Befreit zur »herrlichen Freiheit der Kinder Gottes« (Römer 8,21)
Kurzauslegung zur Losung der Vollversammlung der VEM 2008
von Jutta Beldermann
Frei sein. Das wäre schön.
Frei von den Vorstellungen der Familie, frei von kulturellen Zwängen, frei von der Meinung anderer.
Frei von einer ungesunden Umwelt, von der Sorge um den Arbeitsplatz, von zermürbenden Arbeitsbedingungen.
Frei aber auch von Schwächen, Krankheit, der Angst vor dem Sterben.
Frei sein. Das wäre schön.
Christen sind frei, sagt der Apostel Paulus. Sie sind befreit „zur herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ (Römer 8, 21).
Ausgerechnet Christen? Ist nicht das Christentum Schuld an vielen Zwängen, strengen Pflichten, unmenschlichem Arbeitsethos? Muss man nicht gerade als Christ dem allem genügen?Muss man nicht, sagt Paulus! Das einzige, was man als Christ „muss“ (und selbst das bekommt man von Gott aus reiner Gnade geschenkt), ist glauben, dass Jesus Christus uns befreit hat „vom Gesetz der Sünde und des Todes“ (Römer 8, 2). Denn ist es nicht so, dass das Gesetz von Sünde und Tod die Ursache dafür ist, dass wir uns all diesen Zwängen unterwerfen? Weil wir Angst haben, dass eine Schuld so groß sein könnte, dass wir verstoßen werden von Gott und den Menschen, ja uns selbst verachten müssen? Weil wir Angst haben, von Gott und den Menschen ungeliebt zu sein, haltlos, bedeutungslos? Weil wir am Ende Angst haben zu sterben und ohne Gott und Menschen ins Nichts zu fallen?
Diese Angst brauchen wir aber nicht zu haben, sagt Paulus. Denn genau dieses Gesetz gilt nicht mehr vor Gott, genau diese Gesetzmäßigkeit hat Jesus Christus für uns überwunden. Denn wir sind als Glaubende Gottes Kinder. „Sind wir aber Gottes Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erheben werden“ (Römer 8, 17). Als Gottes Kinder erben wir von Jesus Christus die Freiheit vom Gesetz der Sünde und des Todes.
Wir sind Gottes Kinder. Wir werden nicht verstoßen, denn wir haben die Überwindung der Schuld von Jesus Christus „geerbt“. Wir können Leiden aushalten und überwinden, denn wir haben das Standhalten von Jesus Christus „geerbt“. Wir fallen im Tod nicht ins Bodenlose, denn wir haben die Auferstehung von Jesus Christus „geerbt“. Das ist sie. Die Freiheit.Sie ist geschenkt. Weder brauchen wir sie uns zu erkämpfen, noch kann sie uns ein anderer wegnehmen. Sie ist unsere Mission. Wir dürfen von ihr reden und sie annehmen und nutzen, für uns und für andere. In dieser Freiheit zu leben, ist wirklich schön:In aller Freiheit so den Vorstellungen der Familie entsprechen, dass wir niemanden verletzten müssen.In aller Freiheit kulturelle Zwänge akzeptieren, wenn sie der Gemeinschaft dienen, und sie bekämpfen, wenn sie Menschen am Leben hindern.In aller Freiheit Krankheit und Schwächen annehmen, wissend, dass wir auch in Krankheit und Schwachheit aufgehoben sind bei Gott. In aller Freiheit, unwürdige Arbeitsbedingungen oder eine unachtsame Ausbeutung der Umwelt bekämpfen, wissend, dass damit die Liebe Gottes für seine Kinder und seine Kreatur in der Welt umgesetzt werden.
Die herrliche Freiheit der Kinder Gottes. Das ist unsere Mission.
Pfarrerin Jutta Beldermann ist Regionalkoordinatorin der Region Deutschland der VEM.

- Fotos: VEM-Bildarchiv












