostermann im Auftrag der VEM im Jahr 2005 einen ersten sechswöchigen Wochen Kurs am Balige Hospital in Balige auf Nord Sumatra. Pfarrer Marudut Manalu organisierte den Kurs – ebenso einen zweiten sechswöchigen Wochen Kurs am Vita Insani Hospital in Pemantangsiantar, der von Pfarrer Edison Munthe und Dr. Krisiteya gehalten wurde.
Als Marudut Manalu im Jahr darauf an das Evangelische Cikini Hospital nach Jakarta berufen wurde, hielt Horst Ostermann gemeinsam mit ihm dort den ersten KSA Kurs im Jahr 2006.
Pfarrer Marudut Manalu wird im Dezember 2008 seine Ausbildung zum Certified CPE Chaplain nach den Ausbildungsrichtlinien der PCF abschließen.
Inzwischen ist das erste KSA Zentrum für die Evangelischen Kirchen Indonesiens am Cikini Hospital in Jakarta entstanden (in Balige und Pemantangsiantar werden z.Zt. keine Kurse gehalten, weil die indonesischen Supervisoren/innen noch fehlen). In jedem Jahr werden in Jakarta zwei 10 Wochen KSA Kurse angeboten, die bisher mit 8 bis 10 Teilnehmenden immer voll belegt waren.
Schwester Tentai (Vorsitzende des Ausbildungsausschusses der PCF in Manila), Esther M. Gelloagan, Edward Sauro und Horst Ostermann haben diese Kurse gehalten und Marudut Manalu hat die Teilnehmer/innen als ihr „Pfarrer vor Ort“ während der Kurse begleitet.
Die UCCP und das philippinische KSA Team sind bereit, den weiteren Aufbau der KSA in Indonesien zu unterstützen.
Pfarrer Dr. Robinso Butarbutar (VEM-Regionalkoordinator für Asien) hat wirkungsvoll dazu beigetragen, die Indonesischen Kirchen mit der KSA bekannt zu machen und Teilnehmer/innen für die 10 Wochenkurse in Jakarta zu gewinnen. Nachdem Dr. Butarbutar im August 2008 eine neue Aufgabe für die VEM übernehmen wird, wird Dr. Uwe Hummel für die weitere Förderung der KSA in Indonesien und auf den Philippinen zuständig sein.
Die beiden Indonesischen Pfarrerinnen Juniati Saraghi aus Pemanatangsiantar und Betty Sarewo –Nanlohy aus Tanah Papua haben sich nach ihrer Teilnahme an KSA Kursen in Balige, Jakarta und Cebu als motiviert und geeignet erwiesen, die ersten indonesischen KSA Supervisorinnen zu werden.
Darum haben sie ein Master Studium an der Universität in Salatiga aufgenommen, welches sie im Februar 2009 abschließen werden. Anschließend werden sie mit einem Stipendium der VEM und des Kirchenkreises An der Agger die Ausbildung zu KSA Supervisorinnen in den UCCP KSA Zentren auf den Philippinen nach den Ausbildungsrichtlinien der Pastoral Care Foundation in the Philippines durchlaufen, sodass sie im Jahr 2010 selber Kurse in Klinischer Seelsorge Ausbildung in ihren Kirchen in Indonesien anbieten können. Dann wird es die ersten KSA Kurse in Indonesischer Sprache und von Indonesierinnen für Indonesier/innen geben.
Wie das UCCP KSA Team, die UCCP Bischöfe so hat auch die PCF mit ihrer Executive Direktorin: Schwester Rita van Damme zugesagt, den Aufbau der Klinischen Seelsorge Ausbildung in Indonesien zu unterstützen. Diese Süd-Süd Unterstützung und Beziehung ist nicht ohne Grund gerade auf dem Feld der Klinischen Seelsorge Ausbildung entstanden.
Entscheidungs- und Handlungskonsequenzen
Vorbemerkung:
- Die drei UCCP KSA Zentren: das UCCP VCMC in Cebu City, das Medical Center der Siliman Universität in Dumaguete und das UCCP Brokenshire Hospital in Davao, auf Mindanao und das UCCP KSA Supervisoren Team, dessen Mitglieder auch Mitglieder des Board of Directors der PCF sind, sind z.Zt. die tragenden Säulen bei der zukünftigen Entwicklung der KSA auf den Philippinen ebenso wie in Indonesien.
- Die Unterstützung der KSA durch die UCCP Bischöfe und durch die UCCP Synode ist entscheidend für die zukünftige positive Entwicklung der KSA auf den Philippinen und auch in Indonesien.
Folgerung:
- Alle Vorschläge, Initiativen, Entscheidungen und Interventionen durch die VEM und von uns, die die künftige Entwicklung der KSA auf den Philippinen und in Indonesien betreffen, müssen immer auch das Beziehungsnetz stärken, welches zwischen den KSA Supervisoren/innen, den KSA Kursteilnehmenden, den Kirchenleitenden, den Kirchenmitarbeitenden und schließlich auch den Kirchenmitgliedern entstanden ist und weiter wächst und welches die Last des Aufbaus der Klinischen Seelsorge Ausbildung auf den Philippinen und in Indonesien trägt. (s. Theologie der KSA)
- Alle Pläne, die KSA in Indonesien zu stärken, können und sollten von Seiten der VEM und von uns gleichzeitig darauf zielen, die KSA auf den Philippinen zu stärken.
- Alle Pläne, die KSA in der UCCP weiter zu entwickeln, können und sollten von Seiten der VEM und uns gleichzeitig darauf zielen, auch die KSA auf Indonesien zu entwickeln. Es ist so, wie Paulus schreibt: Wenn ein Glied am Leib Christi sich freut, kann und soll dies auch ein Grund zur Freude aller anderen sein.
Fazit: Die Stärkung des UCCP KSA Supervisoren/innen Teams, ihrer persönlichen und professionellen Beziehung untereinander, ihrer Beziehung zu ihren Bischöfen, zu ihren Kirchenkreisen und zu ihrer UCCP Synode und zu ihren Kollegen/innen in Indonesien muss unser durchlaufendes Anliegen sein, wenn der Aufbau der Klinischen Seelsorge Ausbildung durch philippinische Seelsorger/innen für philippinische Seelsorger/innen und durch indonesische Seelsorger/innen für indonesische Seelsorger/innen weiter gelingen soll.
Dabei gilt: Beziehungsarbeit und Aufgabenbewältigung sind Geschwister und brauchen eine gleich hohe Aufmerksamkeit und Zuwendung, wenn die Entwicklung der Klinischen Seelsorge Ausbildung in der UCCP auf den Philippinen und für die Evangelischen Kirchen in Indonesien so erfolgreich wie bisher weitergehen soll.
Waldbröl, den 2.Juli 2008
Horst Ostermann