Spaß haben und über Gott nachdenken war eins für evangelische Jugendgruppe aus Waldalgesheim
Über 104.000 Dauerteilnehmer hatten sich für den Kirchentag in Köln angemeldet - zwölf Jugendliche aus der Kirchengemeinde Waldalgesheim waren mit von der Partie.
Alle zwei Jahre findet das protestantische Massen-Event in einer anderen deutschen Metropole statt. Vom 6.-10. Juni war die rheinische Kirche zum siebten Mal Gastgeberin des Kirchentags. In ihrer ganzen Vielfalt zwischen Aachen und Saarbrücken präsentierte sie sich am ‚Abend der Begegnung‘. Am ersten Abend des Kirchentags boten zahlreiche Gemeinden Aktionen und kulinarische Spezialitäten ihrer Region.
Auch für die Jugendlichen aus Waldalgesheim, die mit Vikar Heinemann angereist waren, galt das Motto des Abends „Da simmer dabei“: Verschiedenfarbige Bänder als Symbole für die Regionen der eigenen Landeskirche waren bei ihnen der Renner - dunkelblau der Niederrhein, Düsseldorf orange, Saarbrücken magenta. Besonders eindrücklich der Abendabschluss: Unter freiem Himmel mit Blick auf den Dom brachte der Kölner Komponist Markus Stockhausen mit 1.800 Blechbläsern sein eigens für diesen Anlass komponiertes „Abend¬glühen“ zur Uraufführung.
„Lebendig und kräftig und schärfer“, so lautete das biblische Motto des Kirchentages.
Den Titel-Song dazu verfasste die Kölner A-capella-Gruppe WiseGuys. „Die christliche Lethargie und Bekenntnislosigkeit finde ich schrecklich“, unterstreicht Komponist Daniel ‚Dän‘ Dickopf. Er sieht in der Losung aus dem Hebräerbrief etwas anderes ausgedrückt: „Rücken durchdrücken, die Meinung sagen, selbstbewusst sein, ohne rücksichtslos zu werden, wach sein.“
Als die WisGuys dieses und andere Lieder im OpenAir-Konzert vor 70.000 sangen, standen die Waldalgesheimer Jugendlichen mit vor der Bühne. Für Manuel Saueressig „sicher das Tollste in den letzten fünf Tagen“ in Köln.
Aber Köln war nicht nur Spaß. So entschieden politisch kam lange kein Kirchentag mehr daher. Dass das Protestanten-Treffen im Schlagschatten des G8-Gipfels lag - daraus machte das 600seitige Programm eine Tugend: Viele Veranstaltungen behandelten das Thema Globalisierung.
Die größte dieser Veranstaltungen besuchten die zwölf Jugendlichen aus Waldalgesheim. Kanzlerin Angela Merkel, die seit Jahren keinen Kirchentag ausgelassen hat, kam zu ihrem ersten offiziellen Termin nach dem G8-Gipfel in die Kölner Messehallen. „Angie zum Anfassen!“ für die Jugendlichen.
Politik-Prominenz hautnah auch beim Schlussgottesdienst auf den Pollerwiesen: Rüttgers, Beck, von Weizsäcker und Co saßen nur wenige Meter entfernt. Dennoch fand Pfarrerin Mechthild Werner vor 100.000 Gottesdienstbesuchern unter freiem Himmel deutliche Worte. Sie mahnte einen „Klima¬wan¬del in den Köpfen und Herzen“ an.
„Eine neue Begeisterung für den Kirchentag ist spürbar“, lautete denn auch das Fazit von Kirchentagspräsident Reinhard Höppner während des Schlussgottesdienstes. Vom Kölner Treffen gehe die Botschaft aus, dass Spiritualität und Weltverantwortung „un¬trennbar“ zusammengehörten, sagte Höppner unter starkem Beifall: „Das Wort lässt uns schärfer sehen, was in unserer Welt passiert“.
Ob er dabei die Waldalgesheimer Jugendlichen im Blick hatte? Ihr Fazit fiel ähnlich aus: „Mehr über Gott zu reden – dass das gut und nötig ist, das kam in der ganzen Stimmung auf dem Kirchentag rüber“, weiß Sandra Russell. Und Franziska Römhild hat erfahren: „Das läuft bei allen Veranstaltungen irgend wie mit: Spaß haben und Nachdenken über Religion fällt in eins.“
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