Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau

Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ist eine von 24 evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Auf dem Gebiet der EKHN leben mehr als 1,8 Millionen evangelische Kirchenmitglieder. Mit Gottesdiensten, Jugendgruppen, Gospelchören und vielem mehr bieten rund 1.180 evangelische Kirchengemeinden den Mitgliedern eine Heimat.

Die Kirche bewahrt den Glauben an Gott und die Hoffnung auf ein befreites Leben. In zahlreichen Aktivitäten greift sie gesellschaftliche Themen der Zeit auf. Sie ist offen für Menschen, die an der Gemeinschaft teilhaben wollen oder auf die Nähe und Unterstützung der Kirche angewiesen sind.

Das Kirchengebiet

In den Grenzen des Kirchengebietes, die sich nicht mit modernen Verwaltungs- oder Wirtschaftsräumen decken, zeichnet sich die geschichtliche Entwicklung ab. Das Kirchengebiet geht im Wesentlichen auf die politische Neuordnung im Zuge des Wiener Kongresses von 1815 zurück und bildet die Grenzen ehemaliger Fürstentümer ab. Das Gebiet umfasst das ehemalige Großherzogtum von Hessen und bei Rhein, die Freie Reichsstadt Frankfurt und frühere Nassauische Fürstentümer.

Geografisch umfasst die EKHN einen großen Teil Hessens von Alsfeld bis Neckarsteinach sowie mit Rheinhessen auch Teile von Rheinland-Pfalz.

Grundsätze

Werte:
Die evangelische Kirche tritt in gesellschaftlichen Debatten für christliche Grundsätze ein. Dazu gehören Freiheit, Toleranz, Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung – Werte, ohne die eine demokratische Gesellschaft undenkbar wäre.

Bildung:
In den Kindertagesstätten, im Religions- und Konfirmandenunterricht gibt die evangelische Kirche ihre Werte an die nächsten Generationen weiter. Ein breites Bildungsangebot kommt Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zugute.

Kultur:
In Festen, Ritualen und Sprache, mit der Kirchenmusik und der Pflege der Kirchenbauten sowie im Dialog mit der Kunst leistet die Kirche einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung und Weiterentwicklung der Kultur.

Nächstenliebe:
An vielen Orten gibt es eine Ehe- und Lebensberatung. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar. Bei schweren Unfällen ist oft die Notfallseelsorge zur Stelle. Trauer- und Sterbebegleitung wird von Pfarrer/innen, Besuchsdiensten und Hospizgruppen geleistet.

Unterschiedliche Arten des Lebens und Glaubens sind vereint

Die hessen-nassauische Kirche umfasst Gemeinden mit ganz unterschiedlichen Bekenntnissen und Traditionen. Dazu zählen Lutheraner, Reformierte und Unierte.

Während das Gebiet von Hessen-Darmstadt nach der Wittenberger Reformation von Martin Luther und Philipp Melanchthon durchgeführt wurde, haben sich die Gemeinden in Nassau eher an der schweizerischen und niederländischen Reformation nach Ulrich Zwingli und Johannes Calvin orientiert. Diese unterschiedlichen Traditionen sind bei den Kirchenunionen im 19. Jahrhundert erhalten geblieben. Sie verbanden lutherische und reformierte Gemeinden zu einer Kirche. Dabei - und so ist es bis heute in der EKHN geblieben - hat jede einzelne Gemeinde ihr Bekenntnis behalten. So ist eine Kirche entstanden, in der sehr unterschiedliche Arten des Lebens und des Glaubens nebeneinander und miteinander existieren.

Lebendiges Gespräch als »Markenzeichen«

Nur im Gespräch, in der Diskussion und auch im Streit kann der Glaube der evangelischen Christen lebendig bleiben. Diese Erkenntnis gewannen die Mitglieder der Bekennenden Kirche aus ihren Erfahrungen während des Dritten Reiches. Sie haben gelernt, dass sich evangelischer Glaube nicht hierarchisch verordnen lässt. Die Bekennende Kirche hatte sich gegen das diktatorische NS-Regime aufgelehnt und einige ihrer Mitglieder, wie beispielsweise der Widerstandskämpfer Martin Niemöller, gehörten zu den Gründungsmitgliedern der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).
Ihre Erfahrung haben die Väter und Mütter der EKHN-Grundordnung von 1947 zugrunde gelegt. Mit ihrem Selbstverständnis und ihrer Grundordnung steht die EKHN heute fest in der protestantischen Tradition der Beteiligung und der Mündigkeit aller Gemeindemitglieder.

Geteilte Macht

Zwischen dem Profil einer dörflichen Gemeinde im Dillkreis und dem einer Innenstadtgemeinde Frankfurts mögen Welten liegen, und doch sitzen in der Landessynode die Synodalen von der Dill einträchtig neben denen aus Frankfurt. Dort verhandeln und entscheiden sie gemeinschaftlich alle wichtigen Fragen der EKHN.

Die verfassunggebende Synode der EKHN im Jahre 1947 verzichtete darauf, an die Spitze dieser Kirche einen Bischof mit weitreichenden Vollmachten zu stellen. Die geistliche Leitung teilen sich die sechs Pröpstinnen und Pröpste, der Kirchenpräsident und sein Stellvertreter. Der Grundgedanke war: Ein Gremium wird sich nicht so leicht falschen Autoritäten unterordnen, wie es seinerzeit vielen Bischöfen unter den Nationalsozialisten widerfahren war.

Quelle: EKHN, Dr. Joachim Schmidt

zur Website der EKHN: http://www.ekhn.de/