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26.05.2020

„Das Familienleben ist sehr viel intensiver geworden“

Pfarrerin Debora Purada Sinaga ist Leiterin der Diakonie-Abteilung der HKBP (Huria Kristen Batak Protestan) in Nordsumatra, Indonesien. (Foto: Evangelische Kirche im Rheinland)

Das nachstehende Interview ist auf der Website der Evangelischen Kirche im Rheinland erschienen. Die Fragen stellte Aaron Clamann, Öffentlichkeitsabteilung der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Indonesien ist eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt und will mit strengen Regeln die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen. Das beschränkt auch das Gemeindeleben. Debora Purada Sinaga, Leiterin der Diakonie der Kirche Huria Kristen Batak Protestan, spricht darüber, wie dabei neue Gottesdienstformen entstehen.

Frau Sinaga, wo erreichen wir Sie gerade für dieses Gespräch?

Debora Purada Sinaga: Ich lebe und arbeite in der Zentrale der HKBP (Huria Kristen Batak Protestan) in Tarutung im Bezirk Tapanuli Utara auf Sumatra in Indonesien. Die Region Nord-Tapanuli hatte 2018 299.881 Einwohner. Die Zentrale der HKBP liegt in etwa zwei Kilometer außerhalb des Stadtzentrums von Tarutung.

Durch das Coronavirus hat sich das Leben in vielen Gemeinden geändert. Auch bei Ihnen?

Sinaga: Durch das Coronavirus hat sich das Gemeindeleben stark verändert. Weil es viele Einschränkungen gibt, findet vieles im häuslichen Rahmen statt. Das hat auch Folgen für die Art wie wir Beten und Gottesdienste feiern.

Können Sie denn aktuell noch Gottesdienste feiern?

Sinaga: Am 29. März hat die HKBP auf Geheiß des Ephorus (Leitender Bischof) Familien empfohlen, Hausgottesdienste zu feiern. Auch an Karfreitag, Ostern und zu Himmelfahrt wurden Gottesdienste zuhause gefeiert. Die Liturgie und die aktuellen Predigten dazu hat unsere Zentrale per E-Mail an alle 31 Kirchendistrikte in ganz Indonesien geschickt. Der Versand erfolgte meist schon mittwochs, damit die Pfarrer vor Ort genug Zeit hatten, um die Liturgie den Gemeindemitgliedern über E-Mail, WhatsApp, Instagram andere Messenger-Dienste oder ausgedruckt weiterzuleiten. Weil es keine Gottesdienste in Kirchen gibt, gestaltet sich auch die Kollekte anders. Es gibt eine Online-Kollekte.

Die Gemeinden vor Ort sind dabei sehr kreativ geworden. Pfarrer bieten Online-Gottesdienste im Live-Stream an, aber auch innerhalb der Familien wird der Gottesdienst gestaltet. Talentierte Musiker singen und musizieren dann frei entlang der Liturgie.

In den Familien sind es meist Mutter und Vater, die die bereitgestellten Predigten verlesen. Die Kinder führen dann durch die Liturgie und die Familie entscheidet, welches Mitglied Gebete vorträgt. Dadurch ist das Familienleben in diesem Bereich sehr viel intensiver geworden.

Wie halten Sie Kontakt zu Ihren Gemeindemitgliedern?

Sinaga: Wir halten hauptsächlich Kontakt über Videokonferenzen, Telefon, Messenger-Dienste, Sykpe, Zoom oder Facebook.

Bietet Ihre Kirche auch spezielle Hilfsangebote an?

Sinaga: Ja, es gibt vor allem Hilfe für diejenigen, die drohen zu sozialen Randgruppen zu werden: Taxifahrer, Bus- und Bahnfahrer, Einzelhändler, Arbeiter in der Palmöl-Industrie, Arbeiter in der Kautschuk-Industrie sowie Hotel- und Restaurant-Angestellte. Sie haben Kunden und Einkommen verloren. Ihnen stellt die Kirche Pakete bereit mit fünf Kilogramm Reis, einem Kilogramm Zucker, einem Kilogram Öl, Seife und Tee. Die Diakonie-Abteilung unserer Kirche hat so schon 3000 Pakete an 300 Familien verteilt.

