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16.10.2020

„Über Rassismus in Kirche reden…“

Die Tagung in Haus Villigst fand unter Einhaltung der Hygieneregeln statt.

Tagungsmitwirkende (v.l.): Quinton Ceasar, Christina Biere, Eleanor McCormick, Sarah Vecera. (Fotos: Sarah Vecera/VEM)

Am 15. Oktober 2020 fand in Haus Villigst in Schwerte ein Studientag über das Thema „Wie können wir über Rassismus und Weiße Privilegien in der Kirche sprechen?“ statt. Veranstalter*innen waren das Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) und die Vereinte Evangelische Mission (VEM).

Der Studientag bezog sich auf den Diskurs, der mit dem Synodenpapier der westfälischen Kirche "Ich bin fremd gewesen. Kirche und Migration" angestoßen wurde und auf die Black-Lives-Matter-Bewegung, in der sich Menschen in Deutschland zunehmend auch mit der Bedeutung von Weißen Privilegien für den strukturellen Rassismus in der Bundesrepublik beschäftigen.

Als Ergebnis der Tagung wurden konkrete Maßnahmen, wie lokale Studiengruppen und Sensibilisierungstrainings zu Weißen Privilegien, ein Runder Tisch zur Bildungsarbeit in Ämtern und Werken, eine nächste Tagung zur weiteren Vernetzung und die Gründung eines kirchlichen Netzwerks für Seelsorge, Identitätsbildung und kirchenpolitische Lobbyarbeit für „Persons of Color“ (PoC) beschlossen. Die getroffenen Vereinbarungen für eine rassismuskritische Kirche benennen eine Reihe von Weißen Privilegien innerhalb der Kirche und raten unter anderem zu einer Implementierung der rassismuskritischen Perspektive in kirchliche Ausbildungsgänge und die Personalentwicklung.

„Ich bin mit Bratkartoffeln, Rahmspinat, dem schwarzen Peter und Pippilotta Viktualia in einer Arbeiter*innenfamilie im Ruhrpott aufgewachsen – wo soll der mir zugeschriebene Migrationshintergrund sein?“, fragte Sarah Vecera, deutsche “Person of Colour“ und stellvertretende Abteilungsleiterin der VEM in ihrem Vortrag.

Der aus Südafrika stammende Pfarrer Quinton Ceasar, der eine Gemeinde in Wuppertal-Cronenberg leitet, forderte unter Bezugnahme auf das Bekenntnis von Belhar der Vereinigenden Reformierten Kirche im südlichen Afrika (URCSA): „Als weiße Kirche müssen wir uns auf den Weg machen, eine klare Sprache der Befreiung von Unterdrückten und eindeutigen Verurteilung von Unterdrückungssystemen zu finden. Und es fängt alles damit an, dass sich die weißen Kirchen mit ihrem eigenen Weißsein, dem white privilege, auseinandersetzen müssen.“

Christina Biere, Regionalpfarrerin der MÖWe, stellte zu Beginn der Tagung Ausschnitte aus ihrer Weißen Biografie vor. „Wenn man als Weiße in Deutschland aufwächst und Pfarrerin wird, dann ist Weißsein immer die Norm – in der Schule, in der Uni, im Vikariat, in der Gemeinde. Mich zu fragen, was von meinem täglichen Erleben davon geprägt ist, dass ich Weiß bin, ist eine schwierige, aber sehr gewinnbringende Übung. Wenn wir in der Kirche lernen, mehr mit dieser Perspektive auf uns zu schauen, dann werden wir in unserer Identität auch geistlich wachsen.“

Angelika Veddeler, Abteilungsleiterin Deutschland der VEM, unterstrich die Notwendigkeit, alle Ebenen der Kirchen an einer solchen Veränderung zu beteiligen. Schritte dahin würden gerade in mehreren VEM-Mitgliedskirchen in Deutschland angestoßen.

„Für die EKvW war die Tagung ein folgerichtiger Schritt, ihren Prozess der interkulturellen Öffnung qualifiziert und unter Einbeziehung vieler Beteiligter weiter zu entwickeln. Dass die Auseinandersetzung mit Rassismus und Weißen Privilegien in der Kirche dabei eine wichtige Rolle spielt, bedenken wir auch gemeinsam mit unserer Partnerkirche UCC in den USA. Ihr verdanken wir viele Anstöße, die wir im eigenen Kontext weiter bearbeiten müssen,“ fasste die im Amt für MÖWe mit den Fragen der interkulturellen Öffnung betraute Fachreferentin, Pfarrerin Beate Heßler, zusammen.

Kontakte für weitere Auskünfte: christina.biere[at]moewe-westfalen.de und vecera-s[at]vemission.org.

#blacklivesmatter #dearwhitechurch

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