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20.04.2020

„Wir sind in Alarmbereitschaft, aber nicht in Panik“

Mangels Schutzmasken werden die Menschen im Westkongo kreativ und schützen sich so gut es geht mit Bananenblättern. (Foto: CDCC)

Die VEM-Mitgliedskirche in Botswana (ELCB) leistet Aufklärungsarbeit vor Ort. (Foto: ELCB)

In der tansanischen Mitgliedskirche ELCT-ECD werden Schutzmasken selbst genäht (Foto: ELCT-ECD)

In Sumatra (Indonesien) verteilen die VEM-Kirchen Lebensmittelpakete an Bedürftige. (Foto: HKBP)

Bitte Abstand halten! Dies gilt auch für die Morgenandacht in einem Krankenhaus in kirchlicher Trägerschaft in Nordsumatra. (Foto: HKBP)

Die Verteilung von Vitaminen zur Stärkung des Immunsystems in Indonesien. (Foto: HKBP)

Nähende Heldinnen in den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. (Foto: vBS Bethel)

Die vietnamesische Gemeinde in Berlin übergibt medizinische Schutzausrüstung an ein Krankenhaus der vBS Bethel. (Foto: vBS Bethel)

„Wir sind in Alarmbereitschaft, aber nicht in Panik“, dies schreibt Fotani Ziliwu von der Theologischen Universität STT Sundermann der BNKP-Kirche auf Nias (Indonesien) in seinem Gebetsanliegen vom 8. April. Sein Statusbericht reflektiert beispielhaft die Situation in vielen Kirchen der VEM-Gemeinschaft. Alle Gebetsanliegen, unsere sogenannten Prayer Alerts, die wir aus den Mitgliedskirchen erhalten haben, können übrigens hier auf unserer Website im Original nachgelesen werden.

Historischer 1-Million-Euro-Hilfsfonds

Um sich einen Überblick über die Lage in den Mitgliedskirchen zu verschaffen, fragten wir Ende März unsere Mitglieder in den drei VEM-Regionen danach, welche Schutz- bzw. Vorsorgemaßnahmen sie zur Eindämmung von Corona bereits unternommen hatten und welche Unterstützung sie von der VEM erwarten würden. Unserer Anfrage legten wir auch unser Formular zur Beantragung von Projektmitteln bei. Nur wenige Tage später, am 7. April, entschied unser Vorstand, den Mitgliedern Projektmittel über den historisch einmaligen Betrag von 1 Million Euro in ihrem Kampf gegen die Corona-Pandemie zur Verfügung zu stellen. Zeitgleich wurde ein Corona-Arbeitsstab ins Leben gerufen, der die vielen Anfragen aus den drei Regionen koordinieren soll.

Der nachstehende Überblick basiert auf den Gebetsanliegen, ersten Rückmeldungen und Projektanträgen, die wir bis zum heutigen Tag von unseren Mitgliedskirchen erhalten haben. Da sich die Lage rund um Covid-19 täglich ändert, kann dieser Lagebericht weder vollständig noch detailliert sein. Trotzdem gibt er einen Einblick in die Nöte der Menschen, die wir - ungeachtet unserer eigenen Situation - nicht vergessen dürfen.

Die Corona-Lage in unseren Mitgliedskirchen in der Region Afrika

Von der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Botswana (ELCB) erhielten wir einen Projektantrag von Bischof Letlhage mit der Überschrift "COVID-19 Outbreak – Lets Protect the San". Daraus ist zwar nicht zu entnehmen, was die ELCB bereits an Maßnahmen ergriffen hat, aber die Erfahrung aus 2018 als in der San-Community die Krätze ausgebrochen ist, lehrte die Kirche, dass die Mitglieder der San-Ethnie in der Regel als Familie mit 5 bis 7 Personen in provisorischen 1-Raum-Häusern und ohne einen Zugang zu Trinkwasser leben.

Mit der Projektbewilligung will die Kirche eine Broschüre in San-Sprache erstellen, um die San-Gemeinden über das Coronavirus, dessen Gefahren und die notwendigen Präventionsmaßnahmen zu informieren, um so die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Außerdem sollen die Hygieneverhältnisse in den Gemeinschaften und Familien der San verbessert und der Zugang zu Trinkwasser ermöglicht werden.