Zudem stellt unsere Kirche auch Masken und Desinfektionsmittel bereit und unsere Diakonieabteilung gibt Kurse dazu, wie man Masken selbst nähen oder einfache Desinfektionsmittel herstellen kann. Das Angebot ist dabei frei für alle – egal ob Kirchen, Moscheen oder Haushalte, die gar nicht religiös sind.

Dazu bieten wir ein breites Angebot für Kinder, Jugendliche und Studenten an, weil wir vom Kindergarten bis zu den Universitäten die meisten Einrichtungen haben. Kindern vermitteln wir über Kunstwettbewerbe worum es bei der Covid19-Pandemie geht und warum es wichtig ist, zuhause zu bleiben. Grundschüler erhalten Lesematerial oder können selbst Gedichte zum Thema texten, ältere Schüler verarbeiten das Gelernte sogar in Video-Blogs. Studenten bieten wir an, eigene Songs zu produzieren. Das Thema der Aktionen ist: Lieber Vorsorgen als später Heilen zu müssen.

Haben Sie das Gefühl, dass Seelsorgerinnen und Seelsorger nun mehr zu tun haben als sonst?

Sinaga: Auf der einen Seite ja, aber auf der anderen Seite auch nicht. Denn offizielle Zeremonien wie Trauungen, Geburtsfeste, Taufen, Konfirmationen und Trauerfeiern fallen aus.

Seelsorge findet dagegen online statt - über Videotelefonie oder Textnachrichten. Gebete erfolgen von zuhause aus ohne direkten Kontakt zu den Personen, die sie erreichen sollen.

Sie arbeiten viel mit deutschen Partnern zusammen. Wie unterscheidet sich das Gemeindeleben in beiden Ländern generell?

Sinaga: Das unterscheidet auch hier regional stark. In einigen Regionen leben Familien eng beieinander und man kann sich fußläufig erreichen, in anderen Regionen erreicht man Gemeindemitglieder nur mit dem Motorrad oder Auto. Einige Gemeindemitglieder erreicht man dann nur mit einer mehrstündigen Fahrt oder halbtägigen Märschen, weil die Regionen mit anderen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen sind.

In Deutschland sind die Kirchen unter anderem mit ihren Online-Gottesdiensten in den Medien positiv präsent. Wie wird Kirche derzeit bei Ihnen medial wahrgenommen?

Sinaga: Das positive Echo nehme ich auch hier wahr. Um zu vermitteln, was wir aktuell überhaupt machen, veröffentlichen wir viel online. Das reicht von Kochtipps zur gesunden Ernährung für Familien bis hin zu Musikempfehlungen. Andere wiederum teilen mit der Gemeinde die morgendliche Jogging-Runde im Livestream. Das wird sehr positiv aufgenommen.

Auf der anderen Seite profitieren wir aber auch von den Medien. So können unsere medizinischen Teams sich besser darauf vorbereiten, wie wir Menschen behandeln, die positiv auf Corona getestet wurden. Wir wissen, wie viele Menschen infiziert, wie viele gestorben sind und welche Regionen betroffen sind. Dazu können wir uns orientieren, wie wir uns am besten vor einer Ausbreitung schützen.

Auch Organisationen in Indonesien profitieren von einem jüngst eingerichteten Hilfsfonds. Die Vereinte Evangelische Mission (VEM) in Wuppertal hat einen Hilfsfonds von einer Million Euro eingerichtet. Die rheinische und die westfälische Kirche geben je 250 000 Euro dazu.

Auch Sie können sich an dem Hilfsfonds der Vereinten Evangelischen Mission mit einer Spende beteiligen. Das sind die Daten: Spendenkonto der Vereinten Evangelischen Mission

KD-Bank, IBAN: DE45 3506 0190 0009 0909 08, BIC: GENO DE DI DKD; aktuelle Informationen über die Hilfsmaßnahmen: www.vemission.org/united-against-corona  

Zur Person

Debora Purada Sinaga, geboren am 5. April 1965 in Jakarta, ist Leiterin der Diakonie-Abteilung der HKBP (Huria Kristen Batak Protestan). Sinaga hat Theologie und hebräische Sprache studiert. Die HKBP ist eine 1861 gegründete lutherische Kirche mit rund 4,5 Millionen Mitgliedern in Indonesien. Sie ist unter anderem Mitglied im Lutherischen Weltbund.

Das vorstehende Interview veröffentlichen wir ungekürzt mit freundlicher Genehmigung der Evangelischen Kirche im Rheinland, Kommunikationsabteilung.

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