Ein Jahr im Ausland. Ein Jahr in Afrika. Konfrontiert mit einer anderen Kultur, Armut, anderer Sprache, anderem Klima und Leuten, die mir anfangs fremd waren. Ich hatte mich bewusst dafür entschieden und wusste doch nicht wie es werden würde, schließlich kannte ich, wenn überhaupt, nur einen kleinen Teil von Bildern und Erzählungen.
Nach meiner Rückkehr nach Deutschland, das Land in dem ich aufgewachsen bin, fand ich vieles so vor, wie ich es vor einem Jahr zurückgelassen hatte. Erstaunlicher weise war es mir aber nicht mehr so vertraut wie erwartet. Ich habe die Möglichkeit bekommen ein Jahr in der Fremde zu leben und Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen, so hat mich dieses eine Jahr sehr geprägt.
Meine Reise vom Flughafen in Tansania/Daressalam bis zu meinem endgültigen Ziel (Lutindi) zeigt einen kleinen Eindruck in die tansanische Lebensweise und Kultur. Wie besprochen wurden wir (Caroline, auch Volontärin und ich) in Dar es Salaam am Flughafen (Montag) von einem deutschen Mitarbeiter in Empfang genommen, aber gleich mit der Auskunft, dass am nächsten Tag Nationalfeiertag sei und da ginge gar nichts. Wir müssten also erst einmal zwei Nächte in Dar bleiben, bis wir von der Diözese abgeholt werden. Da wir dann aber doch nicht abgeholt werden konnten, nahmen wir einen Bus bis nach Mombo. Dort würde uns ein Fahrer der Diözese abholen (so hieß es).
Leider war niemand zu sehen, der uns abholen wollte, als wir vom Busfahrer Bescheid bekamen, hier sei Mombo und wir sollten nun aussteigen. Uns blieb in diesem fremden Land also nichts anderes übrig, als erst einmal zu warten - vier Stunden! Etwas geschafft, aber heile kamen wir abends in Lushoto an und waren natürlich auch froh dass das Warten ein Ende hatte. Caroline hatte nun ihren Zielort erreicht. In Deutschland hieß es, wir würden eine zweiwöchige Einführung in die Diözese und das Kirchengeschehen bekommen.
Voller Vorfreude blickten wir also in die ersten zwei gemeinsamen Wochen für uns in Tansania. Die Organisation lief allerdings so prächtig, dass die Verantwortlichen gerade in diesen 2 Wochen nun doch keine Zeit mehr hatten. Ich ließ also einen kleinen Hilferuf nach Lutindi los und wurde von Anja und Frank Maas(meine deutschen Ansprechpartner) nach einer Woche Tansania in Lushoto abgeholt und in Lutindi willkommen geheißen. So hatten wir schon zwei wichtige Dinge mitbekommen.
1. Es geht immer irgendwie weiter, man muss nur Geduld haben und beim Warten kann man viele Dinge sehen und erleben, die einem sonst verschlossen blieben.
2. Spontane Änderungen müssen immer eingeplant werden und dürfen einen nicht aus der Fassung bringen.
Viele Afrikanische Freunde, haben mir mit viel Geduld die Sprache und ein Stück ihrer Kultur näher gebracht. Ich habe mich als Gast in der Kultur gefühlt (obwohl es mein Zuhause war). Ich war willkommen und doch wird einem immer wieder bewusst, dass man anders ist, durch Erziehung und Lebensweise, die einen zu dem gemacht haben, was man ist.
Während meiner Arbeit im Mental Hospital, sowie im Chor der Gemeinde, habe ich viele Menschen kennen gelernt und Freunde gefunden mit denen ich gemeinsam den Alltag gelebt habe und wir voneinander gelernt haben, was zu viel Freude und manchmal auch Erheiterung führte. Diese Momente werde ich nicht vergessen. Ich werde meine Zeit in Tansania immer in guter Erinnerung behalten und bin dankbar für alles, was ich gesehen und gelernt habe.
Doris Ruoff (Tansania/Lutindi 2003/04)