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13.04.2021

Wie gehen Gemeinden in Indonesien mit Corona um?

Abtransport eines Corona-Opfers unter strengen Hygienevorgaben. (Foto: A. Purba)

Corona ist derzeit unser gemeinsamer Feind. Diese globale Pandemie hat unser Leben auf den Kopf gestellt. Viele Menschen sind geschockt, dass ein Virus das gesamte Leben so stark verändern und einschränken kann. Das gilt auch für die Menschen in meinem Heimatland Indonesien. Bis Anfang April haben sich insgesamt 1.547.376 Menschen in Indonesien infiziert. Gestorben sind bislang 42.064 Menschen. Viele Freunde von mir sind von der Pandemie betroffen, sowohl in Jakarta, meiner vorherigen Gemeinde, als auch in Kabanjahe, meiner Heimatstadt und dem Sitz unserer Kirchenleitung.

Corona als Wohlstandsvernichter

Indonesien ist ein sehr großes Land. Unsere Bevölkerung zählt rund 270,2 Millionen Menschen, die auf mehr als 13.000 Inseln leben. Auf jeder Insel wirkt sich die Pandemie ganz unterschiedlich aus. Besonders schwierig ist es in Java, der bevölkerungsreichsten Insel mit der Metropole Jakarta, in der allein 34 Millionen Menschen leben. Es ist die indonesische Hauptstadt und viele Menschen leben hier in großem Wohlstand, anders als in den ländlichen Regionen Indonesiens. Viele lokale und internationale Firmen haben in Jakarta ihren Sitz und ihre Produktionsanlagen. Deshalb sind viele arbeitsuchende Menschen aus ganz Indonesien nach Jakarta gezogen, um hier Arbeit und eine gute Anstellung in einem Unternehmen zu finden.

Infolge der Pandemie hat unsere Regierung im März letzten Jahres weitgehende Corona-Beschränkungen erlassen, die inzwischen mehr als ein Jahr andauern. Unsere Wirtschaft hat dadurch schwere Einbrüche erlitten. Viele Firmen und Unternehmen mussten ihre Angestellten und Arbeiter entlassen. Ihre Produkte wurden von den Verbrauchern nicht mehr gebraucht oder gekauft. In meiner früheren Gemeinde in Jakarta sind viele Gemeindemitglieder Unternehmer und Geschäftsinhaber. Sie sagten mir, dass sie ihre Geschäfte und Betriebe schließen und Mitarbeiter entlassen mussten.

Mit digitaler Technologie neue Wege finden

Schwere Folgen der Pandemie erleben auch die Menschen in den Dörfern. Ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse müssen sie jetzt zu niedrigen Preisen verkaufen, wenn sie sie überhaupt verkauft bekommen. Denn vielen Menschen fehlt jetzt das Einkommen und sie können nur wenige Lebensmittel kaufen. Eine Pfarrerin schrieb mir, dass ein Bauer mit seinen frisch geernteten Tomaten zum Markt gekommen ist, aber bis zum Abend konnte er sie nicht verkaufen. Der Bauer kehrte in sein Dorf zurück, ohne etwas verdient zu haben. Um solche Schwierigkeiten zu vermeiden, hat unsere Kirche eine App, die so genannte TIGATA APP eingerichtet. Über diese App kann ein Farmer seine Produkte direkt von zuhause an eine Person verkaufen, die eine entsprechende Bestellung über diese App tätigt. So ist diese App zum virtuellen Marktplatz geworden, sie hilft den Farmern, aber auch den Verbrauchern.

Auch das Feiern der Gottesdienste ist infolge der Pandemie sehr eingeschränkt, vor allem in den städtischen Zentren. In kleineren Städten oder den Dörfern können Gottesdienste gefeiert werden, aber unter Corona-Bedingungen: Für das Händewaschen vor dem Gottesdienst werden mehrere Waschbecken vor der Kirche aufgestellt. Die Gottesdienstbesucher dürfen nicht älter als 60 Jahre sein.

In den Großstädten werden entweder regelmäßig Online-Gottesdienste oder Online-Bibelstunden gefeiert. In diesem Rahmen läuft das Gemeindeleben ganz normal weiter, obwohl sich die Gemeindeglieder nicht treffen dürfen. Manchmal werde ich auch von Deutschland aus eingeladen, um entweder einen Vortrag oder eine Predigt zu halten. Wenn wir uns dann digital austauschen, ist es fast so, als ob wir uns wirklich real treffen würden.

Am Anfang der Pandemie hatte die Kirchenleitung die Schwierigkeit, die Gehälter der Pastorinnen und Pastoren zu bezahlen. In Indonesien kennen wir keine Kirchensteuer und sind ausschließlich von Kollekten und Spenden abhängig. Wenn es keine Gottesdienste gibt, fehlt auch das Einkommen der Gemeinden. Aber im Laufe der Pandemie haben Gemeindemitglieder Spenden überwiesen und damit auch die Pfarrgehälter gesichert.

Der offizielle Lockdown hat zur Schließung von Schulen und Universitäten geführt. Seitdem gibt es nur digitalen Unterricht. Kinder müssen zu Hause unter Betreuung ihrer Eltern lernen und Studierende nehmen an digitalen Lehrveranstaltungen teil. Aber nicht alle haben die Möglichkeit, sich technisch entsprechend auszustatten und gerade in den ländlichen Regionen ist der Empfang nicht gut, auch wenn die Regierung einen kostengünstigen Zugang zum Internet angeboten hat.

Solidarität und Hoffnung

Ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie kämpfen wir auch in Indonesien mit steigenden Infektionszahlen, vor allem ausgelöst durch die neuartigen Virusvarianten. Noch immer ist kein Ende der Pandemie in Sicht und die sozialen Folgen zeigen sich auch bei uns. Aber das Miteinander der Menschen ist von einer wachsenden Solidarität und der Bereitschaft zur gegenseitigen Unterstützung geprägt. Gerade in Folge der ökonomischen Krise, in der viele Familien ihren Lebensunterhalt verloren haben, bieten Nachbarn oder Angehörige den Betroffenen Hilfe an. Ebenso spüren wir den Zusammenhalt mit unseren Partnergemeinden in Deutschland, mit denen unsere Kirche in regelmäßigem Kontakt steht. Über Ländergrenzen hinweg lernen wir mit der Pandemie zu leben und neue Wege zu finden, die menschliche Kommunikation trotz Corona-Beschränkungen ermöglicht. Und wir hoffen, dass die Impfungen vorangehen, die auch in Indonesien begonnen haben, so dass wir die Pandemie besser bewältigen können.

Pfr. Albert Purba, ökumenischer Mitarbeiter der VEM aus der Karo-Batak-Kirche im Kirchenkreis Herford

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