Nachdem der Präsident von Botswana den Ausnahmezustand wegen des Corona-Ausbruchs ausgerufen hatte, entwickelte die Abteilung Mission und Diakonie der ELCB ein Programm, mit dem das Bewusstsein für die Übertragungswege von Covid-19 geschärft werden soll. Neben den Programmen zur Aufklärung, Unterstützung, Prävention und für Ernährungssicherheit stellt die Kirche provisorische Unterkünfte bereit, um zu vermeiden, dass insbesondere die Menschen, die aus entlegenen Gebieten kommen, während der Ausgangssperre auf engstem Raum zusammengepfercht werden.

Aus der Evangelischen Kirche in Kamerun (EEC) berichtet unser Mitarbeiter Elie Leuwe, dass die VEM-Nothilfe vor allem für die Herstellung und Verteilung von Schutzmasken benötigt wird. Darüber hinaus werden die Menschen über die Ansteckungswege der Corona-Krankheit aufgeklärt.

Kollektenspende aus dem Ost-Kongo für den Corona-Hilfsfonds

Aus dem krisengeschüttelten Osten der Demokratischen Republik Kongo sendet uns die CBCA-Mitgliedskirche eine Kollekte in Höhe von 1.800 US-Dollar für die VEM-Kampagne gegen Covid-19.

CDCC-Kirchenpräsident Eliki Bonanga aus dem Westen Kongos hat sich persönlich der Kampagne gegen COVID-19 verschrieben und beteiligt sich aktiv an der Aufklärung der Menschen über die Ansteckungswege von Corona. Da die letzte Ebola-Epidemie im Kongo noch nicht so lange her ist, hat die Kirche bereits Erfahrung im Umgang mit Gesundheitskrisen gesammelt und will jetzt die folgenden Maßnahmen durchführen:

- Sensibilisierung der Bevölkerung von Mbandaka bis Boende mit Blick auf praktische Präventionsmaßnahmen gegen COVID-19, unter anderem mit Hilfe von Liedern, mit denen die Präventionsbotschaft gegen Corona weitergetragen werden soll.

- Ausweitung der Hygienemaßnahmen in den Gesundheitsstationen.

- Ausstattung der Gesundheitsstationen mit notwendigen Materialien und Medikamenten der Grundversorgung.

- Bereitstellung spezieller Hygiene-Kits für die in Quarantäne befindlichen Frauen und Mädchen.

- Ausbildung eines interdisziplinären Koordinationsteams zur Koordinierung kirchlicher Maßnahmen gegen COVID-19. Dieses Team steht unter der Leitung von Dr. Bosolo, dem Koordinator der medizinischen Abteilung.

Laut der Rückmeldung von Naomi Kisting, Partnerschaftsreferentin der Evangelisch-Lutherischen Kirche der Republik Namibia (ELCRN), gab das Büro des Bischofs in Windhuk mit dem Ausrufen des Ausnahmezustands durch die Regierung zwei Rundschreiben an alle Gemeinden darüber aus, wie die Richtlinien der Regierung im Kirchenkontext eingehalten werden können. Die Rundschreiben, die den Kirchengliedern auch spirituellen Trost geben, enthalten zudem Informationen zur Bewusstseinsbildung und Aufklärung, um der Verbreitung der Pandemie wirkungsvoll entegegen zu treten.

Ferner beschlossen das Referat für soziale Entwicklung und das Partnerschaftsbüro der ELCRN eine Kooperation mit den Organisationen, die in den Townships in Namibia tätig sind, um hier einen Interventionsschwerpunkt zu bilden. Für die Unterstützung der Menschen in den landesweiten Townships wurden unter anderem folgende Maßnahmen priorisiert:

Sicherstellung, dass die Haushalte, deren Wasseranschluss wegen Zahlungsversäumnissen gesperrt wurde, wieder Zugang zur öffentlichen Wasserversorgung haben so wie von der Zentralregierung in Windhuk angeordnet. Dies gilt auch für die kommunalen Wasseranschlüsse in den Townships.

