Am 7. Januar 2014 begann die dritte Studienphase des zweiten internationalen Masterkurses Diaconic Management in Manila, Philippinen. Das Kursprogramm begann mit einer Feldforschungsphase in verschiedenen diakonischen Einrichtungen der United Church of Christ in the Philippines (UCCP) in Manila. Es wird zurzeit an der Silliman University in Dumaguete-City mit einer dreiwöchigen Phase von Vorlesungen und Seminaren fortgesetzt. Die 13 Studierenden – acht Frauen und fünf Männer aus Indonesien, Sri Lanka, Kamerun, Ruanda, Kongo (DRC), Tansania, Südafrika und Namibia – beschäftigen sich in den Vorlesungen mit Theologie und Ökonomie in Südostasien, der sozialen Situation der Philippinen und mit Leadership und Management in Kirche und Diakonie, zum Beispiel im Umgang mit extremer Armut. Einen Schwerpunkt bildet die Frage, wie Leitungshandeln konkret gestaltet wird, welche Einstellungen es beeinflussen und welche Kompetenzen dafür benötigt werden. In einem zweiten Feldforschungsteil werden die Studierenden zwei Tage lang Leiter diakonischer Einrichtungen in Krankenhäusern, Kooperativen oder Gefängnissen in ihrer Arbeit begleiten und ihre Tätigkeiten beobachten, der Praxisteil von „How Does a Leader Lead?“.
Der Kurs ist interdisziplinär angelegt. Die Vorlesungen und Seminare werden von Professoren und Professorinnen der Divinity School und der School of Public Administration and Governance (SPAG) gehalten. Den Anfang machten der Alttestamentler Dr. Noriel Capulong und die Spezialistin für Asiatische und Feministische Theologie, Dr. Muriel Montenegro. Sie führten in die philippinische „Theology of Struggle“ ein – eine Befreiungstheologie, die ihren Ausgang im Kampf der Armen und Unterdrückten nimmt.
„Diese Vorlesungen sprechen meinen Kopf und mein Herz an“, kommentierte Joyce Kibanga, Teilnehmerin des Kurses aus Tansania. „Nach den Begegnungen der letzten Woche mit den Frauen, die zur Prostitution gezwungen sind und den Menschen, die auf den Müllbergen Manilas leben, wusste ich nicht mehr, wie ein Pastor oder eine Pastorin hier überhaupt predigen kann. Aber dieser theologische Ansatz, der das Leiden der Menschen und seine strukturellen Ursachen benennt und sich um ihre konkreten Belange kümmert, ist wie eine Antwort auf meine Fragen aus Manila.“
In den kommenden Tagen und Wochen wird der Blick sich weiter öffnen: Mit Hilfe von Experten aus den Bereichen Ökonomie und Leadership werden die Studierenden konkrete Bereiche diakonischer Leitung verfolgen, zum Beispiel Corporate Governance, Stratgic Planning oder Culturally Sensitive Management. Die Integration von Organisation, Leitung und theologischem Durchdenken ist eines der Ziele des Kurses. So diskutierten die Studierenden miteinander, ob die Idee einer Kirche des Kampfes für die Ärmsten überhaupt mit der Struktur einer großen Institution vereinbar ist. Diese Fragen sind von direkter Bedeutung für die eigene berufliche Arbeit der Studierenden: Sie alle sollen nach Beendigung des Kurses selber Leitungspositionen in der Diakonie ihrer Kirchen annehmen.
Interdisziplinäres Lernen ist auch das Thema verschiedener Gespräche mit der Leitung der Silliman University. Bei einem Empfang für den internationalen Masterkurs forderte der Direktor des Masterkurses, Prof. Dr. Martin Büscher, IDM Bielefeld, dazu auf, die traditionellen – in europäischer Tradition geprägten – Grenzen zwischen den Fachdisziplinen zu öffnen. Dr. Ben Malayang, Präsident der Silliman University, regte dazu an, die Rolle christlicher Hochschulen in der Entwicklung interdisziplinären Forschens deutlich zu machen und Studienprogramme, die mehrere Fachgebiete integrieren, zu entwickeln. VEM, IDM und Silliman University haben weitere Gespräche verabredet, um gemeinsam entsprechende Master- und PhD-Konzepte zu vertiefen.
Es ist das erste Mal, dass der ganze Kurs komplett ist. In vorherigen Studienabschnitten in Deutschland und Südafrika waren verschiedenen Studierenden die Einreisevisa verweigert worden. Für sie waren daher in den Phasen zwischen den Studienabschnitten Sonderprogramme bei Kommilitonen in Nachbarländern organisiert worden, so dass sie sich dennoch mit den Lehrinhalten hatten befassen und Hausarbeiten hatten anfertigen können. Groß war daher die Freude, als am Montag vergangener Woche in Manila tatsächlich die ganze Gruppe zusammenkam.