Artikel Details

24.05.2011

Kein Frieden ohne Gerechtigkeit

Dr. Theodor Rathgeber hat den Workshop modertiert.

In einem Workshop zum Thema Gewalt unter den Menschen und Völkern, der am 23. Mai 2011 in Kingston, Jamaika, auf der Internationalen Friedenskonvokation des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) stattfand (17.-24.05), berichteten Mitglieder aus VEM-Mitgliedskirchen über unterschiedliche Formen von Gewalt und Straflosigkeit. Der Workshop war mit rund 50 Teilnehmenden gut besucht, und die Teilnehmenden aus allen Regionen der Erde zeigten hohes Interesse am Thema. Der Workshop wurde moderiert von Dr. Theodor Rathgeber, Menschenrechtsexperte und Berater der VEM.

Dr. Jochen Motte, Vorstandsmitglied der VEM, wies in seiner Einführung in die Advocacy-Arbeit der VEM darauf hin, dass durch internationale Interventionen wie Eilbriefe oder politische Lobbyarbeit, Menschenrechtsverteidiger in Krisenregionen geschützt und gestärkt werden können. Kirchen sind durch ihre lokale wie globale Vernetzung in der Lage unmittelbar auf Menschenrechtsverletzungen zu reagieren. Das Eintreten für bedrohte Menschen ist Teil des missionarischen Selbstverständnisses der VEM und ihrer Mitgliedskirchen, die dich gegenseitig unterstützen insbesondere in Situation von Krieg und Gewalt.

Father Rex Reyes, der den Philippinischen Nationalen Kirchenrat auf der Friedenskonvokation in Jamaika vertritt, berichtete über eine Reihe von Initiativen der Kirchen in den Philippinen zur Beendigung der politischen Morde in seinem Land. Gemeinsam mit den ökumenischen Partnern in aller Welt wurden Berichte an den Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen gesandt und Initiativen von ökumenischen Partnern über ihre Regierungen angestoßen, um Druck auf die Philippinische Regierung zur Beendigung der Morde und der Straflosigkeit auszuüben. Father Rex Reyes rief die Ökumenische Gemeinschaft und die VEM dazu auf, in den Philippinen auch weiter aktiv die Arbeit der Kirchen für Menschenrechte zu unterstützen.

Gomar Gultom, Generalsekretär des Indonesischen Kirchenrates, berichtete aus dem indonesischen Kontext. Während die Regierung in den vergangenen Jahren eine Vielzahl internationaler Menschenrechtsverträge und Konventionen unterzeichnet und ratifiziert hat, tat sie wenig oder nichts für Aufklärung und Verurteilung schwerer Menschenrechtsverletzungen wie zum Beispiel in West Papua. So werden  insbesondere die Rädelsführer politisch motivierter Verbrechen oft strafrechtlich nicht verfolgt oder nicht verurteilt, während allenfalls die Handlanger dieser Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden. In Indonesien, so die Schlussfolgerung von Gomar Gultom, herrscht ein generelles Klima der Straflosigkeit. Kirchen setzen sich in dieser Situation für die Rechte der Opfer ein und fordern ein Ende der Straflosigkeit.

Nach Ansicht von Pfarrer Joachim Mukambu aus der Protestantischen Kirche in der Demokratischen Republik Kongo ECC ist der Kongo ein extrem reiches Land mit vielen Rohstoffen wie zum Beispiel Coltan. Aber seine Bewohner leben in extremer Armut. Dieses Zusammentreffen von Reichtum und Armut gebiert ständig Gewalt. Mehr als drei Millionen Menschen starben im Krieg zwischen 1998 und 2001. Seit dieser Zeit beschäftigen sich die Menschen mit der Frage, wie Straflosigkeit beendet werden kann. Mugambu forderte den Ökumenischen Rat der Kirchen auf, zur Beendigung sexueller Gewalt im Kongo beizutragen und diese Verbrechen international zu verurteilen.

Barbara Rudolph, Delegierte der Evangelischen Kirche im Rheinland und verantwortlich für die Ökumenearbeit ihrer Kirche, berichtete über die schwierigen Erfahrungen im Umgang mit Verbrechen in der Zeit des Nationalsozialismus und wie lange die Aufarbeitung und Verfolgung der Täter dauerte. Die juristische Aufarbeitung dauert bis heute an wie der Fall Demjanjunk zeigt. Sie ist aber auch heute noch wichtig, wie die Reaktion der Opferfamilien nachdrücklich zeigt.

Lorenst Kuzatjike, der zurzeit in der Evangelischen Kirche im Rheinland arbeitet und Pfarrer der Evangelischen Lutherischen Kirche in der Republik Namibia ist, ging auf den Versöhnungsprozess in Namibia ein und sagte, dass Gerechtigkeit eine Grundvoraussetzung aus Sicht der Opfer ist, damit Wunden heilen können. Die Kirche spielte eine besondere Rolle in der Verurteilung der Gewalt und als Anwältin derjenigen, die nicht sprechen durften.

Die Teilnehmenden des Workshop riefen die Delegierten der Internationalen Friedenskonvokation des ÖRK in Kingston / Jamaika dazu auf, sich verstärkt für die Rechte von Opfern von Gewalt einzusetzen, besonders für den Schutz von Menschenrechtsverteidigern und Minderheiten. Kirchen haben die Aufgabe Fürsprecher und Anwälte derer zu sein, die keine Stimme haben oder mundtot gemacht werden und die Opfer schwerer Menschenrechtsverbrechen geworden sind. Die Teilnehmenden riefen insbesondere dazu auf, die Gewalt gegen Frauen in Ghana und der Demokratischen Republik Kongo dem ÖRK als zukünftig wichtiges Thema vorzuschlagen.

Die VEM unterstützt ihre Mitgliedskirchen im Eintreten für Opfer von Gewalt durch Pastorale Besuche, Trainings- und Ausbildungsprogramme, Finanzierung von Menschenrechts- und Friedensprojekten und durch anwaltschaftliche Arbeit gegenüber politischen Entscheidungsträgern auf der Ebene von Parlament und Regierung, Europäischer Union und den Vereinten Nationen. In Netzwerken mit anderen kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen geschieht dies insbesondere zu West Papua, zu der Region der Großen Seen, zu den Philippinen und zu Sri Lanka aber auch zu Querschnittsthemen wie Klima und Menschenrechte.

Die VEM führt das Prüfsiegel für den verantwortlichen Umgang mit Spendengeldern und deren satzungsgemäße Verwendung.

Social Media

VEM bei Facebook

Spenden

Zentrales Spendenkonto
IBAN: DE45 3506 0190 0009 0909 08
SWIFT/BIC: GENODED1DKD
Online Spenden

VEM-Newsletter

Immer auf dem aktuellen Stand. Regelmäßig neue Infos, Hintergründe, Materialien.
Newsletter abonnieren
Newsletter Archiv

Social Media