Delegation des Chinesischen Christenrates zu Gast bei der VEM
(29.05.2007).“Wir haben nicht genügend qualifiziertes theologisches Personal insbesondere auf dem Land. Das ist derzeit eine der größten Herausforderungen unserer Kirche“, beklagte Xianjun Chen, Dozentin am Theologischen Seminar im Nordosten Chinas. Der Nordosten sei flächenmäßig sehr groß. Es gebe zwar mehrere Bibelschulen, aber nur ein einziges theologisches Seminar, betonte die junge Theologin. Rund hundert Studenten legten dort jährlich ihr Abschlussexamen ab. Die Zahl der evangelischen Christen sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen; die Anzahl der Pastoren dagegen nicht.Xianjun Chen ist Mitglied einer zwölfköpfigen Delegation des Chinesischen Christenrates (CCC), die im Rahmen einer vierwöchigen von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) organisierten Studienreise am 25. Mai die Vereinte Evangelische Mission in Wuppertal besucht hat.
Dabei stand das Thema Mission im Mittelpunkt der Begegnung zwischen Mitarbeitenden der Vereinten Evangelischen Mission, Vertretern des China-Netzwerkes und der Delegation des Chinesischen Christenrates. Die zehn Pfarrer und zwei Pfarrerinnen kommen aus acht verschiedenen chinesischen Provinzen und haben Kirchen leitende Ämter auf Provinzebene inne.
Das Thema Mission sei sehr wichtig für die chinesischen Kirchen, betonte der Delegationsleiter, Pfarrer Kangjun Mei, stellvertretender Generalsekretär des Nationalkomitees der Drei-Selbst-Bewegung der Kirchen in China. Die chinesische Kirche sei zwar noch im Aufbau, missionarisch aber durchaus aktiv. Etwa in den Provinzen, wo viele Minderheiten lebten, hätten sie die Bibel in acht verschiedene Landessprachen übersetzen lassen, damit die Menschen das Evangelium lesen und verstehen können.
Eine weitere große Herausforderung für den Chinesischen Christenrat und die Drei-Selbst-Bewegung – die beiden bis heute einzigen parteistaatlich legitimierten Organisationen des protestantischen Christentums in China –, sei es, die Menschen und die Kirche an der Basis zu erreichen und ihnen gute Dienste anzubieten, sagte Mei. Eine weitere wichtige Aufgabe besteht darin, die vielen verschiedenen Konfessionen zusammenzuführen und eine gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Provinzchristenräten – es gibt etwa 30 – und der Regierung zu fördern.
„Der Chinesische Christenrat und die Drei-Selbst-Bewegung ist keine Kirche“, betonte Mei. „Sie sind vielmehr eine Service-Agentur für wichtige Aufgaben innerhalb der Gemeinden“, betonte Mei. In China gebe es viele Regionen, wo die Menschen sehr arm sind und auf die Hilfe der Kirche angewiesen sind. Aber auch die Kirchen dort sind arm. Der Chinesische Christenrat versucht nun, diese Kirchen in ihrer Arbeit zu unterstützen. Es reiche nicht das Evangelium zu verkünden. Darüber hinaus müssten auch die sozialen – diakonischen, medizinischen und schulischen – Bedingungen der Menschen verbessert werden, wenn das Evangelium erfolgreich sein will.Es gibt zwar eine staatliche Stiftung zur Bekämpfung der Armut und auch viele wohlhabende Menschen im Land, aber sie „tun wenig, um die Armut im Land zu bekämpfen, beklagte der Theologe. Die Schere zwischen arm und reich sei derzeit sehr groß.
Weimin Tang, der Präsident des Christenrates der Provinz Henan, betonte, dass die Menschen in Henan „seelisch unterversorgt“ seien. Viele missionarische Mitarbeiter verstünden die Bibel nicht oder nur ungenügend. Auch für Weimin Tang ist die Verbesserung der theologischen Qualifikation der Lehrkräfte in China eine vordringliche Aufgabe der Kirche. „Drei Eigenschaften machen einen guten missionarischen Mitarbeiter aus: Er sollte bei Gott, im Staat und in der Familie eine Heimat finden und ein ausgewogenes Verhältnis zwischen diesen drei ‚Heimatorten’ entwickeln“, betonte Tang. Denn manche Christen hätten nur einen Blick auf das kirchliche Leben, vernachlässigten aber das Verhältnis zu den Nichtchristen. Dies sei ein großes Problem, welches die Kirche in der Provinz Henan derzeit am meisten beschäftigt.
Nach dem Mittagessen besuchte die Delegation zuerst das Museum für Frühindustrialisierung (Friedrich-Engels-Haus) und danach die Gemeinde Barmen-Gemarke in Wuppertal, wo Pfarrer Lang in die Themen Barmer Theologische Erklärung und Kirche im Dritten Reich, die Beziehung zwischen Christen und Juden sowie die Arbeit der City-Kirche in Barmen-Gemarke einführte. Danach stand der offizielle Empfang der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) auf dem Programm. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland Präses Nikolaus Schneider und Oberkirchenrat Wilfried Neusel begrüßten die Gäste aus China in der Gemeinde Barmen-Gemarke in Wuppertal.
Vor diesem Besuch in Wuppertal waren die Delegierten der Einladung des Bevollmächtigten des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der EU nach Berlin gefolgt. In Hamburg hatten sie das Evangelische Missionswerk in Deutschland und die Seemannsmission besucht.
Darüber hinaus werden sie an dem 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln teilnehmen. Am 10. Juni endet die Studienreise der chinesischen Kirchendelegation unter der Leitung von Pfarrer Kangjun Mei, Chefredakteur der einzigen überregionalen Kirchenzeitung Chinas „Tian Feng“ („Himmlischer Wind“).
Der 1980 gegründete Chinesische Christenrat und die Drei-Selbst-Bewegung (Bekenntnis zu den Prinzipien Selbstverwaltung, finanzielle Selbsterhaltung und eigen verantwortete Verkündigung) sind bis heute die einzigen parteistaatlich legitimierten Organisationen des protestantischen Christentums in China.
F.d.R.: Brunhild von Local
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