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22.01.2018

"Flucht, Taufe … und was dann?"

Zwei Teilnehmerinnen des Studientags in Essen (Foto: Sarah Vecera/VEM).

Trotz des verkehrstechnischen Chaos‘ infolge des Sturms Friederike erreichten rund 170 Teilnehmende, davon fast ein Drittel Menschen mit Migrationshintergrund, am Samstag, den 20. Januar das Weigle-Haus in Essen, um dort über folgende Fragen zu diskutieren: „Wie verändert die Integration von Neugetauften die Gemeinde?“, „Wie viel kulturelle Vielfalt verträgt eine lokale Gemeinde?“, „Welche Hilfestellungen und Beratung brauchen Gemeinden?“ Für eine Übersetzung in Farsi und Arabisch wurde gesorgt.

Eingeladen hatten die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR), das Amt für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (Moewe) der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) und die Vereinte Evangelische Mission (VEM).

In dem gemeinsam von Johannes Weth, Pfarrer des interkulturellen Projekts „Himmelsfels“ in Spangenberg, und David Gabra, Pfarrer am Weigle-Haus in Essen, gehaltenen Einstiegsreferat wurde die Grundsatzfrage „Was können wir tun, um die Zugewanderten zu integrieren?“ umgedeutet in: „Was tut Jesus Christus heute mit seiner Kirche? Wozu hat er uns diese Geschwister geschickt?“

In der Diskussion wurde deutlich, dass es keinen deutschen Weg in die Interkulturalität gibt und dass es beim interkulturellen Lernen darum geht, sich in den gegenseitigen Beziehungen besser zu verstehen und sich nicht gegenseitig besser einzuordnen.

Einig war man sich auch in der Feststellung, dass die Kirche von Natur aus interkulturell und die Bibel in großen Teilen ein Buch von Flüchtlingen für Flüchtlinge sei. Darum können Geflüchtete den Christen in Deutschland dabei helfen, die Bibel besser zu verstehen und somit Kirche zu sein wie Kirche gemeint ist. „Dann werden nicht die Ausländer deutsch, sondern wir werden gemeinsam gläubig“, meinte Weth in seinem Vortrag. „Und mit jeder Taufe einer Iranerin tauft unsere Kirche in die weltweite Gemeinschaft der Kirche Jesu Christi. Damit wird die interkulturelle Kirche nicht das Besondere, sondern das Normale“, so Weth weiter. Auf die mittlerweile gängige Frage danach, wie man gemeinsam Kirche sein will entgegnete der Pfarrer vom Himmelsfels: „Wollen wir am Ende als weiße bürgerliche Klientelkirche zurückbleiben?“

Ein transkulturelles Gemeindeleben lasse sich aber nicht einfach so entwickeln. Pläne gingen oft nicht auf, stattdessen passierten aber Wunder. Auftretende Konflikte sollten nicht umgegangen, sondern als Chance zum gegenseitigen Lernen verstanden werden, so wie die Mehrstimmigkeit beim Singen erwünscht ist. Dabei wurde auch klargestellt, dass die Gemeinde niemandem gehört, sondern der Ort ist, an dem man gemeinsam bei Christus zuhause ist.

Im Anschluss daran wurden zwei interkulturelle Gemeindeprojekte vorgestellt. Zunächst das Weigle-Haus in Essen als Jugendhaus mit einer Erwachsenengemeinde. Viele Geflüchtete und Migranten kommen über die Kinder- und Jugendarbeit ins Weigle-Haus. Für die Erwachsenengemeinde, die zu zwei Dritteln aus Deutschen besteht, ist ein ägyptischer Pfarrer angestellt. Die deutschsprachigen Sonntagsgottesdienste werden in einem wöchentlichen interkulturellen Bibelkreis vorbereitet. Migrantinnen und Migranten gehören inzwischen dem Gemeinderat an und leiten auch den interkulturellen Bibelkreis.

Als zweites Projekt wurde die deutsch-iranische Gemeinde im Lukaszentrum von Paderborn gezeigt. Hier finden regelmäßige gemeinsame Gottesdienste auf Deutsch statt. Darüber hinaus wird zumeist ein zusätzliches Nachmittagsprogramm für Iranerinnen und Iraner in Farsi angeboten. Die EKvW hat für diese Gemeinde neben dem deutschen Pfarrer auch einen iranischen Pfarrer angestellt, der im gesamten Kirchenkreis Iranerinnen und Iraner betreut. Tauf- und Abendmahlsgottesdienste werden immer gemeinsam abgehalten. Die Kirchengemeinde hat zudem einen deutsch-iranischen Kulturverein gegründet, der regelmäßig interkulturelle Veranstaltungen in Paderborn anbietet.

Die Rückfragen an die beiden Gemeindeprojekte und Referenten befassten sich vornehmlich mit praktischen Dingen des interkulturellen Zusammenlebens, z.B. rund um die Kommunikation, gute Bibelübersetzungen auf Farsi oder den Zugang zu Liedern in Deutsch und Farsi. Über die Frage, was man jeweils von dem anderen erwarte, entstand ein reger Austausch zwischen Deutschen und Migranten, der mehr Ehrlichkeit von der einen Seite und eine bessere Wahrnehmung von Bedürfnissen von der anderen Seite forderte.

Im Abschlussplenum betonte Johannes Weth noch einmal, dass die Migranten ein Segen für die deutschen Kirchen seien und forderte, nicht mehr von Migranten und Deutschen, sondern künftig von Geschwistern zu reden.

Von deutscher Seite wurde der Studientag als inspirierend, herausfordernd und mit Blick auf die vielen praktischen Anstöße als hilfreich wahrgenommen. Von den Teilnehmenden mit Migrationshintergrund war das Echo zu hören, sich verstanden und willkommen gefühlt zu haben und mit den eigenen Anliegen gehört worden zu sein.

Das Thesenpapier zur interkulturellen Gemeindearbeit ist hier herunterladbar.

Pfarrerin Dr. Claudia Währisch-Oblau (Leiterin der Abteilung Evangelisation der VEM)

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