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Heilung beginnt vor Ort

Die Workshopteilnehmenden aus den Mitgliedskirchen der VEM in der Region Asien, Foto: VEM

Gemeinsam erproben sie Ansätze der Trauma-Heilung, die auf Bewegung und Wahrnehmung setzen. Foto: VEM

„Wir wollen, dass Menschen in den Gemeinschaften in Krisen handlungsfähig sind. Daher bilden wir Multiplikator*nnen aus, die ihr Wissen als Trainer*innen in ihren Kirchen weitergeben“, sagt Godwin Ampony.

Der Leiter der Abteilung Internationale Diakonie der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) beschreibt damit das Ziel eines einjährigen Zertifikatskurses zur Trauma-Heilung, den die VEM gemeinsam mit der Universität Duta Wacana (UKDW) in Yogyakarta, Indonesien, ins Leben gerufen hat. An dem Programm nehmen 17 Pfarrer*innen, Diakoninnen und psychologische Fachkräfte aus asiatischen VEM-Mitgliedskirchen teil – darunter aus Sri Lanka, den Philippinen und Indonesien.

Zweiter Kurs nach erfolgreichem Pilotprojekt in Afrika

 

Bereits in den Jahren 2023 bis 2024 hatte die VEM gemeinsam mit Partnerorganisationen in Ruanda einen vergleichbaren Kurs in der Region Afrika durchgeführt. Die Erfahrungen aus diesem ersten Durchgang flossen in die Konzeption des aktuellen Programms ein. Der Lehrplan wurde bewusst kontextuell angepasst, um den spezifischen Herausforderungen in Indonesien und weiteren asiatischen Ländern gerecht zu werden.

Während Kirchen in vielen afrikanischen Regionen Traumata vor allem im Zusammenhang mit Konflikten und Kriegen benennen, stehen in Asien häufig Naturkatastrophen im Vordergrund – etwa Vulkanausbrüche, Erdbeben, Tsunamis oder Wirbelstürme. Gleichzeitig gibt es traumatische Erfahrungen, die beide Kontexte verbinden: häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt, der Verlust nahestehender Menschen, Tod oder Arbeitslosigkeit.

„Das hier ist wirklich ein Thema, wo Du zuerst selbst heilen musst, auf Deiner Reise, Menschen zu begleiten“, sagt Ampony. Er betont erneut den Ansatz des Programms:
„Wir bilden Menschen in den lokalen Gemeinschaften aus, die reagieren können. Es geht quasi darum, Resilienz aufzubauen. Wir wollen Gemeinschaften nach einem Tsunami, einem Wirbelsturm ermutigen, zurück ins Leben kommen zu können, und ihr Leben normal fortzusetzen.“

Ganzheitliche Unterstützung als kirchlicher Auftrag

 

Um diese Ziele zu erreichen, haben Mitarbeitende der VEM und der Universität Duta Wacana einen anspruchsvollen Lehrplan entwickelt. Er verbindet wissenschaftliche Grundlagen aus Traumatologie, Psychiatrie und Psychologie mit psychosozialer Begleitung, traumasensibler Seelsorge und theologischer Reflexion.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf den Praktischen Ansätzen: Hier lernen die Teilnehmenden, wie der Körper und seine Sinne in Heilungsprozesse einbezogen werden können, um traumatische Erfahrungen zu verarbeiten.

Für Ampony sind diese Kompetenzen zentral für den Dienst der Kirchen:
„Wir wollen auf eine ganzheitliche Antwort hinaus. Es geht nicht nur darum, Spenden zu mobilisieren. Finanzielle Unterstützung ist wichtig. Es geht nicht nur darum, Zelte aufzubauen. Zelte sind wichtig. Aber die Menschen vor Ort müssen auch in der Lage sein, Betroffenen in den jeweiligen Gemeinden, in den jeweiligen Kirchen, psychosoziale Unterstützung anzubieten, die darüber hinaus geht.“

Im Verlauf des Programms kommen die Teilnehmenden zu mehreren Präsenzphasen zusammen. Zwischen diesen Modulen wenden sie ihr Wissen in begleiteten Praktika an. Nach Abschluss des Kurses werden sie selbst als Multiplikator*innen in ihren Kirchen tätig – mit dem Ziel, die psychosoziale und seelsorgliche Kompetenz in den Gemeinden nachhaltig zu stärken.

 

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