Am Pfingstmontag feierte die VEM einen internationalen Gottesdienst unter dem Motto „Spirit on Tour – Gottes Geist weltweit". Die Veranstaltung fand in der evangelischen CityKirche in Wuppertal statt und wurde von WDR5 und NDR Info live im Radio übertragen. Schätzungsweise 500.000 Hörer*innen erlebten einen kulturell vielfältigen und musikalisch lebendigen Gottesdienst, dessen theologische Tiefe zum Nachdenken anregte.
In seiner Predigt thematisierte der Generalsekretär der VEM, Pfarrer Andar Parlindungan, den Begriff Mission und seine heutige Wahrnehmung in Deutschland: „Viele denken sofort an Kolonialismus, an Gewalt, an kulturelle Überheblichkeit, an Rassismus. Und ja, Mission war nie perfekt. Es gab Schuld. Es gab Ausbeutung. Es gab Menschen, die andere Kulturen nicht respektiert haben. Darüber dürfen wir nicht schweigen." Gleichzeitig plädierte der indonesische Theologe dafür, auch die andere Perspektive zu hören – die vieler Christ*innen in Afrika und Asien: „Denn für viele von uns ist Mission nicht nur eine Geschichte von Unterdrückung, sondern auch eine Geschichte von Bildung, von Heilung, von Hoffnung, von Glauben."
Als persönliches Beispiel nannte er seine eigene Familiengeschichte: Bildungswege, die dank der Missionare frühzeitig möglich wurden und ohne die christliche Mission nicht offen gestanden hätten. Zugleich betonte er, dass afrikanische und asiatische Kulturen niemals als minderwertig betrachtet werden dürften: „Sie hatten Würde, Geschichte, Weisheit. Mission darf niemals bedeuten: Eine Kultur ist besser als die andere." Dennoch dürfe man die konkreten Erfahrungen vieler Menschen im globalen Süden nicht pauschal entwerten: „Viele Familien sagen ehrlich: Durch die Mission konnten wir lesen lernen, wir konnten zur Schule gehen, Krankenhäuser wurden gebaut. Menschen haben Würde erfahren. Frauen bekamen Bildungschancen. Gemeinden entstanden. Und vor allem: Menschen haben das Evangelium von Jesus Christus gehört."
Für Kirchen im Globalen Süden entstehe durch eine einseitig negative Sichtweise auf Mission eine schmerzhafte Frage, so Parlindungan: „Ist unsere Kirche heute überhaupt von Gott gewollt? Oder sind wir nur das Produkt kolonialer Fehler?" Seine Antwort: „Gott handelt auch durch unvollkommene Menschen. Auch die Jünger waren nicht perfekt und trotzdem hat Gott durch sie gehandelt."
Zu hören waren außerdem die Stimmen zahlreicher VEM-Mitarbeitenden aus Afrika, Asien und Deutschland – darüber, was Pfingsten für sie persönlich bedeutet und wie der Heilige Geist in der VEM-Gemeinschaft wirkt.
Geleitet wurde der Gottesdienst von Pfarrerin Marie-Anne Halim (VEM) gemeinsam mit Pfarrerin Julia-Rebecca Riedel, der stellvertretenden evangelischen Rundfunkbeauftragten beim WDR. Unter den Gottesdienstbesucher*innen waren auch viele ehemalige Mitarbeitende, die der VEM bis heute eng verbunden sind.
Die telefonischen Rückmeldungen aus der Hörerschaft waren überwiegend positiv: Viele Hörer*innen bedankten sich für die Predigt und lobten den Perspektivwechsel zum Thema Mission aus erster Hand. Auch die Statements aus dem Globalen Süden und die musikalische Vielfalt fanden großen Anklang. Gesungen wurden geistliche Lieder aus Afrika, Asien und dem evangelischen Gesangbuch.
Die musikalische Leitung hatte Jörg Spitzer. Die Projektband bestand aus Manuel Füsgen (Gitarre), Jannik Hoffmann (Drums), Enea Kanani (Piano) und Daniel Njikeu (Bass); am Gesang wirkten Iris-Melanie Inci, Mariam Muwanga und Priscilla Pascua-Quezon mit. Zu den Gottesdienstmitwirkenden gehörten auch Katharina Haubold sowie Pfarrer Emmanuel Muhozi, Pfarrerin Félicité Ngnintedem und Pfarrerin Norita Sembiring von der VEM.
Der Gottesdienst ist in der WDR-Mediathek abrufbar.