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05.04.2019

Auf Booten in den Gottesdienst

Trotz der Katastrophe kommen die Menschen in die überflutete Kirche - jetzt eben auf Booten. VEM-Mitarbeiter Pastor Dr. Uwe Hummel hält ganz oben auf der Kanzel den Sonntagsgottesdienst.

Zuvor ist er mit nackten Füßen und Rucksack mit dem Boot in die Kirche gefahren.

Fotos unten: Selbst die Pfahlbauten am Sentani-See wurden überflutet. (Fotos: Joyce da Costa & Sonia Parera-Hummel)

Marijke Werimon arbeitet seit vielen Jahren im Frauenzentrum "P3W" der Kirche GKI-TP in Jayapura, der Hauptstadt von Westpapua. Nachstehend ihr Bericht über die Lage in Sentani vom 29. März:

"Es sind nun zwei Wochen nach dem Hochwasser und den Erdrutschen am Sentanisee vergangen. Schon eine Woche regnet es nicht mehr, bis auf gelegentliche meist lokal begrenzte Regenböen.

Der Wasserstand ist seit Menschengedenken noch nie so hoch gewesen. Langsam sinkt der Wasserspiegel wieder. Die Bewohner der Pfahlbauten am Ufer des Sees haben nun wieder Hoffnung, dass sie bald in ihre Häuser zurückkehren können.

Diese Hoffnung besteht nicht für diejenigen, die am Fuß des Zyklopgebirges gebaut hatten. Dort wohnten vor allem Leute aus dem Bergland, es gab Privathäuser und Wohnsiedlungen. Zurzeit sind 105 Tote zu beklagen und 82 Personen werden noch vermisst.

Viele Menschen sind noch in ganz verschiedenen Notunterkünften und Gebäuden untergebracht, weil ihre Häuser völlig zerstört oder unbewohnbar sind. Es gibt zurzeit noch sechs Notunterkünfte, darunter eine große Turnhalle in Doyo und eine Kirche der Adventisten. Die Adventisten haben viele Unterkünfte zur Verfügung gestellt. Auch im Puspenka (Tagungszentrum der GKI) sind viele Notunterkünfte geschaffen worden. Ein Kindergottesdienst-Gebäude ist mit Kindern belegt. Diese Menschen, vor allem die Kinder, müssen wohl noch Monate lang versorgt werden. Ein Teil unserer Mitarbeiter im P3W (Frauenzentrum der GKI) bemüht sich um diese Kinder. Wir versuchen die Traumata zu bearbeiten. Wir hören von den Kindern schreckliche Geschichten.

Wir haben auch erfahren, dass zwei Dörfer, Ormu und Jonson, an der dem Ozean zugewandten Seite des Zyklopgebirges schwer betroffen sind. Dort hatten sich Menschen in die Berge gerettet und mussten per Helikopter mit Lebensmitteln versorgt werden. Bis Genyem im Westen sind Menschen betroffen.

Unser Zentrum (P3W) wird sich auf die Hilfe für Frauen und Kinder konzentrieren. Wir wollen Garn besorgen, um den Frauen die Möglichkeit zu geben, Netze zu knüpfen. Das war seit je her die Arbeit der Frauen im Bergland, und die Handarbeit hat sicherlich auch heilende Wirkung. Auch für die Kinder suchen wir einfaches Spielzeug und Material für einfache, aber sinnvolle Bastel- bzw. Handarbeit. Dann wird man sehen müssen, was die Leute noch nötig haben.

(...) im Dorf Kemiri werden immer noch Menschen vermisst. Es gibt eine Notunterkunft für Kinder, sie sind obdachlos und zum Teil Waisen. (...) Hier ein Bild aus der Pfahlbaukirche am Sentanisee. Die Gottesdienstbesucher sind mit den Booten in die Kirche gefahren.

Herzliche Grüße an alle Freundinnen und Freunde"

Am 9. April erreichte uns nachstehender Bericht von unserem Kollegen, Pastor Friedrich Tometten:

"Ich bin seit einer Woche in Sentani, war heute am und um den Sentani-See unterwegs. Die Aufräumarbeiten gehen wegen begrenzter Kapazitäten an Räummaschinen nur langsam voran. Die Erdrutsche, die an verschiedenen Stellen tiefe Schneisen in den Zyklopberg gerissen haben, müssen Millionen Tonnen von Steinen, Schlamm und Sand freigesetzt haben. Auf einige Kilometer hin liegen auch noch nach drei Wochen Häuser, Straßen und Grundstücke unter einer dicken Schlammdecke, wuchtige Baumstämme sind in und auf Häusern abgelegt und türmen sich hier und dort zu hohen Bergen.

Der sicherlich 20 km lange See steht bis heute noch anderthalb bis zwei Meter über seinem Normalstand. Die 25 am Seerand liegenden Dörfer sind unbewohnbar, weil das Wasser hüfthoch in den Häusern steht. Am und auf dem See sind vor allem Gemeinden der GKI betroffen. Es werden einige Tausend sein, die vor allem von Kirchengemeinden in Kirchen, Zelten und Notunterkünften untergebracht und verpflegt werden. Rund um den See werden sämtliche 25 Dörfer fast komplett neu aufgebaut werden müssen. Hier und dort werden Menschen umgesiedelt werden müssen. Jeder von der Katastrophe betroffenen Gemeinde hat die Kirchenleitung eine Kirchengemeinde des Kirchenkreises Jayapura zur Unterstützung zugewiesen. Die Solidarität dieser Gemeinden ist überwältigend. Sie unterstützen bei der Unterbringung der vielen tausenden Obdachlosen, sie bringen Decken, Lebensmittel und Wasserfilter. Sie unterstützen bei der medizinischen Versorgung. Am und auf dem See sind es nach meinem Eindruck vor allem solche kirchlichen Gruppen, die die Katastrophenhilfe leisten.

Sobald das Wasser abgeflossen sein wird, werden allerdings die weit schwierigeren Aufbauarbeiten anstehen, darunter möglicherweise auch größere Umsiedlungen. Für die 25 Dörfer am und auf dem See wird eine Komplettsanierung nötig sein. Es ist eine Chance, sauberes und gesundes Wohnen am See zu ermöglichen, der durch fehlende Abwassereinrichtungen und Müllentsorgungsanlagen in den Dörfer trostlos vermüllt und vermutlich ziemlich verseucht ist. Die GKI erwägt, durch ein Pilotprojekt ein gutes Beispiel für gesundes und umweltfreundliches Wohnen am See zu entwickeln. Das wäre sicherlich auch ein gutes gemeinsames Projekt für die VEM-Gemeinschaft."

Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR), die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) und die VEM unterstützen die Hilfsmaßnahmen zugunsten der von den Überflutungen betroffenen Menschen in Sentani  mit jeweils 5.000 Euro.

Spendenkonto der VEM: IBAN DE45 3506 0190 0009 9090 08, Stichwort: „Hilfe Erdrutsch-Opfer Sentani".

Die VEM führt das Prüfsiegel für den verantwortlichen Umgang mit Spendengeldern und deren satzungsgemäße Verwendung.

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