
- Die Evangelisch-reformierte Kirche in Borkum.
Von Kreuzfahrern, Piraten und Posaunenchören
Die Borkumer Gemeinde der Reformierten Kirche ist die Gastgeberin der 4. Vollversammlung der VEM
von Birgit Pfeiffer
Gastgeberin der vierten Vollversammlung der VEM ist die Evangelisch-reformierte Kirche (ErK), der etwa 200 000 Gemeindeglieder in 142 Kirchengemeinden in Deutschland angehören. Eine dieser Gemeinden befindet sich auf der Insel Borkum.
Von den etwa 5.500 Einwohnern Borkums gehören 2.000 der reformierten Kirche an. Mit ihren vielen Gruppen und Kreisen ist die Ortsgemeinde sehr lebendig. Etwa 25 Gruppen sind in den Gemeinderäumen unter der Woche zugange: Musikgruppen für klassische Gitarre ebenso wie Bibelkreise oder Meditationsgruppen, erzählt Pfarrer Carsten Wittwer bei einem Besuch von VEM-Mitarbeitenden im Zuge der Vorbereitung auf die Vollversammlung. Die Ökumene mit der evangelisch-lutherischen Kirche und der römisch-katholischen Gemeinde auf der Insel gehören zum selbstverständlichen Alltag. So setzt sich der Posaunenchor aus Mitgliedern aller drei Konfessionen zusammen. Wenn jemand aus der Gemeinde einen runden Geburtstag hat, bekommt er ein Ständchen vorm Haus dargebracht.
Auch wenn der Schwerpunkt der Pfarrtätigkeit auf der Gemeindearbeit liegt, ist die Reformierte Kirche auf Borkum offen für Urlauber, etwa indem sie zu Puppentheater und klassischen Konzerten einlädt. Zudem ist eine der beiden Pfarrstellen dem Schuldienst und der Urlauberseelsorge gewidmet: Denn nicht selten kommen gerade während der Erholung unterschwellige familiäre Probleme an die Oberfläche, die im Alltag nicht gelöst werden konnten, weiß Pfarrer Witwer.
Die Anzahl der Gottesdienstbesucher variiert je nach Saison zwischen 250 und 500, im Hochsommer können es auch schon einmal 800 Menschen sein, die die schöne alte Kirche füllen. Fast jeden Sonntag musizieren Gastgruppen im Gottesdienst; viele Chöre kommen für ein Probenwochenende nach Borkum.
Ein großer Teil der Einwohner Borkums sind im Tourismus tätig – der fast einzigen Einnahmequelle der Insel, die wegen ihrer Lage über Hochseeklima verfügt und sich damit bestens als Kurort eignet. Etwa 30.000 Gästebetten hat die Insel. Selbst Rennpferde werden hierher auf Kur geschickt, weiß Pfarrer Witwer.
Eine historische Besonderheit hat das Pfarrhaus zu bieten. Die Zaunspfahle, die man im ersten Moment für uralte verwitterte Kalksteine halten kann, sind in Wirklichkeit die Kinnladenknochen von Walen – Artefakten und traurige Zeugen des Walfangs, der die Insel im 17. und 18. Jahrhundert zu Reichtum brachte. Die Exemplare auf Borkum sind die ältesten erhaltenen und damit bedeutsamsten Walkinnladen in ganz Deutschland. Den neugierigen Berührungen der unzähligen Touristen ausgesetzt, sind sie stark im Verfall begriffen, Schutzmaßnahmen müssten ergriffen werden um sie vor der dauerhaften Zerstörung zu bewahren.
Mit der wechselvollen Geschichte Borkums, das unter Kreuzfahrern wie Piraten wohl bekannt war, beschäftigt sich das Spektakel „Op de Walfis“, für das das ganze Kulturhaus in eine riesige Theater-Kulisse umgebaut wird, um den heutigen „Piraten“ – Schauspielern – genügend Platz zu bieten, um die früheren abenteuerlichen Zeiten für einige Stunden wieder aufleben zu lassen.
Zur Website der Reformierten Kirche: www.reformiert.de
Zur Website der Borkumer Gemeinden: www.borkumer-kirchengemeinden.de
Zur Website der Insel Borkum: www.borkum.de

- Gut vorbereitet auf ökumenische Gäste: die reformierte Gemeinde in Borkum. In der Kirche kann mann Bücher und selbstgehäkelte Püppchen kaufen.










