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18.06.2019

Kairos für die Schöpfung

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz auf dem Heiligen Berg in Wuppertal (Foto: VEM)

Teil des Problems oder Teil der Lösung? Welche Rolle spielen die Kirchen bei der ökologischen Krise? Welche Antworten haben unterschiedliche Ansätze der ökologischen Theologie in den verschiedenen Kontexten hervorgebracht? Was können Kirchen im schöpfungstheologischen Dialog voneinander lernen, was kann das ökumenische Gespräch vom Dialog mit moderner Wissenschaft lernen? Wie können Kirchen den internationalen Diskurs über Nachhaltigkeit in den UN und auf der politischen Ebene kritisch begleiten und für sich als Herausforderung nutzen? Gemeinsam war die Überzeugung: Je mehr die internationale Zusammenarbeit zwischen den Staaten zerbröckelt, desto mehr ist gleichzeitig eine gemeinsame Haltung der Kirchen gefordert. Das immer kleiner werdende Zeitfenster für dringend erforderliche Maßnahmen der Umsteuerung im Blick auf eine Reduktion von Co2-Emissionen und der Erhaltung der Biodiversität verlangt eine stärkere theologische Auseinandersetzung und eine verstärkte und international sowie ökumenisch verknüpfte Lobbyarbeit der Kirchen.

Diesen Fragen war eine internationale Konferenz gewidmet, die unter dem Titel „Öko-Theologie und Ethik der Nachhaltigkeit“ vom 16. bis 19. Juni 2019 in Wuppertal stattfand. Über 50 Theologen und Theologinnen und Fachleute aus 22 Ländern, fast allen Kontinenten und den verschiedensten Konfessionen und Religionen kamen zusammen, um ihre Ansätze zu präsentieren und Erfahrungen auszutauschen.

Fragen der Ökologie und Nachhaltigkeit beschäftigen die Kirchen seit vielen Jahren. Bereits 1983 hatte die Vollversammlung des Weltrats der Kirchen in Vancouver (Kanada) dazu aufgerufen, gemeinsam für den Frieden und gegen die Gefährdung des Überlebens einzustehen. So entstand der „konziliare Prozess gegenseitiger Verpflichtung auf Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“. Regierungen sind heute mehr denn je auf den kritischen, ethisch orientierenden Beitrag der Kirchen angewiesen, um größere Handlungsspielräume für erforderliche politische Transformationsprozesse zu mehr Nachhaltigkeit in der Gesellschaft mehrheitsfähig zu bekommen, so Prof. Uwe Schneidewind. Die Kirchen selbst wiederum brauchen einen Prozess kritischer ökologischer Reformation, um glaubwürdiger in den politischen Prozessen als Akteure für ökologische Nachhaltigkeit auftreten zu können, so die komplementäre Gegenthese von Prof. Ernst Conradie, Südafrika.

Die internationale Konferenz in Wuppertal formulierte einen „Wuppertaler Aufruf“, die kommende Vollversammlung des ÖRK möge eine ökumenische Dekade zum Thema „Transformation towards Ecological Sustainability – Kairos for Creation“ bis 2030 ausrufen, um Kirchen, Regierungen und Bevölkerungen dazu zu befähigen, die dringend not-wendige Wende zu einem Lebens- und Wirtschaftsmodell einzuleiten, welches die sozialen Bedürfnisse aller Menschen der gegenwärtigen wie der künftigen befriedigt und gleichzeitig die ökologischen Grenzen nicht überschreitet. Die Kirchen müssen dazu – so der Wuppertaler Aufruf – ihren eigenen Beitrag leisten, indem sie dem Thema Ökologie und Nachhaltigkeit in ihrer spirituellen Praxis, ihrer theologischen Ausbildung und ihrer ethischen Praxis weit mehr Priorität zukommen lassen müssen als bisher.

Jochen Motte, Leiter der Abteilung für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung bei der Vereinten Evangelischen Mission, begrüßt die Botschaft der Konferenz: „Dieser Wuppertaler Aufruf von 55 Personen aus Asien, Afrika, Latein- und Nordamerika, Europa und dem Pazifik wird das Engagement der VEM und ihrer Mitglieder für Klimagerechtigkeit und Umweltschutz stärken." Nach Andar Parlindungan, Leiter der VEM-Abteilung Training und Empowerment, sind die Empfehlungen der Konferenz „auch eine Anregung, um theologische Studien in der Öko-Theologie zu unterstützen und Forschung und Stipendien in diesem Bereich zu fördern“.

Die Konferenz im Tagungszentrum „Auf dem Heiligen Berg“ in Wuppertal wurde gemeinsam veranstaltet vom Weltrat der Kirchen (ÖRK), der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), dem Evangelischen Missionswerk in Deutschland (EMW), der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) und Brot für die Welt.

Thomas Sandner

Ansprechpartner:
Dr. Jochen Motte, Vereinte Evangelische Mission, Telefon + 49 (0)202 890 04-168
Dr. Dietrich Werner, Brot für die Welt, Telefon +49 (0)30 65211-1842

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