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10.07.2017

In Respekt und Toleranz zusammenleben

Präsentation der GKJTU zu Männerdominanz. Foto: Brunhild von Local/VEM.

Peniwen / Wuppertal (9. Juli 2017). „Hauptaufgabe Ostjavas ist die Überwindung der Armut in dieser Region.“ Mit diesen Worten eröffnete der stellvertretende Gouverneur Ostjavas am Freitagabend vor rund 850 Frauen und Männern die Frauenvollversammlung in der Evangelischen Kirche der GKJW (Evangelische Kirche Ostjavas) in dem Dorf Peniwen, südlich von Malang. „Dabei spielen die Frauen eine entscheidende Rolle“, betonte er. Peniwen ist ein Dorf mit knapp 4.000 Einwohnern, davon sind 99 Prozent Christinnen und Christen und ein Prozent Muslime.

„Die Gewalt zwischen Christen und Muslimen in unserem Land nimmt zu. Der christliche Gouverneur von Jakarta muss für zwei Jahre ins Gefängnis, weil er angeblich schlecht über den Islam geredet hat. Was passiert in diesen Tagen in Indonesien?“, mit diesen Überlegungen konfrontierte Budi Cahyono die geladenen Gäste in der Kirche. Der Generalsekretär der GKJW betonte, dass seine Kirche offen über die interreligiöse Situation im Land diskutiere. „Beispielsweise habe wir auf unserer letzten Synode darüber gesprochen, wie Christen und Muslime besser zusammen arbeiten können. Wir haben uns auch mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Religionen über unsere Ängste ausgetauscht und wie wir die Gemeinden beruhigen könnten.“ Als Christ und Mitglied der GKJW rede er oft von „sesama“ – „unter uns“ Christen. Aber das sei zu eng gedacht, sagte er. „Jesus hat uns oft damit konfrontiert, genau darüber zu reflektieren, wer unter uns ist. Die Juden? Die Griechen? Die Menschen, die an Gott glauben? Gott sagt ganz klar: Liebe deinen Nächsten!“, betonte Cahyono. „Hier in der Kirche in Peniwen sind es die Deutschen, die Afrikanerinnen. Die Hautfarbe spielt dabei keine Rolle. Hier in der Nachbarschaft sind wir alle gleich. Wir akzeptieren und respektieren uns.“ Wenn über interreligiöse Zusammenarbeit diskutiert werde, dürfe auch das Wort Toleranz nicht fehlen, meinte der Generalsekretär abschließend. Auch nicht in der Familie.

Die GKJW habe viele interreligiöse Programme, um Nachbarschaft und Toleranz in der Kirche zu verankern, betonte Dr. Dyah Ayu Krismawati, eine Mitarbeiterin des interreligiösen Bildungszentrums Balewiyata in Malang. Die ehemalige VEM-Stipendiatin betonte, dass die Probleme überall in der Welt gleich seien und interreligiöses Zusammenleben nun einmal nicht einfach sei. Zumal in Indonesien, das mit rund 240 Millionen Einwohnern und mit 88 Prozent den weltweit größten islamischen Bevölkerungsanteil hat. Protestanten machen rund fünf Prozent aus, Katholiken drei Prozent. Der Rest verteilt sich auf Hinduisten, Buddhisten und Konfuzianer. Die Aufgabe der Kirche sei es, in Toleranz und Respekt miteinander zu leben.