Lobbyarbeit bei den lokalen Behörden und Privatunternehmen der Wasserwirtschaft, die Wassertanks in den Townships zu vergrößern, damit die dort wohnenden Familien die ausreichende Möglichkeit zum Händewaschen haben, wie es für die COVID-19-Prävention erforderlich ist.

Corona-Ausgangssperren führen zum Lebensmittelnotstand

In Ruanda hat die Evangelisch-Anglikanische Kirche (EAR) zu Ostern im Rahmen der Corona-Aufklärungskampagne in den Gemeinden auch erste Lebensmittelpakete verteilt. Ähnlich verhält es sich mit der Evangelisch-Presbyterischen Kirche in Ruanda (EPR), die die von Covid-19 betroffenen Familien mit Grundnahrungsmitteln versorgt.

Diese Hilfsmaßnahmen verdeutlichen die fatalen Folgen der zum Schutz der Bevölkerung staatlich angeordneten Ausgangssperren in vielen Ländern dieser Welt: Die Menschen werden von ihrem täglichen Broterwerb abgehalten. Vor allem die Tagelöhner haben in der Regel kaum Geldreserven und leben mit ihren Familien von der Hand in den Mund. Bleibt der Tageslohn aus, führt dies schnell zu einer akuten Krise in der Lebensmittelversorgung.

Aus Tansania berichtet Dean Rev Chediel Lwiza von der Ostküsten-Diözese (ECD) der Evangelisch-Lutherischen Kirche (ELCT) in seinem Gebetsanliegen unter anderem davon, dass die ECD vorsichtig ist mit irreführenden Theologien über die Pandemie. Die Kirche ermutigt jedoch ihre Mitglieder, für die Heilung der Kranken zu beten, und zwar in allen Ländern der Welt.

Die tansanische Regierung hat damit begonnen, strenge Beschränkungen zu erlassen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, z.B. mit Blick auf die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Die Schulen sind geschlossen und öffentliche Versammlungen wie Sport- und Musikevents oder politische Treffen und Gemeindeveranstaltungen sind nicht erlaubt.

Für die Sensibilisierung der Bevölkerung setzt die ECD-Kirche vor allem ihr Mediennetz „Upendo“, bestehend aus Zeitungen, Radio, Fernsehen und den sozialen Medien, ein. So werden für das Fernsehprogramm kontextbezogene biblische Botschaften der Hoffnung, des Vertrauens und der Zuversicht entwickelt und ausgestrahlt. Über die Upendo-Zeitung werden Artikel von Ärzten und Theologen veröffentlicht, die die Leserschaft über die Pandemie aufklären. Die jüngere Generation erreicht die ECD über die sozialen Medien, die regelmäßig mit ihren Botschaften bespielt werden.

Eine ganz praktische Unterstützung leisten die jungen Mädchen des Projekts „Teenage Mothers“ unter Anleitung der VEM-Mitarbeiterin Pfarrerin Birkenstock-Koll: Sie nähen Schutzmasken mit VEM-Logo.

Zur Unterstützung der Karagwe-Diözese in Tansania hat die VEM kurzfristig beschlossen, den Einsatz der kongolesischen Ärztin Dr. Furaha Kahindo um weitere 6 Monate zu verlängern.

Aus Südafrika berichtet Pat Solomons von der Rhenish Church (RC-SA) über einen Workshop, mit dem vor allem ältere Menschen darüber aufgeklärt werden, wie sie sich vor einer Ansteckung mit Covid-19 schützen können.

