(08.08.2008) Andreas Dittmann, Professor für Geographie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, hat der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) sechs große Bücherkisten im Wert von 10.000 Euro überreicht. Die Bücher sind bestimmt für das Sebastian Kolowa University College in Magamba, in Tansania. Die Vereinte Evangelische Mission unterstützt diese Hochschule finanziell und berät sie beispielsweise bei der Bibliotheksentwicklung seit ihrer Gründung im Oktober vergangenen Jahres. Das Sekuco, wie die Hochschule auch kurz genannt wird, ist Teil der Tumaini-Universität der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania.
Die Bücher stammen aus der Privatbibliothek eines emeritierten Geographieprofessors. Englischsprachige Fachliteratur für Geographie, Umweltstudien, Ökotourismus und Natürliche Ressourcen werden bald die Regale der Sekuco-Bibliothek füllen. Auch eine Sammlung von Wandkarten zu Themen wie Klima und Afrika wechselt den Besitzer. Dies sei freilich nicht die erste Bücherspende gewesen, betont Prof. Dittmann. Bereits im März vergangenen Jahres habe er zwölf Kisten mit englischsprachiger Fachliteratur bei der Vereinten Evangelischen Mission vorbeigebracht.
Zu verdanken sei die Partnerschaft zwischen den beiden Hochschulen Sönke Wanzek, sagt Prof. Dittmann. Er habe damals bei ihm in Bonn Geographie studiert und ihm von seinem einjährigen Aufenthalt in Lushoto, Tansania, im Rahmen des Freiwilligenprogramms der VEM vorgeschwärmt. Wanzek hatte dort als Lehrer in der Nordost-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania gearbeitet.
Erste Kontakte zwischen den beiden Hochschulen wurden im Oktober 2006 geknüpft. Damals trafen sich Dittmann – damals noch Hochschullehrer am Geographischen Institut der Universität Bonn – und Dr. Anneth Munga, Dekanin des Sebastion Kolowa University College, in Bonn, um sich über konkrete Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen beiden Universitäten auszutauschen.
Neben Dozentenaustausch und Weiterbildung macht Dittmann im Blick auf die Partnerschaft der beiden Hochschulen noch zwei weitere Schwerpunkte der künftigen Kooperation fest. »Da wir an der Uni in Gießen fast nur in deutscher Sprache lehren, bietet das Institut für Geographie zusammen mit dem Zentrum für internationale Entwicklungs- und Umweltforschung (ZEU) einen dreisemestrigen englischsprachigen Studiengang Master of Science ›Transition Studies‹ an«, sagt Prof. Dr. Andreas Dittmann. Als dritten Punkt der Zusammenarbeit nennt er den Studien- und Forschungsaustausch von Geographiestudenten. »Die Geographiestudenten in Gießen müssen an einer Pflichtexkursion teilnehmen. Der alte Ujamaa-Wald in der Nähe des Sekuco in den Usambara Bergen ist besonders attraktiv für Exkursionen«, so der Professor. Dieser Wald lasse sich in drei unterschiedliche Zonen einteilen: eine mit land- und forstwirtschaftlichem Schwerpunkt, eine, wo die Menschen gejagt und gesammelt haben, und in eine dritte, bislang unberührte Region. Hier könnten die Geographiestudenten wunderbar geographische Feldforschungen treiben«, schwärmt Dittmann. 2010 soll der Studiengang Geographie an der Sekuco angeboten werden.
Die Universität trägt den Namen des 1992 verstorbenen Bischofs der Nordost-Diözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche Tansanias, Sebastian Kolowa.
Das Besondere an dieser universitären Ausbildung in den Usambara-Bergen ist zum einen, dass das College das erste in Tansania ist, an dem das Fach Sonderpädagogik angeboten wird – auch für Studierende mit Behinderungen. Zum anderen, dass die Studierenden aller Fakultäten dieser Hochschule einen Kurs belegen müssen, der sie vertraut macht mit der Situation von Menschen mit Behinderungen in der eigenen Gesellschaft. Auf diese Weise soll der Diakoniegedanke die ganze tansanische Gesellschaft durchdringen.