(09.02.2007) Der ehemalige und langjährige VEM-Mitarbeiter Timo Garthe arbeitet seit Mitte letzten Jahres als Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Deutscher Sprache in Jakarta, Indonesien. Er lebt dort mit seiner Familie und berichtete am 8. Februar folgendes über die Lage vor Ort:
Ja, wir leben noch! Allerdings steht hier vielen Menschen im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser bis zum Halse. "... Aber so schlimm war's noch nie", so fassen die meisten Befragten hier in den Medien augenblicklich ihre Situation zusammen.
Überschwemmungen sind in Jakarta die Regel. Derartige Ausmaße allerdings sind auch für die Menschen hier neu. Gomar Gultom, Leiter des Diakonie-Departments des Indonesischen Kirchenrats PGI erklärte am 8. Februar:
Natürlich hilft der PGI im Augenblick als Sofortmaßnahme etwa mit der Verteilung von Nahrung und Kleidung, da nach wie vor noch unzählige Menschen in den Überschwemmungsgebieten an bestimmten Sammelplätzen ausharren müssen. Darüber hinaus sollen in den nächsten Wochen neben Kindern vor allem solche Menschen finanziell unterstützt werden, die den Verlust ihres Hausrats nicht durch eine gesicherte Arbeitsstelle längerfristig ausgleichen können.
Nach Herrn Gultoms Information ist dieses Problem 'komplex'. Das bedeutet im Indonesischem Sprachgebrauch vor allem: Die, wenn auch sehr mediengerechte Fixierung auf die Menschen, die jetzt versorgt werden müssen, lenkt leicht von den eigentlichen Hintergründen dieser Umweltkatastrophe ab und davon, dass diese Überschwemmung (Im Unterschied zum Tsunami seiner Zeit) in erster Linie hausgemacht ist. Um hier wirksame Maßnahmen zu ergreifen, muss offensichtlich langfristig auch ganz woanders angesetzt werden.
So müssten längst vorhandene Gelder von der Stadtverwaltung in die Schaffung eines halbwegs funktionsfähigen Kanalisationssystems gesteckt werden. Im Zusammenhang damit gilt es, einen neuen bewußteren Umgang in der Bevölkerung zu fördern, was die Entsorgung von Müll angeht. Der größere Teil des Hausmülls landet bislang in Jakarta in Flüssen und Kanälen. Die zurückliegenden Monate Regenzeit verliefen, abgesehen von diesen letzten Tagen, fast ohne Niederschläge. So waren diese ohnehin verschmutzten Wasseradern durch die maßlose Anhäufung vom Müll der Vormonate völlig verstopft. Früher wurde hier der Unrat offensichtlich in regelmäßigeren Abständen einfach mit fortgespült.
Und auch da klingt etwas mit von besagter Vielschichtigkeit des Problems hier in dieser flach gelegenen Küstenstadt: Nicht zuletzt als Auswirkung der massiven Waldrodungen in Indonesien sind hier in den letzten Jahren zunehmende, teils massive klimatische Veränderungen zu beobachten, besonders, was den Wechsel und die Intensität von Regen- und Trockenzeiten angeht.
Nachhaltige Abhilfe müssten also weit über die punktuelle Notversorgung von Überschwemmungsopfern hier hinaus gehen. Aber genau hier scheint die eigentliche Tragik dieser ganzen Umweltkatastrophe zu liegen. Denn mit dem Abklingen der augenblicklichen akuten Überschwemmungsphase wird voraussichtlich auch wieder Normalität in altgewohnte Verhaltensmuster einkehren.
So bleibt im Augenblick nicht viel mehr als eine Versorgung der akut Betroffenen mit Trinkwasser, Nahrung und Kleidung. Da darf natürlich das Grübeln über symptomatische oder nachhaltige Hilfe natürlich nicht im Vordergrund stehen.
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