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"Gott vergißt kein Leid..."

Kranzniederlegung am Genocide Memorial in Kigali, Ruanda, um den Opfern des Völkermords zu gedenken; Foto: Sabine Schneider / VEM

"Gott vergißt kein Leid, nicht einmal verborgenes Leid.“ Mit diesen Worten aus Psalm 55 teilte Sylvia Bukowski am 6. April eine bewegende Andacht mit vielen Ruandern. Die Pfarrerin im Ruhestand der Evangelischen Kirche im Rheinland kennt Ruanda sehr gut. Sie hat in der Vergangenheit als Dozentin viele Vorträge an der Protestantischen Universität von Ruanda gehalten. Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) denkt in diesen Tagen an die ruandische Gemeinschaft in ihren Gedanken und Gebeten. Am 7. April beginnt eine dreimonatige Gedenkfeier.

 

Aufgrund des Coronavirus gibt es in Ruanda – wie in vielen anderen Ländern auch – ein striktes Verbot von Treffen.  Es wird keine tröstlichen Umarmungen mit Freunden geben, keine Familientreffen, bei denen sich die Menschen gegenseitig stärken können. Viele werden in diesem Jahr besonders stark ihren Erinnerungen ausgesetzt sein. Sylvia Bukowski erinnert die VEM-Freunde: „Es ist daher wichtig, dass wir nicht vergessen, unseren ruandischen Freunden aus purer Sorge um die Auswirkungen der Corona-Pandemie zu zeigen: Auch in diesem Jahr sind wir in Erinnerung und Gebet mit ihnen verbunden.“

 

Die VEM und deutsche kirchliche Partnerschaftsgruppen unterstützen die Presbyterianische und vier Diözesen der Anglikanischen Kirche in Ruanda beim Wiederaufbau des Landes durch Nothilfe, Ausbildung von kirchlichen Mitarbeitern im In- und Ausland und Leitern der Jugend- und Frauenarbeit, Durchführung von Agrar- und Umweltprojekten, den Schutz der Menschenrechte und Verbesserung der Gesundheitsprogramme. Die VEM hat zurzeit drei Mitarbeiter in Ruanda und begleitet regelmäßig Kurzzeiteinsätze im Land. Mehrere von den Kirchen ausgewählte kommunale Sozial- und Entwicklungsprojekte werden ebenfalls von der VEM unterstützt.

 

Von April bis Juli wird in jedem Jahr 100 Tage lang an die Opfer des Völkermords gedacht. Viele Ruander und ihre Freunde weltweit haben den Horror selbst erlebt. Und 26 Jahre später leiden die Menschen immer noch an den tiefen Wunden und Erinnerungen. Es fließen immer noch viele Tränen.

 

Die Nationale Kommission gegen den Völkermord (CNLG) hat den wöchentlichen Gedenkplan veröffentlicht. Da die Fälle von Corona-Infektionen täglich zunehmen, wird der 26. Jahrestag anders organisiert. In der herausfordernden Zeit der strengen Einhaltung der Regeln zur Bekämpfung des Coronavirus werden sich die ruandische Gemeinschaft und Freunde weltweit zusammenschließen, um die 26. Gedenkzeremonie durchzuführen. Große Versammlungen werden nicht wie üblich möglich sein, aber während des wöchentlichen Programms sind jeden Tag Höhepunkte geplant, die in der New Times vom 29. März 2020 veröffentlicht wurden. Laut Dr. Jean-Damascène Bizimana, dem Generalsekretär der CNLG, sieht der Kwibuka-26-Wochenplan „Remembering26“ Folgendes vor:

 

7. April: An der Kigali-Gedenkstätte werden die Menschen den dort begrabenen Toten Tribut zollen. Es wird die Flamme der Hoffnung entzündet, eine Schweigeminute wird eingehalten, gefolgt von einer allgemeinen Ansprache des Ehrengastes, höchstwahrscheinlich Präsident Paul Kagame.

 

8. April: Laut Statistik sind 70 Prozent der Bevölkerung Ruandas Jugendliche. Schwerpunkt des Tages wird der Austausch über die Rolle der Jugend bei der Bekämpfung der Ideologie der Völkermordleugnung sein.

 

9. April: Hauptaugenmerk wird auf die Reise der Überlebenden gelegt. Der Dachverband der Überlebenden-Organisationen, IBUKA, wird das Gespräch mit den Organisationen aus verschiedenen Teilen der Welt moderieren.

 

10. April: Tiefer Einblick in die Rolle der Medien bei der Bekämpfung des Völkermords. Die meisten Medienhäuser wie Radio Television Libre des Milles Collines (RTLM) und die Zeitschrift Kangura trugen zur Völkermordideologie bei. Es wird eine Analyse der Auswertungen auf die heutigen Medien geben und wie sie zur Einheit und Versöhnung der ruandischen Bürger beitragen können.

 

11. April: Die Rolle der Weltgemeinschaft bei „Nie-Wieder“-Kampagnen. Es gibt mehrere internationale Gremien und Regierungen, denen vorgeworfen wird, sie hätten dazu beigetragen oder nicht den Willen dazu gehabt, den Völkermord an den Tutsi von 1994 zu stoppen. Dieser Tag konzentriert sich auf die veröffentlichten Berichte über ihre Rolle und die Informationen, die diesen Gremien und Regierungen aus Ruanda vorlagen.

 

12. April:  2018 veröffentlichte das Gesundheitsministerium gemeinsam mit dem CNLG eine Studie, die besagt, dass 30 Prozent der Überlebenden immer noch an Traumata infolge des Genozids von 1994 an den Tutsi leiden. An diesem Tag wird sich die Diskussion mit der Trauma-Bewältigung befassen.

 

13. April: Am Stichtag der offiziellen Gedenkfeier werden nur wenige Beamte an einer Gedenkfeier für die Politiker teilnehmen, die während des Völkermords getötet wurden. Diese Veranstaltung wird in Rebero stattfinden, wo etwa 14.000 Völkermordopfer begraben sind.

 

Am Ende der Gedenkwoche werden die Teilnehmenden dazu aufgefordert, die Rolle der politischen Parteien mit Blick auf die Förderung der gesellschaftlichen Spaltung kritisch zu hinterfragen. Die Gespräche werden sich auch mit dem neuen politischen System der Einheit befassen und wie dieses dazu genutzt werden kann, um die soziale und wirtschaftliche Entwicklung im Land zu fördern.

 

Dr. John Wesley Kabango, Leiter der Abteilung Afrika der VEM

 

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