Ähnlich wie in Indonesien galt der Islam auch in Tansania als tolerant und gemäßigt, das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen als nachbarschaftlich und friedlich. Tansania habe bislang sogar einen Rekord darin gehalten, eine der friedlichsten Nationen zu sein, sagte Rebecca Raymond Muhoza Kahezi, die tansanische Vertreterin der deutschen VEM-Delegation. Doch seit einigen Jahren hätten die Spannungen zwischen Christen und Muslimen zugenommen. In Tansania gebe es keine verlässlichen Daten über die Religionszugehörigkeit, sagte die Pastorin der Ost- und Küstendiözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELCT). Kirchenführer und Soziologen schätzen, dass in Tansania etwa gleich viele Muslime und Christen leben, zwischen 30 und 40 Prozent, wobei es mehr Katholiken als Protestanten gebe. Auf Sansibar lägen die Verhältnisse anders: Rund 99 Prozent der Einwohner sind Muslime, und nur ein Prozent Christen, sagte Kahezi. Um den interreligiösen Dialog und das Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen weiter voranzubringen, hat die Dänische Mission 2005 auf Sansibar ein „Interreligiöses Zentrum“ gegründet. Träger ist die Ost- und Küstendiözese der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania (ELCT). „Frauen und Männer unterschiedlicher Religionen sollen hier lernen, wie man eine gerechte und friedliche Gesellschaft aufbaut und wie man sich für Menschenrechte einsetzt. Das interreligiöse Zentrum habe mehrere Programme, um diese Ziele umzusetzen, sagte Kahezi. „Beispielsweise eine Nähschule für muslimische und christliche Frauen. Seit 2005 nähen dort muslimische und christliche Frauen gemeinsam, tauschen sich aus, bilden sich weiter und schließen Freundschaften.“ Im gleichen Jahre haben christliche und muslimische Religionsführer ein gemeinsames Komitee für Frieden auf Sansibar gegründet. „2008 kam Suko Tiyarno nach Sansibar, um ein interreligiöses Jugendprogramm aufzubauen“, so Kahesi weiter. Der Pastor der GKJW war drei Jahre auf Sansibar und hat unter anderem einen christlich-muslimischen Fußballclub aufgebaut. Aber auch Computer- und Englischkurse, Theater- und Videoworkshops des interreligiösen Zentrums helfen, die friedliche Zusammenarbeit zwischen Christen und Muslimen weiter zu fördern, meinte Pastorin Kahesi.

Ein gemeinsames Frühstück sei eine der angenehmsten Formen sich näher kennenzulernen, sich auszutauschen über Vorlieben, Gewohnheiten, Schwächen, Stärken und eben auch mehr voneinander über die Religion anderer zu erfahren. Davon sind die beiden Organisatorinnen des christlich-muslimischen Frauenfrühstücks, Katrin Meinhard und Nigar Yardim, überzeugt. „Wer etwas über den Islam oder das Christentum erfahren möchte, der kommt zum christlich-muslimischen Frühstück ins „Haus der Familie“ nach Krefeld“, sagte Pastorin Katrin Meinhard, Frauenreferentin des Kirchenkreises Krefeld-Viersen und eine der deutschen Teilnehmerinnen der VEM-Delegation. Ziel des Frauenfrühstücks sei es, über gemeinsame Themen zu diskutieren. Etwa über Kindererziehung, interreligiöse Eheschließungen, die Rolle der Frau in der Bibel und im Koran, aber auch politische Themen, betonte Nigar Yardim, die ebenfalls zur deutschen VEM-Delegation gehört. Die Muslimin ist studierte Theologin und hat in den vergangenen Jahren in einer Moschee in Duisburg gearbeitet. Jetzt kümmert sie sich um unbegleitete Flüchtlinge. Achtmal im Jahr kommen rund 30 Hausfrauen, Lehrerinnen, Rentnerinnen - verheiratet oder Single - freitags zum christlich-muslimischen Frauenfrühstück. Sie alle kommen, um mehr über das Christentum und den Islam zu erfahren. Und das seit fast 15 Jahren, sagte Katrin Meinhard. „Wir veranstalten hier keinen Wettbewerb darüber, welche Religion die bessere ist. Wir engagieren uns für ein friedliches interreligiöses Zusammenleben in unserer Stadt und möchten uns aktiv daran beteiligen.“ - „Wir sind so erfolgreich, weil wir ein interreligiöses Team aus Pädagoginnen und Theologinnen sind,“ sagte Nigar Yardim.

In verschiedenen Workshops diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Samstag über Themen wie interreligiöses Zusammenleben, Menschen mit Behinderungen, Familie und LGBT (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Queens) und wie die GKJW damit umgeht. Die Ergebnisse der Workshops werden nach der Vollversammlung in den einzelnen Kirchengemeinden implementiert.

Am Sonntag ging die dreitägige Frauen-Vollversammlung am Vormittag mit einem Gottesdienst zu Ende.

Es sei die fünfte und letzte Frauen-Vollversammlung der GKJW gewesen, sagte der Generalsekretär der GKJW, Budi Cahyono, abschließend. Die Zeit sei reif für eine Vollversammlung für Frauen und Männer.

Die GKJW ist eine Mitgliedskirche der VEM. Die Kirche wurde 1814 gegründet und ist seit 1931 selbstständig.

Brunhild von Local

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