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29.01.2019

VEM-Seminar: Menschenrechte in der Textilindustrie

Sie diskutierten u. a. auch darüber, wie Kirche und Diakonie ihre Möglichkeiten der ökofairen Textilbeschaffung wahrnehmen können; v.l.: Dr. Sabine Ferenschild (Südwind), Christiane Schnura (CCC) und Dr. Jochen Motte (VEM-Vorstand); Foto: Ramona Hedtmann / VEM

Im Rahmen ihrer aktuellen Kampagne „Menschenrechte in der Textilindustrie“ lud die Vereinte Evangelische Mission am 28. Januar 2019 zu einem Seminar nach Wuppertal ein. Auf zwei Podien wurden die aktuellen Herausforderungen in der textilen Wertschöpfungskette sowie die Möglichkeiten ökofairer Textilbeschaffung in Kirche und Diakonie diskutiert.

Dr. Sabine Ferenschild vom Institut Südwind machte am Beispiel der Lohnhöhe für Näherinnen in Indonesien deutlich, dass der Abstand zur Zahlung existenzsichernder Löhne noch sehr weit ist. Hier hätten auch die Auftraggeber eine Mitverantwortung, die Lieferzeiten und Preise diktieren könnten. Nico Kemmler von der Firma Seidensticker erläuterte Selbstverständnis und Praxis seines Unternehmens im Blick auf Nachhaltigkeit und kündigte an, dass in den firmeneigenen Produktionsstätten bis Ende des Jahres existenzsichernde Löhne gezahlt würden.

Christina Fedato vom Centre on Sustainable Consumption and Production (CSCP) erläuterte, das „gutes Leben“ sowohl verantwortliches Unternehmertum bedeutet als auch die Überprüfung eigener Gewohnheiten und Verhaltensweisen. Sie bezeichnete die textile Wertschöpfungskette als ein „kaputtes System“, das durch soziale Ungerechtigkeit, niedrige Arbeitslöhne, Gesundheitsprobleme und Umweltzerstörung gekennzeichnet sei.

Christiane Schnura stellte die „Kampagne für Saubere Kleidung“ (Clean Clothes Campaign, CCC) vor. Neben der Bildungsarbeit hob die Koordinatorin der CCC besonders die „Eilaktionen“ hervor, mit denen schnell auf Arbeitsrechtsverletzungen reagiert werden kann. So werden beispielsweise Entschädigungszahlungen für Opfer eingefordert und Druck auf Unternehmen ausgeübt, damit sie ihren Einfluss nutzen, ökologisch und sozial „saubere“ Arbeitsplätze zu schaffen.

Neben Tagungsstätten sind die diakonischen Einrichtungen der Kirche Großverbraucher von Textilien. Hier geht es um „Flachwäsche“, das heißt um Bettwäsche und Handtücher, aber auch um Arbeitskleidung in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen. Dietrich Weinbrenner, Beauftragter für nachhaltige Textilien der VEM und der Evangelischen Kirche von Westfalen, erläuterte Erfolge und Schwierigkeiten seiner bisher zweijährigen Arbeit in diesem Bereich. Kirche und Diakonie hätten bisher dieses Thema noch nicht gesehen, machten aber deutlich, dass die Beschaffung von ökofairen Textilien ihrem Selbstverständnis und ihrem Auftrag zur Schöpfungsbewahrung entspricht. Einrichtungen wie die Diakonie Mark-Ruhr setzten seit Anfang des Jahres bei Neuanschaffungen auf ökofaire Produkte.

Wie diese Umstellung der Textilbeschaffung schrittweise möglich ist, zeigte überzeugend Gerhard Bröker vom Diakonischen Werk des Kirchenkreises Recklinghausen. Er fragt: „Wie können wir selbst mit unserem Handeln zu einer gerechten Weltordnung beitragen und die Erde für die nächsten Generationen bewahren?“ Und er beantwortet diese Frage mit der Beschreibung konkreter Schritte. So wurde bereits ökofaire Arbeitskleidung für den Garten- und Landschaftsbau angeschafft, weitere Bereiche in der Holz- und Metallverarbeitung sowie in Hauswirtschaft und Pflege sollen folgen.

Mit der Firma Bierbaum-Proenen stellte sich ein Unternehmen vor, das Mitglied in der Fair Wear Foundation ist und beim Fair Trade Cotton Programm mitarbeitet. Hier ist Arbeitskleidung für den Pflegebereich im Angebot. Vanessa von Dahlen stellte das entsprechende Konzept ihres Unternehmens vor.

In Arbeitsgruppen wurde darüber nachgedacht, wie Kirche und Diakonie ihre Möglichkeiten der ökofairen Textilbeschaffung wahrnehmen können. Sie haben als Großverbraucher eine nicht geringe Kundenmacht, können ihre gewünschten Standards einfordern und so auch den Markt in Richtung auf mehr Nachhaltigkeit beeinflussen. Eine Möglichkeit, im eigenen Bereich an einem konkreten ethischen Punkt Verantwortung zu übernehmen.

VEM-Online-Redaktion

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