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13.05.2019

Gesundheit, ein Menschenrecht

Dr. Jean Gottfried Mutombo (links) und Dr. Kambale Kahongya

Gabi Hettler und Martin Domke

Andreas Denda stellt das Ambulanzboot auf dem Kongofluss vor.

Benjamin Pfordt begleitete den Stummfilm musikalisch auf dem Klavier. Die Filmmusik hat der ehemalige Nord-Süd-Freiwillige der VEM selber geschrieben. Ein Highlight ist das "Tata na beto yikele na zulu" - das Vater Unser auf Kigongo. Fotos: Brunhild von Local / VEM

Julia Besten, die Leiterin der Archiv- und Museumsstiftung der VEM, begrüßte die Gäste des Länderseminars am Freitagabend im Museum. Foto: Uli Baege / VEM

Gesundheit in der Demokratischen Republik Kongo stand im Mittelpunkt des Länderseminars Kongo am vergangenen Wochenende in Wuppertal. Eingeladen dazu hatten die Afrika-Abteilung und die Archiv- und Museumsstiftung der VEM. Mehrere Fachleute haben sich aus unterschiedlichen Perspektiven dem facettenreichen Thema Gesundheit genähert.

Gabi Hettler sprach über ihre Erfahrungen als gelernte Krankenschwester, Hebamme und Lehrerin für Pflegeberufe beim Deutschen Institut für Ärztliche Mission (DIFÄM). Die Gesundheitsversorgung im Kongo sei katastrophal. Viele Faktoren, die zur Gesundheit beitrügen, wie das gesellschaftliche und politische Umfeld, insbesondere Sicherheit, seien einfach schwierig in dem Land, das die Fläche Westeuropas hat.

Christoph Schwab konnte dies in seinem Vortrag nur bestätigen. Die HIV/Aids-Arbeit in der DR Kongo sei ein Spiegel der allgemeinen Dauerkrise in dem zentralafrikanischen Land, so seine These. Der Kurator der Archiv- und Museumsstiftung der VEM zog dazu die Aids-Statistik der Vereinten Nationen aus dem Jahr 2017 heran. Danach lebten 2017 rund 390.000 Menschen mit HIV im Kongo, etwa 0,7 Prozent der kongolesischen Bevölkerung. Im Vergleich zu Tansania – mit rund 4,5 Prozent – sei das verhältnismäßig wenig. Die Isoliertheit vieler Landstriche und die fehlende Infrastruktur im Land seien wohl für die niedrige Zahl verantwortlich; eine Ausbreitung gehe weniger schnell abseits der großen Zentren vonstatten.

Andreas Denda stellte daraufhin das Projekt des Kirchenkreises Dortmund vor: das Ambulanzboot auf dem Kongofluss. https://www.ev-kirche-dortmund.de/ueber-uns/oekumene/partnerschaften/bolengekongo.html  Der Mathematik- und Physiklehrer ist aktiv in der Partnerschaft mit dem Kirchenkreis Bolenge. Seinen Zivildienst hat er Anfang der 1990er Jahre selbst in Mbandaka absolviert, mit der VEM. Das „schwimmende Krankenhaus“ sei für die rund 200.000 Menschen in den abgelegenen Flussdörfern des Kongo oft die einzige Möglichkeit, medizinisch versorgt zu werden. Das Ambulanzboot gilt als vorbildliches Projekt: Es geht mindestens sechsmal im Jahr auf Fahrt, um die extreme Not der Menschen zu lindern. Auf dem Landweg seien die Menschen dort kaum erreichbar. Während des nächsten Kirchentags wird der Kirchenkreis Dortmund im „Weltgarten" auf dem Gelände der Westfalenhallen einen Ambulanzboot-Stand aufbauen und das Hilfsprojekt vorstellen.  Der kongolesische Arzt und Koordinator des Projekts Dr. Yoursen Bosolo wird erwartet.

Dr. Kambale Kahongya, VEM- Menschenrechtsexperte, erläuterte abschließend, weswegen der aktuelle Ebola-Ausbruch im Osten des Landes noch nicht eingedämmt werden konnte. Es ist der insgesamt zehnte Ausbruch überhaupt in der DR Kongo. Etwa 1.500 bestätigte Fälle gibt es seit August 2018, 422 Menschen starben. Ein Hauptproblem stelle die insgesamt unsichere Lage in den Kivu-Provinzen dar. Unterschiedlichste Milizgruppen terrorisieren die Bevölkerung, medizinisches Personal kann nicht in alle Gegenden gelangen. Aber auch fehlendes kulturelles Fingerspitzengefühl der Ebola-Eingreiftruppe habe zu mangelnder Akzeptanz der Bevölkerung geführt. Es wurde versäumt, die Bevölkerung umfassend über das notwendige Vorgehen zu informieren, um Verständnis zu werben, weswegen beispielsweise der Umgang mit Toten gefährlich ist, traditionelle Bestattungsriten abgeändert werden müssen.

Und wie kann die Kirche helfen? Diese Frage stellten sich die Teilnehmenden verschiedener Partnerschaftsgruppen. Welche Rolle kann und muss die Kirche in dem Land übernehmen? Die Kirche müsse ihre Lobbyarbeit ändern und die kongolesische Regierung in die Pflicht nehmen. Die Regierung sei verantwortlich für die Gesundheit und Bildung der kongolesischen Bevölkerung. Sie könne es nicht allein der Kirche überlassen, die damit völlig überfordert sei, so die Empfehlung des promovierten Theologen Jean-Gottfried Mutombo. Lobbyarbeit sei nach wie vor zentral und wichtig für die Partner im Kongo.

Zum Einstieg des Länderseminars am Freitagabend wurde der 40-minütige Stummfilm „Bamba, der Neffe des Zauberers“ im Museum auf der Hardt in Wuppertal gezeigt. Der aus dem Jahr 1939 stammende Film befasst sich zentral mit dem Aufbau der medizinischen Versorgung durch die Missionare im Kongo. Der ehemalige VEM-Nord-Süd-Freiwillige Benjamin Pfordt begleitete auf dem Klavier. „Eine sehr gute Idee mit dem Film in das Länderseminar einzusteigen“, meinte Pfarrer Martin Domke, Geschäftsführer des EineWeltZentrums Herne und seit vielen Jahren in der Partnerschaft mit Bukavu aktiv.

Ein weiteres Highlight war die Erinnerung an 40 Jahre Zaire-Mission in der VEM. Dr. Jean-Gottfried Mutombo referierte über die Geschichte der Zaire-Mission und die Folgen für die VEM. Die Arbeit der jahrzehntelangen Zaire-Arbeit habe viele Früchte getragen. Durch die Aufnahme der Zaire-Mission seien neue Denominationen in den Kirchenverbund aufgenommen worden, die den Diskussionen in der VEM gut getan hätten.

Mit diesem Kongo-Länderseminar verabschiedete sich der Partnerschaftsreferent Uli Baege von der Partnerschaftsarbeit bei der Vereinten Evangelischen Mission. Acht Jahre lang hat er die 70 afrikanischen Partnerschaftsgruppen der VEM beraten und begleitet. Uli Baege wird künftig die Projektarbeit der VEM fördern.
Frauke Bürgers und Kristina Neubauer werden künftig die Partnerschaftsarbeit der VEM unterstützen.

Brunhild von Local

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