Desiree Brown, Generalsekretärin der VereinigendenReformierten Kirchen im Südlichen Afrika (URCSA), erläutert wie die Arbeit auf der Ebene der Gemeinden und Presbyterien koordiniert wird. Hier spielt vor allem die Vernetzung zwischen den sieben Regionalsynoden der URCSA eine entscheidene Rolle, wenn es um Aufklärungs- und Präventionsarbeit zum Schutz der eigenen Familie, aber auch der jeweiligen Gemeinde geht. Dazu zählen Hygienemaßnahmen, das Abstandhalten zum Nachbarn und die Verteilung von Desinfektionsmitteln an Gemeindeglieder. Einige Gemeinden führen Ernährungsprogramme für Kinder, Ältere und andere gefährdete Menschen wie beispielsweise Obdachlose durch, die aufgrund der Ausgangssperre keine kostenfreie Mahlzeit mehr erhalten.

Ein Presbyterium hat außerdem beschlossen, ein ehemaliges HIV/AIDS-Hospiz wieder zu eröffnen, um hier obdachlos gewordene Frauen und Menschen mit Behinderung unterzubringen. Diese Einrichtung bietet auch die Möglichkeit zur Isolierung, falls dies erforderlich wird.

Sowohl die General- als auch die Regionalsynoden der URCSA-Kirche haben Erklärungen veröffentlicht, mit denen die Solidarität unter den Gemeindegliedern und das Bewusstsein für die Notwendigkeit der vorgesehenen Maßnahmen zur Verhütung von Infektionen erhöht werden sollen.

Die Corona-Lage in unseren Mitgliedskirchen in der Region Asien

Zusammen mit den jeweiligen Landesregierungen helfen unsere Mitgliedskirchen in der Region Asien mit, die Ausbreitung von Covid-19 zu stoppen. Zu den bisherigen Maßnahmen gehören auch hier das soziale Abstandhalten, Händewaschen, eine gesundheitsförderliche Lebensweise und der Online-Schulunterricht von zu Hause aus. Sowohl der private Kirchenbesuch als auch das Abhalten von öffentlichen Gottesdiensten in der Kirche sind nicht gestattet. Obwohl die Regierungen dazu aufgerufen haben, zu Hause zu bleiben, erlauben es die wirtschaftlichen Zwänge vieler Menschen oftmals nicht, dieser Anweisung in vollem Umfang nachzukommen.

Live-Streaming von Gottesdiensten

In seinem Projektantrag schreibt Ephorus Tuhoni Telaumbanua von der BNKP-Kirche in Nias (Indonesien), dass viele Menschen wegen der Corona-Pandemie ihre Arbeitsplätze in den Großstädten verloren haben und nun zurück auf die Insel Nias strömen. Neben dem Mangel an Schutzausstattung wächst hier der Bedarf an Grundnahrungsmitteln, die wegen der Panikkäufe der reicheren Bevölkerung knapp geworden sind.

Die BNKP informiert ihre Mitglieder über die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus und bietet allen Gemeinden bis Ende Mai an, ihre Gottesdienste und Predigten per Live-Streaming zu verbreiten.

Die beantragte Förderung umfasst deshalb sowohl den Kauf von Schutzausstattungen und Waschvorrichtungen als auch von Nahrungsmitteln, um die Grundbedürfnisse der Gemeindeglieder zu decken. Außerdem sollen die Gemeinden technisch mit IT-Tools ausgestattet werden, um ihnen das Live-Streamen von Gottesdiensten zu ermöglichen.

Reis und Zucker für Tagelöhner

Auch die Karo-Batak-Kirche in Nordsumatra (GBKP) hat nach Aussage ihres Leiters Agustinus Purba in dieser Krisenzeit eine Task Force zur Koordinierung von Präventionsmaßnahmen eingerichtet. In drei Pastoralbriefen informierte die Kirchleitung über die Verantwortung jedes einzelnen Gemeindegliedes hinsichtlich der erforderlichen Schutzmaßnahmen und bat um Solidarität mit ärmeren Gemeinden, die in sozialer und ökonomischer Hinsicht unter dem Virus stärker leiden. Einer der Briefe enthielt auch eine ganz praktische Anweisung zur einfachen Herstellung von Desinfektionsmitteln, für die die GBKP die Inhaltsstoffe zur Verfügung gestellt.

