(30.01.2008) Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) unterstützt ein Hilfsprojekt für Opfer von sexueller Gewalt im Kongo mit 14.000 Euro. Das Projekt wird von der Baptistischen Kirche im Zentralen Afrika (CBCA) durchgeführt, einer Mitgliedskirche der VEM in der DR Kongo.
Jeden Tag werden im Kivu (DR Kongo) unzählige Mädchen und Frauen Opfer von Vergewaltigungen. Laut einer Studie von Ärzte ohne Grenzen werden seit 2003 monatlich bis zu 300 Vergewaltigungen gemeldet, wobei anzunehmen ist, dass die Dunkelziffer weit höher liegt. Neben dem tiefen Trauma, das die Opfer erleiden, werden viele von ihnen mit dem Aidsvirus infiziert und infolge des Verbrechens von ihren Ehemännern und Familien verstoßen. Das bedeutet, dass die betroffenen Frauen – unter Schock, HIV-infiziert und oft gegen ihren Willen schwanger – über Nacht mittellos auf sich allein gestellt sind, wenn sie am dringendsten Hilfe brauchen.
Hier will die Kirche betroffene Mädchen und Frauen auffangen. Das Programm, das von der Frauen- und Familienabteilung der CBCA in Katwa umgesetzt wird, möchte Opfern psychische, soziale und wirtschaftliche Hilfe anbieten und sie in der Gesellschaft rehabilitieren.
Die VEM hat schon in vergangenen Jahren Hilfsprogramme für Opfer von sexueller Gewalt im Kongo unterstützt, etwa das Zentrum zum Mutter- und Kinderschutz CEPROMI in Kanyabayonga oder die Ausbildung von zwei Trauma-Beraterinnen. Letzere haben bereits Fortbildungen für Gemeinden in Butembo und Goma veranstaltet und sollen auch jetzt bei der Durchführung des Programms in Katwa mitwirken.
Ob sich die Situation für Frauen im Kivu nach Unterzeichnung des jüngsten Waffenstillstandsabkommens vom 23. Januar bessern wird, bleibt abzuwarten. Denn die ungesühnten Kriegsverbrechen der vergangen Jahre haben zu einer Brutalisierung der Gesellschaft geführt: Wurden die meisten Vergewaltigungen früher von Mitgliedern militanter Gruppen begangen, werden nun auch Zivilisten zu Sexualstraftätern, heißt es in dem Projektantrag der CBCA. Gewalt an Frauen ist zum gesellschaftlichen Problem geworden. Die unzähligen Kinder, die aus Vergewaltigungen hervorgehen, drohen ebenfalls verstoßen auf der Straße zu landen. Dieses »Phänomen«, heißt es im Projekt-Antrag, »ist eine Zeitbombe der kongolesischen Gesellschaft von morgen«.
F.d.R.: Birgit Pfeiffer, Tel.: 0202.89004-101, info@vemission.org