Frauen-Ordination ist das Thema der internationalen Frauenbegegnungsreise »Women to Women« der Vereinten Evangelischen Mission, die derzeit in Bukoba stattfindet
von Joane Beuker
Nach unseren langen Anreisen aus Java, dem Kongo und Deutschland begann am Samstag das Frauenbegegnungsprogramm »Women to Women«. Unter der Leitung von Irene Girsang und Schwester Bertha Samwel treffen sich sechs Frauen aus der Region Afrika sowie sechs Gäste, um sich über verschiedene Themen auszutauschen, vor allem die Frauenordination zu behandeln.
Die Müdigkeit nach den langen Reisen verflog schnell, da wir das große Glück hatten, einen Tag nach der Anreise an dem so genannten »Women’s Day«, einem Frauentag der Diözese teilzunehmen. Jedes zweite Jahr treffen sich etwa 2000 Frauen aus den unterschiedlichen Kirchendistrikten in Bukoba, um über Gottes Wort nachzudenken, ihre musikalischen Talente in einem Singwettbewerb zu messen, Theater zu spielen und Gemeinschaft zu feiern. Die Vielfalt der Begabungen, die freudige Athmosphäre und die Farbenpracht der afrikanischen Kleider sind beeindruckend.
Zu Beginn dieser Woche fing die thematische Arbeit des Programms an. Einleitend erzählte die tansanische Pastorin Alice Kabugumila, dass sie erst seitdem sie selbst ordiniert ist mit Freude über das Thema der Frauenordination spricht. Obwohl sie die erste Theologiestudentin in Afrika war, musste sie 34 Jahre auf ihre Ordination warten. Bereits 1969 wurde sie zum Studium zugelassen, jedoch erst im letzten Jahr zusammen mit der Theologin Faith ordiniert. Während dieser Jahre hat sie nie an ihrer Berufung gezweifelt.
Auch Anekisha Bulaya – die dritte Theologiestudentin der NWD. die Pastorin werden möchte – nimmt am Programm teil. Sie berichtet, dass ihre Entscheidung bei einigen Gemeindemitgliedern immer noch auf Unverständnis stößt. Ihre Familie und sie müssen sich häufig rechtfertigen, warum sie und nicht ihr Bruder Theologie studiere. Insgesamt sind die Frauen der Nordwest-Diözese sehr dankbar, dass die Diözese die Ordination von Frauen befürwortet. Auch Bischof Buberwa ermutigte junge Frauen bei dem »Women’s Day«, ein Theologiestudium aufzunehmen und bot finanzielle Unterstützung der Kirche an.
Einen Einblick über die Entwicklung der Frauenordination in den evangelischen Kirchen Deutschlands verschaffte die Wuppertaler Pastorin Renate Schatz. Sie stellte ihre Forschungsarbeit zur Biographie von Ilse Fredrichsdorffs vor, die sich für die volle Ordination von Frauen einsetzte. Zudem übermittelte Renate Schatz Grußworte vom Frauenreferat der Evangelischen Kirche im Rheinland und von Dr. Ilse Haerter. Ilse Haerter ist heute 95 Jahre alt und gehört zu den ersten Frauen, die im Jahre 1943 im Rahmen der Bekennenden Kirche ordiniert wurde.
Auch die Kongolesinnen von der Baptistischen Kirche im Zentrum Afrikas (CBCA) – eine der drei VEM-Mitgliedskirchen, die noch keine Frauen ordiniert haben – und die indonesischen Teilnehmerinnen von der Christlichen Kirche in Ost-Java (GKJW) und von der Christlichen Kirche aus Nord-Mittel-Java (GKJTU) berichteten über den Stand der Frauenordination in ihren Kirchen. In der GKJW werden Frauen schon lange Zeit ordiniert, jedoch kann bei einem Pastorenehepaar nur eine Person von der Kirche Gehalt beziehen und die Pfarrtätigkeit ausüben.
In den kommenden Tagen werden die Gespraeche weitergehen. Auf dem Programm stehen neben der Frauenordination Themen wie die Rechte und die Rolle von Frauen, die Überwindung von Gewalt, Besuche von Kirchenprojekten sowie das Kennenlernen der unterschiedlichen Distrikte der Diözese auf dem Programm. Fünf Tage werden wir in Gastfamilien verbringen.
Für mich wurde bereits in diesen ersten beiden Tagen des Programms erneut deutlich, wie wichtig es ist, persönliche Geschichten und Erfahrungen auszutauschen. Dieses Programm bietet die Möglichkeit, sich gegenseitig zu stärken und von den Erfahrungen anderer zu lernen.
Mit den persönlichen Lebensgeschichten nehmen die Fakten und Zahlen plötzlich Gestalt an; und das persönliche Leid von Frauen, die man kennengelernt hat, machen die Dringlichkeit des Handelns und der Solidarität in ihrem vollen Maße deutlich.