Bonn (7.11.07/epd). Die Bundesregierung will Volksgruppen in Namibia besonders unterstützen, die am meisten unter der deutschen Kolonialherrschaft gelitten haben. In Bonn wurde am Dienstag eine deutsch-namibische Versöhnungsinitiative gestartet. Zusätzlich zur Entwicklungshilfe für Namibia
wurden für die nächsten drei bis fünf Jahre 20 Millionen Euro zugesagt. Die Mittel sind für die Volksgruppen der Herero, Nama, Damara und San vorgesehen.
Der Leiter der namibischen Planungskommission, Helmut Angula, und die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium, Karin Kortmann (SPD), unterzeichneten in Bonn eine Vereinbarung. Die Bundesregierung unterstreiche mit dieser Initiative ihre besondere historische und moralische Verantwortung gegenüber Namibia, so Kortmann. "Wir unterstützen damitaktiv die namibische Politik der nationalen Versöhnung."
Die Versöhnungsinitiative geht auf Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) zurück. Sie hatte im August 2004 an einer Gedenkfeier teilgenommen, die 100 Jahre nach der Niederschlagung des Aufstands von Herero und Nama durch deutsche Kolonialtruppen stattfand. Historiker sprechen vom ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts. In dem Vernichtungskrieg deutscher Kolonialtruppen kamen damals nach Schätzungen etwa 65.000 der 80.000 Herero und 10.000 der 20.000 Nama ums Leben. Tausende verdursteten in der wasserlosen Omaheke-Wüste.
Wieczorek-Zeul hatte als erstes deutsches Regierungsmitglied "im Sinne des gemeinsamen Vaterunser um Vergebung" gebeten. Entschädigungsforderungen lehnt die Bundesregierung bislang ab.