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Ernstfall Solidarität – Ökumene in polarisierten Zeiten

Das Vorbereitungsteam des Fachtags v.l.: Claudia Latzel-Binder (Oikos-Institut), Ipyana Mwamugobole (EMW), Marie-Anne Halim (VEM), Annika Huneke (Oikos-Institut), Claudio Gnypek (VEM). Foto: Martina Pauly (VEM)

Internationale Ökumene bedeutet mehr als gemeinsame Gottesdienste und theologischer Austausch. In Zeiten politischer Polarisierung, gesellschaftlicher Fragmentierung und globaler Krisen wird Solidarität zum Ernstfall – zu einer Haltung, die Mut, Urteilsvermögen und Ausdauer erfordert. Über dieses Thema sprachen am 26. und 27. März 2026 Fachleute und Engagierte beim ,Fachforum Internationale Ökumene‘ der VEM, das unter der Überschrift „Ernstfall Solidarität: Ökumene in polarisierten Zeiten zwischen Anspruch, Grenze und Verantwortung“ im Tagungszentrum Auf dem Heiligen Berg in Wuppertal stattfand. 

Fachvortrag von Ipyana Mwamugobole

Inhaltlicher Höhepunkt des Fachtags bildete der Vortrag von Pfr. Dr. Ipyana Mwamugobole, theologischer Referent bei der Evangelischen Mission Weltweit (EMW). Für ihn war die Tagung zugleich eine Rückkehr: Von 2012 bis 2018 hatte Mwamugobole als Studienleiter bei der VEM am gleichen Ort gearbeitet und die ökumenische Arbeit der internationalen Gemeinschaft von innen kennengelernt. In seinem Vortrag beleuchtete er das Spannungsfeld zwischen ökumenischem Anspruch und gelebter Praxis und plädierte eindringlich dafür, an Partnerschaften auch in schwierigen Zeiten festzuhalten. „Ich wünsche mir, dass wir Partnerschaften und Beziehungen nicht so schnell aufgeben, sondern mit Liebe, Wahrheit und Geduld voneinander hören und lernen“, so Mwamugobole. „Trotz aller Herausforderungen haben wir voneinander gelernt und Solidarität erfahren. Ich bin ein Produkt davon.“

Was meinen wir mit „Ernstfall Solidarität“?

Der Begriff beschreibt Situationen, in denen routinemäßiges Vorgehen nicht ausreicht. Wenn Kirchen angesichts von Naturkatastrophen, politischer Repression oder sozialem Extremismus handeln müssen, zeigt sich, wie tragfähig ökumenische Beziehungen wirklich sind. Dann reicht es nicht, Einigkeit zu bekunden, dann muss gehandelt werden.

Was die Geschichte lehrt

Ein Blick zurück zeigt: Polarisierung innerhalb der Ökumene ist kein neues Phänomen. Schon immer mussten Kirchen in schwierigen Kontexten entscheiden, wie weit Solidarität trägt und wo sie an Grenzen stößt.

In der NS-Zeit arbeiteten Protestanten und Katholiken zusammen, um Verfolgte zu schützen und konfessionelle Grenzen zu überwinden. In der Nachkriegszeit förderten Kirchen Frieden und Verständigung zwischen ehemals verfeindeten Nationen. Während des Kalten Krieges hielten sie Verbindungen über den Eisernen Vorhang aufrecht. In Südafrika vereinten sie sich im Widerstand gegen die Apartheid. In Ruanda arbeiteten sie nach dem Genozid gemeinsam am Wiederaufbau von Gemeinschaften. Und in Afrika kooperieren Kirchen bis heute konfessionsübergreifend im Kampf gegen Armut und Krankheiten wie HIV/AIDS.

Was diese Beispiele verbindet: Solidarität gelang dort, wo gemeinsame Glaubensgrundlagen stark genug waren, um Unterschiede zu überbrücken und wo Kirchen bereit waren, praktisch zu handeln, statt nur zu reden.

Ökumene heute: Neue Partner, neue Spannungen

Die Herausforderungen der Gegenwart sind komplexer geworden. Ökumenische Partnerschaften umfassen heute Akteure mit sehr unterschiedlichen theologischen, politischen und ethischen Positionen – von evangelikalen Organisationen über Kirchen in autoritären Regimen bis hin zu Gemeinschaften in politisch sensiblen Konfliktregionen wie dem Nahen Osten.

Wie geht man mit Partnern um, deren Haltungen man nicht teilt? Die Antwort liegt nicht im schnellen Abbruch von Beziehungen, sondern in einer differenzierten Haltung: praktische Solidarität, ohne die eigenen Kernwerte zu kompromittieren. Respektvoller Dialog über Unterschiede. Und ein klarer Blick darauf, was das gemeinsame Zeugnis trägt und was es gefährdet.

Dabei bleibt eine Frage zentral: Was unterscheidet ökumenische Netzwerke von anderen Interessengemeinschaften? Die Antwort liegt im Bekenntnis zu den Menschenrechten als unverzichtbarem Maßstab jeder Partnerschaft.

Grenzen der Geduld

Solidarität bedeutet nicht, alles zu dulden. Es gibt Grenzen – dort, wo Krieg, Menschenfeindlichkeit oder systematische Unterdrückung im Spiel sind. Manchmal ist es solidarisch, eine Partnerschaft zu beenden. Manchmal braucht es andere Instrumente als Dialog, wenn eine Seite eindeutig als Täter identifiziert werden kann.

Gleichzeitig gilt: Man sollte nicht zu schnell aufgeben. Denn gerade von denen, die anders denken und handeln, lässt sich oft am meisten lernen. Die Tagung machte deutlich, dass es keine einfachen Antworten gibt: Manchmal braucht es den geduldigen, beziehungsorientierten Weg und manchmal den klaren, konsequenten. Die entscheidende Frage ist, wann welcher Weg der richtige ist.

Begegnung als Voraussetzung

Einig waren sich die Teilnehmenden darin, dass Solidarität nicht abstrakt entsteht – sie braucht Begegnung. Persönliche Beziehungen, gemeinsame Erfahrungen und echter Austausch sind die Grundlage, auf der ökumenisches Handeln wächst. Das gilt umso mehr in einer Zeit, in der Konflikte und Solidarität zunehmend im digitalen Raum ausgetragen werden und persönliche Begegnungen seltener werden.

Auch strukturelle Fragen dürfen dabei nicht ausgeblendet werden: Solange Partnerschaften primär durch finanzielle Abhängigkeiten geprägt sind, bleibt echte Gleichwertigkeit schwer erreichbar. Ökumene muss offener werden – für andere Stimmen, andere Erfahrungen, andere Lebenswirklichkeiten.

Fazit

Wahre ökumenische Solidarität erfordert Mut, Urteilsvermögen und die Bereitschaft, trotz Differenzen treu zu handeln. Das Fachforum in Wuppertal hat gezeigt: Die Fragen, die die Ökumene heute bewegen, sind keine neuen, aber sie stellen sich in einer polarisierten Welt mit neuer Dringlichkeit. Die Geschichte zeigt, dass Kirchen in den schwierigsten Zeiten zusammengefunden haben. Das ist ein belastbares Fundament für die Gegenwart.

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