Rosmalia Barus, die Leiterin der Diakonieabteilung der GBKP, teilt mit, dass das medizinische Personal vor allem ältere Gemeindeglieder mit Nahrung und Vitaminen versorgt. In einer Reihe von Dörfern und Städten verteilt die Kirche auch Grundnahrungsmittel wie Reis und Zucker an Christen und Moslems, die von der Corona-Krise wirtschaftlich besonders betroffen sind, wie Rikschafahrer, Reinigungskräfte und andere Tagelöhner.

In ihrem Gebetsaufruf berichtet die Kirchenleitung auch über ihren Beschluss, die vom 13. bis 18. April 2020 geplante Synode zu verschieben. In der gesamten GBKP wird zu Hause gebetet. Wo immer dies möglich ist, wird für Online-Gottesdienste und Kindergottesdienste auf moderne digitale Technologie zurückgegriffen.

Aus dem Projektantrag der GKPI, einer weiteren VEM-Mitgliedskirche in Nordsumatra, ist zu entnehmen, dass auch hier Hygiene- und Aufklärungsmaßnahmen durchgeführt werden sollen. Bischof Oloan Pasaribu und der Generalsekretär Ro Sininta Hutabarat berichten ferner, dass das Social Distancing ebenso zur täglichen Praxis gehört wie die Versorgung bedürftiger Gemeindeglieder mit Grundnahrungsmitteln.

Die GPKB-Kirche informiert, dass ihre geplanten Maßnahmen vom gemeinsamen Gebet bis hin zur Verteilung persönlicher Schutzbekleidung reichen. Darüber hinaus mahnt die Kirche an, die Gesundheitsprotokolle zu befolgen und Falschmeldungen zu unterbinden, um keine öffentliche Angst und Panik zu schüren. Mit ihren Informationen über die sozialen Medien will sie zur Beruhigung und Besonnenheit beitragen. Darüber hinaus betonen die Kirchenvertreter, wie wichtig ein gesunder Lebenswandel für ein starkes Immunsystem und die Einhaltung der Hygienevorschriften für die Eindämmung des Coronavirus sind.

Die HKBP-Kirche beschreibt in ihrem Projektantrag ihrer Diakonieabteilung verschiedene Maßnahmen zur Sicherung der Nahrungsmittelversorgung, Gesundheitsfürsorge und Unterstützung ärmerer Bevölkerungsteile wie Tagelöhner, die ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen können, mit Grundnahrungsmitteln. Ferner werden die Gemeindeglieder dazu ermutigt, auch kleine Flächen beispielsweise für den Anbau von Gemüse zu nutzen oder Fischteiche anzulegen und Hühner zu züchten. Um die Schülerinnen und Schüler zu Hause zu beschäftigen, hat die Diakonieabteilung zur Teilnahme an verschiedenen Wettbewerben aufgerufen. Über diese und andere Maßnahmen der Kirche berichtet der Radiokanal Diakonia Voice und FM HKBP. Mit Hilfe von Aufklebern und Flugblättern führt die Abteilung ihre Kampagne zur Bekämpfung des Coronavirus durch. Neben Gesundheitsratschlägen und der eigenen Herstellung von Desinfektionsmitteln unterstützt die Kirche den Kauf von Schutzbekleidung. Darüber hinaus werden die Krisenzentren in den verschiedenen Bezirken finanziell gefördert, während gleichzeitig zu Spenden für die Finanzierung von Präventionsmaßnahmen aufgerufen wird. Die HKBP hat überdies ein Gebetsteam ins Leben gerufen, das die Sozialarbeiter geistlich unterstützt und für die Gesundheit aller Menschen Gottes Hilfe anruft. Und natürlich finden auch in der HKBP-Kirche Gottesdienste nur noch in den eigenen vier Wänden statt.

Aus dem Projektantrag des Generalsekretärs der HKI-Kirche, Dr. Batara Sihombing, wird deutlich, dass die Kirche plant, vor allem Familien mit niedrigem Einkommen mit Nahrungsmitteln zu versorgen, Hygieneprodukte und Wassertanks zu verteilen sowie Schutzmasken herstellen zu lassen, um so die Näherinnen finanziell zu unterstützen. Zudem sollen die Gemeindeglieder über die Gefahren und Präventionsmaßnahmen rund um das Corona-Virus aufgeklärt werden.

