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01.03.2019

Alles verändert sich und wir selbst auch mit

Die Rubrik "Doppelpunkt" wird monatlich mit neuen Gedanken und Reflexionen verknüpft.

Ich denke an deinen aufrichtigen Glauben, der schon in deiner Großmutter Loïs und in deiner Mutter Eunike lebendig war und der nun, wie ich weiß, auch in dir lebt. Darum rufe ich dir ins Gedächtnis: Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (Einheitsübersetzung)

Die Pastoralbriefe sind für ihre Polemik gegenüber Frauenaktivitäten und die theologisch abgestützte Frauenfeindlichkeit bekannt. Sie sind Jahrzehnte nach Paulus Tod, von einem unbekannten Verfasser oder einem Verfasserkreis, in seinem Namen geschrieben worden. Wie es damals üblich war, greifen die Autoren damit auf die Autorität des Paulus‘ zurück, um ihrer Sicht in der der Auseinandersetzung mit Konflikten größeres Gewicht zu geben.

Aus der Apostelgeschichte (Apg. 16,1f) und den paulinischen Briefen wissen wir, dass Timotheus eine jüdische Mutter und einen griechischen Vater hatte und Mitarbeiter und Mitautor von Paulus war. Im ersten Timotheus- Brief wird er als Leiter der Gemeinde in Ephesus vorgestellt. Der Briefschreiber hat eine hierarchisch strukturierte Gemeinde vor Augen, ihm ist der Einfluss von Frauen zu stark und die Gleichberechtigung von Sklavinnen und Sklaven geht ihm zu weit. Eine stärkere Anpassung an die gesellschaftlichen Gepflogenheiten wird also verfolgt.

Das interessante ist, das, wenn wir genau hinschauen, sich in den paar Briefzeilen, die wir eben gehört haben, die Bedeutung von zwei Frauen aus der Gemeinde erhalten hat: Timotheus Großmutter Loïs und Mutter Eunike werden von den Autoren namentlich genannt. Wir wissen nichts über das Leben der Frauen. Dass sie jedoch genannt werden, setzt voraus, dass sie in der Gemeinde bekannte und damit bedeutende Frauen waren.

Die Briefschreiber fordern Timotheus auf, sich zu erinnern. Er soll sich an sein Erbe erinnern, daran was ihm von Großmutter und Mutter mitgegeben worden ist, was ihn geprägt und getragen hat. Er soll sich der stärkenden, lebendig gelebten Frauentradition des „aufrichtigen Glaubens“ erinnern.

Auch wir in Kirche und in der VEM können uns erinnern an die lange Traidtion des Glaubens von Frauen und Männern. Ich schreibe als Schwester der VEM, die sich eingebettet weiss in eine recht lange Tradition von Frauen, die im Dienste der Mission standen. Über 130 Jahre ist es hier, dass Hester Needham nach Sumatra ausgereist ist. In vielen unserer Mitgliedskirchen sind Schwestern nach wie vor sehr gut in Erinnerung und auch wenn manche Ereignisse schon fast in Vergessenheit geraten sind, sind andere noch so lebendig, als wären sie gerade erst passiert.

Die eigene Geschichte zu kennen, die Traditionen wert zu schätzen und die ‚Mütter‘ und auch die ‚Väter“ nicht in Vergessenheit geraten zu lassen: das ist keine hinderliche Rückwärtsgewandtheit, sondern Vergewisserung, also elementare Grundlage dafür, dass Neues wachsen kann.  In Zeiten starken Wandels hilft ‚Erinnerungsarbeit‘, dem Neuen Halt zu geben. (Margot Papenheim)

Wir leben in Zeiten des Wandels – aber wenn wir mal ehrlich zurückblicken – es sind immer Zeiten des Wandels gewesen. Denn das Leben selbst ist ja ein stetiger Wandel. In dem wir älter werden, verändern wir uns ja stetig. Wenn ich die Kinder in der KiTa anschaue entdecke ich, wie schnell sie sich verändern und wachsen. Schule, Ausbildung, Studium, Familie, Kinder, Enkelkinder…..

Alles verändert sich und wir selbst auch mit

Das stetige in diesem Wandeln ist, dass wir eingebettet sind nicht nur in unsere eigene Geschichte, sondern auch in die Geschichte unserer Familie, der Gesellschaft, der globalen Welt, der VEM.

Mit unserem Leben tragen wir etwas von dem Wissen mit, dass wir Teil eines größeren Zusammenhangs sind. Dies lässt uns über den Tag hinaussehen. Eine Gewissheit schwingt mit, dass unsere Arbeit eine Richtung und die Einzelne darin ihre Aufgabe hat, die über unser eigenes Leben hinausgeht. Wir stehen mit unserem Leben nicht am Anfang und auch nicht am Ende.

Dafür sind wir dankbar. Danken heißt, Gott als Kraft anerkennen und erfahren, dass die Welt zusammengehalten wird und ihr eine Perspektive gegeben ist. Im Danken bekräftigt sich das Bewusstsein, im besten Sinne des Wortes, in der Welt aufgehoben zu sein.

Die Briefschreiber erinnern Timotheus an das, was in ihm Lebendiges, Kraftvolles, Positives vorhanden ist als Gabe Gottes.  Es geht also um Erbe – hier von Frauen - und vorhandene Gaben. Sein Glaube und seine Gaben haben Timotheus qualifiziert für ein Amt, das er ausfüllte. Dies scheint er gerade nicht voll ein zu setzen. Doch daran soll er wieder anknüpfen durch Erinnerung. 

Und so sind auch wir immer wieder aufgefordert uns daran zu erinnern, dass wir in ein großes Ganzes eingebettet sind. Dass es Menschen vor uns in dieser Arbeit gab, egal ob wir in den Büros arbeiten, in Wuppertal, in Dar es Salaam, in Medan. Ob wir in den Gemeinden tätig sind, oder viel unterwegs – wir sind in der Reihe der Menschen, die vor uns da waren und es wird nach uns Menschen geben, die diese Arbeit weiterführen.

Das Leben geht jeden Tag weiter. Und unserer Geschichte wird jeden Tag weitergeschrieben. Auch wenn wir manchmal ganz kleingläubig sind und denken, wie kann das nur weitergehen. Aber Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Wir brauchen nicht verzagt sein, Gott hat uns versprochen, bei uns zu sein und uns auszurüsten mit einem Geist der Liebe, der Kraft und der Besonnenheit. Leben ist Veränderung, aber wie unsere Großmutter und auch Großvater können wir uns in den Dienst nehmen lassen für die Zeit, in der wir leben und die Zukunft vertrauensvoll in Gottes Hände legen.

Stephanie Franz ist Gemeindepfarrerin in Mettmann (EKiR) und im Leitungskreis der Schwesterngemeinschaft

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