Die VEM-Mitgliedskirche GKPM von der Insel Mentawai meldet, dass sie insbesondere Aufklärungsmaßnahmen zum Corona-Virus durchführt. Außerdem bemüht sich die Kirche darum, den Hygienevorschriften nachzukommen und das Krankenhauspersonal mit Schutzkleidung auszustatten.

Auch die Mitgliedskirche GKE in Kalimantan/Borneo ist in den Krisenmodus gewechselt. Seit den ersten Meldungen der indonesischen Regierung über Corona-Infizierte Anfang März hat die GKE-Synode wichtige Schritte unternommen, um die Anweisungen der Regierung zu unterstützen. Sie informierten die Gemeinden ihre Sonntagsgottesdienste zu Hause statt in den Kirchen abzuhalten. Dazu stellte die Kirche den Familien einfache Liturigen zur Verfügung. Gottesdienste können jetzt auch über die sozialen Medien verfolgt werden. Hochzeiten und andere Veranstaltungen wurden ebenfalls untersagt. Praktische Hinweise zur Hygiene und zum Social Distancing wurden an die Gemeindeglieder weitergegeben.

Lebensmittelpakete reichen nicht für alle

Laut dem Projektantrag der GKJTU-Kirche von der Insel Java klärt die Kirche kontinuierlich über das Coronavirus, seine Gefahren und geeignete Präventionsmöglichkeiten auf. Wie die Leiterin der Diakonieabteilung, Debora Suparni, berichtet, hat die Kirche 200 Lebensmittelpakete bestehend aus Reis, Öl, Zucker verteilt, um die wirtschaftliche Belastung der Gemeinde aufgrund der Auswirkungen der Pandemie zu verringern. Tatsächlich gibt es viel mehr Bedürftige als die Kirche unterstützen kann, aber aufgrund der begrenzten Finanzmittel musste die GKJTU eine strenge Auswahl für die Verteilung treffen, die sich nach Kriterien wie „verwitwet“ oder „ohne Einkommen“ richtet.

Um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, führt die GKJTU unter anderem folgende Aktivitäten durch:

- Herstellung von Waschbecken und Bereitstellung von Seife an mehreren leicht zugänglichen Stellen, wie in zwei Grundschulen, der christlichen Mittelschule, der Tarunatama Vocational School und dem Sion Office.

- Instruktion der Schülerschaft, insbesondere an den Grund- und Mittelschulen, über die Technik des effektiven Händewaschens mit Seife.

- Verteilung von Schutzmasken an die Gemeinden der Sion Foundation, darunter 3000 Masken in Merapi und Getasan.

Gegenwärtig werden Stoffmasken in hoher Zahl hergestellt, um die Gemeinden zu unterstützen, wenn das Tragen von Schutzmasken zur Pflicht werden sollte. Mittlerweile sind alle handelsüblichen Schutzmasken so gut wie ausverkauft oder nur zu sehr hohen Kosten zu haben. Geplant ist deshalb, den Berufsschülern von Tarunatama die Möglichkeit zu geben, Stoffmasken selbst zu nähen und so ein Einkommen zu erzielen.

In den Philippinen hat sich die UCCP-Mitgliedskirche zusammen mit anderen Vertretern der Zivilgesellschaft dafür eingesetzt, dass Massentests an Personen mit Corona-Symptomen durchgeführt werden, um so eine schnelle Diagnose zu erhalten und den betroffenen Menschen eine angemessene Therapie zu ermöglichen.

Darüber hinaus hat das UCCP-Büro des Generalsekretärs einen Pastoralbrief und Richtlinien herausgegeben, wie der Pandemie begegnet werden kann und die Gemeinden vor der Ansteckung mit dem Virus geschützt werden können. Die üblichen Gottesdienste wurden zugunsten von Hausgottesdiensten ausgesetzt. Armen und bedürftigen kirchlichen Mitarbeitern wird finanzielle Unterstützung gewährt, um ihre prekäre wirtschaftliche Lage zu lindern.

Die UCCP-Leitung ermutigt auch die kirchlichen Krankenhäuser, auf angemessene Weise auf die Corona-Pandemie zu reagieren. Weitere Hilfen sind in Planung und werden in Absprache mit dem Ministerium für Soziales und Entwicklung der Regierung und dem Nationalen Kirchenrat durchgeführt.

In unserem Regionalbüro in Pematangsiantar (Indonesien) ging die Meldung ein, dass die UCCP-Leitung Näherinnen bei der Herstellung von Schutzmasken unterstützen will. 80% der Einnahmen aus dem Verkauf der Schutzmasken verbleiben bei den Näherinnen, während 20% der Einnahmen als Teil der Fundraising-Kampagne an die United Metropolis Conference gehen soll, um die in finanzielle Not geratenen Kirchenmitarbeitenden zu unterstützen.

Asiri Perera von der Methodistenkirche in Sri Lanka teilt mit, dass die Kirchenleitung alle ihre Gemeinden unverzüglich dazu aufgerufen hat, alle Sonntagsgottesdienste einzustellen und auch keine Gebetstreffen und Versammlungen in den Kirchenkreisen mehr abzuhalten. Den Pfarrern aller Gemeinden wurde empfohlen, die Mitglieder darüber zu informieren, ihre Gottesdienste und Gebete zu Hause abzuhalten.

Was die Versorgung mit Lebensmitteln anbelangt, wurde den Pfarrern der Kirchenkreise geraten, eine Liste der Mitglieder zu erstellen, die dringend Lebensmittel benötigen. Die Lebensmittelverteilungen werden dann von den Ortsgemeinden finanziert.

Darüber hinaus ist geplant, die interreligiösen Programme zu intensivieren, um die Beziehungen zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften mit Blick auf eine gegenseitige ökonomische Unterstützung zu verbessern.

Angesichts dieses enormen Bedarfs an Unterstützungsmaßnahmen hat der Vorstand der VEM kurzfristig entschieden, jeder Mitgliedskirche auf Antrag 10.000 Euro unbürokratisch auszuzahlen.

Die Corona-Lage in der Region Deutschland

Zum Beispiel in den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel

Die Corona-Krise verändert auch das Leben und die Arbeit in den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in einer nie dagewesenen Weise. Aufgrund der vielen Risikopatienten sind die Schutzmaßnahmen sehr hoch, alle Einrichtungen sind für Besucher geschlossen. Als Ergebnis dieser Bemühungen gibt es nur 52 bestätigte Corona-Fälle bei über 100.000 Kundinnen und Kunden sowie 20.000 Mitarbeitenden. Alle geschützten Werkstätten mussten geschlossen werden, was ein großes Versorgungsproblem verursachte, das aber durch eine individuelle häusliche Pflege und das Engagement vieler Freiwilliger und Mitarbeitenden anderer Abteilungen gelöst wurde. In den Krankenhäusern wurden alle aufschiebbaren Behandlungen und Operationen abgesagt, mehrere Stationen wurden geräumt und mit Beatmungsgeräten für die Behandlung von Corona-Fällen ausgestattet. Aufgrund der positiven Infektionsentwicklung in Deutschland sind die meisten Corona-Betten leer. Das Absagen geplanter Behandlungen, das Evakuieren von Stationen und entgangene Einnahmen aus den Behindertenwerkstätten verschärfen jedoch die wirtschaftliche Situation Bethels zunehmend. Zugleich sind an vielen Orten in Bethel Zeichen des Zusammenhalts, der Zuversicht und des Trosts als kleine ermutigende Gesten und gelebte Solidarität zu erkennen. Nachfolgend einige Beispiele:

Osterpaket und Postkarten für ältere Menschen

Das Team der "Neuen Schmiede", einem Freizeit- und Kulturzentrum für Senioren und Menschen mit Behinderung, hat sich eine besonders schöne und leckere Überraschung für die Kundinnen und Kunden ausgedacht: Da alle Veranstaltungen des Zentrums abgesagt sind, packten die Diakonissen kleine Osterpakete, die an die Stammgäste verteilt wurden. "Wir sprechen jetzt oft mit den Senioren am Telefon und wollen ihnen zu Ostern eine Überraschung hinterlassen, damit sie sehen, dass wir an sie denken", erklärt eine der Diakonissen. Außerdem bestellten sie 150 Postkarten in der Buchhandlung auf dem Bethel-Campus, um Grüße an die regelmäßigen Kurs- und Projektteilnehmenden sowie an die Freiwilligen und Begleiter zu senden.

Nähende Heldinnen

Bethel ist zu einem Zentrum für nähende Heldinnen geworden. Vielerorts werden Mund- und Nasenmasken, die in den Einrichtungen derzeit dringend benötigt werden, zusammen mit den Bewohnerinnen und Bewohnern genäht. Im Wohnheim Ophra beispielsweise unterstützten Mitarbeitende der PR-Abteilung die Bewohner, indem sie unverkaufte Materialien aus der "Brockensammlung", dem bekannten großen Second-Hand-Laden in Bethel, recycelten.

Sachspenden für ein Krankenhaus

Chungtay bedeutet in der vietnamesischen Sprache "gemeinsam helfen". Unter diesem Motto wuchsen ein großes Betheler Krankenhaus in Berlin und die vietnamesischsprachige Gemeinde in der Nachbarschaft weiter zusammen. Ende März spendeten Mitglieder dieser Gemeinde, die zu den größten vietnamesischer Herkunft in Deutschland gehört, dem Krankenhaus Mund- und Nasenschutzprodukte, sterile Handschuhe und Desinfektionsmittel. Die medizinische Schutzausrüstung stammt aus der Kosmetikindustrie, die diese Produkte derzeit nicht benötigt.

Klangteppich über Bethel

"Emotionen, die sich wie Klangwellen verbreiten, sind der Nährboden für das, was wir Vertrauen nennen", erklärt der Leiter der Posaunenmission in Bethel mit Überzeugung. Dies ist ein Grund, warum die Posaunenmission eine besondere Aktion gestartet hat: Da sich die Musikerinnen und Musiker nicht mehr zu gemeinsamen Proben treffen dürfen, spielen sie nun ihre Instrumente von zu Hause aus. Jeden Abend um 18 Uhr stehen sie an ihren Fenstern, auf ihren Balkonen oder in ihren Gärten und spielen Abendlieder. So entsteht ein wunderbarer Klangteppich über dem Dorf Bethel. Das zwanzigminütige Freiluftkonzert wird stets mit dem Segenslied "Segne und bewahre uns durch deine Gnade" beendet.

Corona-Hilfsfonds

Unser Generalsekretär, Volker Martin Dally, fasst die Situation innerhalb der internationalen evangelischen Gemeinschaft am 17. April wie folgt zusammen: „Der Corona-Hilfsfonds der VEM entwickelt sich stetig. Zum einen gibt es inzwischen weitere Spenden von privater Seite und Zusagen deutscher Mitglieder der VEM für eine Aufstockung, um den immensen Bedarf, insbesondere bei der Grundversorgung der Menschen in Afrika und Asien, wenigstens teilweise bedienen zu können. So konnten durch eine erste Auszahlung an die antragstellenden Kirchen beispielsweise Essenspakete ausgegeben und die Menschen mit Hygieneartikeln versorgt werden.

Den meisten Mitgliedern der VEM fehlen die finanziellen Ressourcen, um auf die Not der Menschen zu reagieren, da mit den Versammlungsverboten auch die Finanzierung der Kirchen durch Kollekten eingebrochen ist. Es ist zu befürchten, dass die Entwicklung sich in diesen Regionen der VEM erst einmal nicht entspannen wird, da dort mit der Kontaktsperre eben auch das tägliche Einkommen fehlt.

Auch wenn in Deutschland viele Menschen schmerzliche Verluste auf der Einkommensseite haben werden, sind wir aber durch funktionierende staatliche Hilfsprogramme und ein gut organisiertes Gesundheitswesen dennoch in einer deutlich besseren Position.“

Martina Pauly (Leiterin Kommunikation & Medien)

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